Die heutige Tintenbetrachtung (der Begriff wurde von Pens and Freaks gefunden)

gilt einer hochpreisigen mittelblauen Tinte ...

Caran d´Ache Idyllic Blue


Die Genfer Firma Caran d`Ache mit ihrem besonderen Namen bietet ein sehr weitreichendes Programm im Bereich Schreibwaren an. Es ist ein bißchen der Schweizer Pelikan.

Seit einigen Jahren wurden die bisherige Tintenserie durch die Serien der Chromatic Inks ersetzt. In den schrägen hochwertigen 50-mL-Flacons wird eine hochpreisige Tinte angeboten. Aktuell liegen die VK um 28€, für die Tintenpatronen (kleine Internationals) bei knapp 5€ (7/2021).

Natürlich besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Tintengesamtpreis und der sehr hochwertigen Machart der Tintengläser. Kauft man Tinte oder ein Tintenglas? Das ist die umgekehrte Philisophie wie z. B. von Noodler´s. Auch die hochwertigen Edelstein-Tinten von Pelikan werden trotz hochwertigem und dekorativem Glas ca. 10€ billiger angeboten. Kurzum: der Preis ist eigentlich zu hoch.



Und so sieht die Tinte aus. Ein helles Mittelblau ohne Shading und ohne farbliche Besonderheit. Sicherlich zunächst eine Enttäuschung. In der Papierchromatographie zeigt sich die Tinte homogen. Daher vielleicht die Bezeichnung Chromatics.

Auffällig zur strahlenden Saphir-Tinte von J. Herbin ist aber der feine Lauf der Tinte, sie läuft schmal und läuft nicht aus. Dies ist auch der Unterschied zur Pelikan 4001 Königsblau.

Ich war von der Tinte zunächst nicht sehr angetan. Ich wollte ihr aber eine Chance geben, zumal ich viel Geld bezahlt habe. Und nur den Flacon für eine andere Tinte zu nutzen, kam nicht in Frage.

Ich habe mir die feine Sailor-Feder in einem meiner Cross Peerless 125 ausgesucht. Und darin läuft sie viele Monate. Die beiden kommen gut miteinander aus. Sicherlich ist die Sättigung recht mäßig, aber sie läuft ausreichend (wenn sie auch eine in der Tendenz trockene Tinte ist) und sie ist sehr Papier-unabhängig.

Und das ist ein großer Vorteil. Sie kann gerade mit einer feinen Tinte punkten. Sie ist immer fein und zeigt keinerleich Auffälligkeiten.

Man sieht in der durchschnittlich saftigen Stub-Feder des Delta 82 den farblich gleichmäßigen und eher trockenen Charakter der Idyllic Blue.

Sie ist pflegeleicht, läßt sich einfach auswaschen als wasserlösliche Tinte. Für manche Zwecke ist das sehr praktisch.

Hier sieht man es deutlich in meinem Brunnen-Kalender. Links die Idyllic Blue, rechts die Eclat de Saphir jeweils in einem vergleichbaren F-Feder-Peerless. Die Herbin-Tinte läuft ja bekanntermaßen breit und drückt auch leicht durch. Das tut die Idyllic Blue nicht.

Der schräge Flacon, der bei niedrigem Tintenstand die Entnahme erleichtert. Massiver Metallverschluß

Homogene Tinte geringer Sättigung in der Papierchromatographie


Zusammenfassende Beurteilung:

Die Caran d`Ache Idyllic Blue ist eine sehr teure hellere, weniger gesättigte, monochrome und wasserlösliche Mittelblautinte. Sie läuft nicht aus und drückt nicht durch. Das Verhalten ist sehr unkompliziert. Der Flacon ist hochwertig und ein Teil des hohen Preises somit wert.

Hauptargument ist sicherlich der feine Lauf oder auch der Einsatz in einem sehr nassen Füllhalter.

Man kann die Tinte auch preisgünstiger in den Tintenpatronen ausprobieren.

