Ein Lamy 2000?

Der KACO Egde aus Shanghai

Der KACO Edge des chinesischen Herstellers aus Shanghai bringt seit vielen Jahren wieder einen Füllhalter im Stile eines Lamy 2000. Oft wird dem 1966 vorstellten Lamy 2000 nachgesagt, er bestünde aus Makrolon. Makrolon (R) ist ein Handelsnamen der Firma Bayer für den ersten Polycarbonat-Thermoplasten (1958). Das ist nichts Außergewöhnliches, ganz im Gegenteil. Besonders wird das Material in Aussehen, Dauerhaftigkeit und Anfassqualität durch die Glasfaser-Verstärkung. In den 70ern gab es solche Produkte auch von Firmen wie Montblanc und auch Lamy hatte andere Modelle. Heute ist der Lamy 2000 das Synomym für dieses Material, das in der ästhetischen und funktionellen Ausführung (Griffstück-/Corpus-Übergang; Sichtfenster etc.) auch heute noch unerreicht ist. Der Edge versucht nun, diese Formen- und Materialsprache wieder aufzunehmen. Man wird sehen, was solche Produkte aus China können. 

Auf den ersten Blick sehen Edge und 2000 (re.) schon ziemlich ähnlich aus. Das Material ist absolut vergleichbar. Der Edge ist mit 24 g gefüllt aber leichter, insbesondere seit der 2000 das Vollmetall-Vorderteil hat. Die Halter sind ähnlich lang, knapp 14 cm geschlossen. Der Schaft ist mit knapp 12 mm maximal aber dünner. 13,2 mm ist die maximale Kappenbreite. 

Auch wenn man das hier nicht so gut sehen kann, ebenfalls ein hochglanzpoliertes oberes Kappenende.

Noch schlechter zu sehen der untere Corpusabschluss mit dem unscheinbaren Plastik statt gebürstetem Edelstahleinsatz wie beim 2000.

Daher kommt wohl der Name: Edge. Ein messerartiger Clip unfaßbar schlechter Funktionalität. Er muss angehoben werden, was aber kaum möglich ist. Die Fremdfederung läßt nur ein Anheben um wenige Millimeter zu. Man muss diesen Clip meist auch anheben, was kaum möglich ist. Man findet kaum eine notwendige Lücke und das Aufschieben z. B. in eine Tasche ist auch schwierig. Wer sich das wohl hat einfallen lassen? Der auf der Kunststoffbox, die recht schmuck und ausreichend einfach ist? Oder hat Chen Sen nur für die Packung das Design entworfen? Das hat natürlich nichts zu tun mit dem wunderbaren Lamy-2000-Clip. Der Edge-Clip nervt allenthalben. 

Nun sollten wir aber die Kappe abnehmen. Siehe da: ein schmaler Metallringeinsatz mit Gegenstück in der Kappe wie beim Vorbild. 

Eine 16 mm lange freistehende Feder mit Logo, Germany und der Federstärke EF (im Internet habe ich auch M gefunden). Die Feder und der Tintenleiter stammen von Schmidt. Der dazu passende und normalerweise nicht beiliegende K1-Konverter ebenso. Dafür finden wir zwei schwarze Großraumpatronen in Schaft und Verpackung. Auf der Rückseite eine chinesische Beschreibung. Man sieht auch den weniger gut kachierten Übergang von Metallgriffstück aus eloxiertem Aluminium zum Kunststoff-Schaft. 

Der Plastik-Tintenleiter von Schmidt

Kunststoff in Kunststoff und die mitgelieferte Patrone. Inzwischen habe ich diese durch einen einfachen Faber-Castell-Konverter mit Plastikvorderteil (mit vorderem Metallrand hat das nicht gepasst) ersetzt und den Edge mit Waterman Serenity Blue gefüllt. 

Das ist das tadellose Schriftbild. Und das Schreiben selber ist genauso. Die recht feine Feder schreibt leicht und weich ohne Pausen, kratzt überhaupt nicht, der Tintenfluss der rigiden Feder ist tadellos. Gut gemacht. Gegenüber typischen Jinhao-Federn z. B. (sollen dann auch fein sein, sind aber eher M bis B und "overpolished") ist das eine andere Klasse. Die Feder hat zwar keine besondere einfallsreiche Ziselierung, aber das geht schon in Ordnung. Leider ist die Inschrift eine Laser-Gravur und kein Stempel. 

Wie man hier sieht ist der