Chromatics – incredible colours. Der Slogan will mir bei dieser Tinte nicht so einleuchten.

Dennoch hat sie bei mir einen besonderen Status erlangt. Ich werde sie wieder kaufen.

 

Viele Grüße

Euer Thomas und die Pens and Freaks


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Kommentare: 4
  • #1

    Uwe (Sonntag, 04 Juli 2021 19:46)

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für die Vorstellung dieser Tinte!

    Mit dem Delta macht die Tinte ja einen sehr hellen Eindruck (jedenfalls auf meinem Monitor). Das -auch die geringere Sättigung- gefällt mir in letzter Zeit sehr gut. Dazu die guten Eigenschaften, besonders der feine Lauf - das könnte was für mich sein! (Die von dir o.a. Eclat de Saphir gefällt mir z.B. sehr von der Farbe her, aber der breite Lauf und das Durchdrücken geht für mich gar nicht! Ich benutze sie kaum noch.)

    Den Preis für die Idyllic Blue finde ich allerdings auch übertrieben. Bevor ich also so viel Geld für ein (zugegeben sehr schönes) Glas ausgebe, werde ich die Tinte erst einmal als Patrone testen.

    Also - nochmal vielen Dank und Grüße
    Uwe

  • #2

    Pens and Freaks (Sonntag, 04 Juli 2021 21:10)

    Erratum

    „ Und das ist ein großer Vorteil. Sie kann gerade mit einer feinen Tinte punkten.“

    … mit einer feinen Feder …

    muß es heißen.

  • #3

    Pens and Freaks (Sonntag, 04 Juli 2021 21:15)

    Danke, Uwe, für Deinen Kommentar. Tinten werden nicht getestet, sie werden betrachtet. So bin ich damals auf den Begriff gekommen.

    Es sind nicht Sättigung, Farbe, Preis allein. Es muß passen, auch gerade individuell. Manche Feder-Tinten-Kombis passen oder nicht. Manche Eigenschaften sind es. Diese entscheiden. Hier ist es der feine Lauf. Die Randschärfe. Die Schrift wird nicht dicklich. Ein Segen für eine feine Sailor-Tinte.
    Über die spannende Magnetic Blue werde ich berichten.
    Viele Grüße Thomas

  • #4

    Uwe (Montag, 05 Juli 2021 17:04)

    Hallo Thomas,

    wenn ich oben schreibe: „werde ich die Tinte erst einmal als Patrone testen“, meine ich damit: ich werde sie ausprobieren (mit verschiedenen Füllern) und sehen, ob sie was für mich ist … - Um einen Test im schulischen Sinne, bei dem es am Ende eine positive oder negative Bewertung gibt, geht es mir nicht!

    Bei den Kriterien (Durchdrücken, feiner Lauf, Sättigung etc.) verlasse ich mich auf deine Angaben. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht! Allerdings kommt man zu den Kriterien ja durch Tests bzw. Testreihen. Ich finde diesen Begriff „Test“ deshalb nicht sooo abwegig. Eine Betrachtung ist dagegen m.E. eher individuell (bzgl. Farbe, Schattierung etc.).

    Ja, die „Feder-Tinten-Kombis“ sind in den letzten Monaten auch bei mir geradezu zu einem Hobby geworden! Da kommt man ganz schnell zu völlig neuen Eindrücken, sowohl bei den Füllern als auch bei den Tinten. Ich wollte zuerst zu meinen liebsten Füllern die jeweils passendste Tinte finden. Da aber häufig der „Lieblingsfüller“ nicht zur „Lieblingstinte“ passt, gehe ich auch den umgekehrten Weg und suche nach dem passenden Füller für meine Lieblingstinte. Dabei hat z.B. mein Lamy 2000 (EF) einen ganz neuen Stellenwert bekommen, weil er einfach am besten zu meiner Lieblingstinte passt …

    So what … dieses Hobby ist ein grenzenloses Feld ;-) Wie schön!

    In diesem Sinne – viele Grüße
    Uwe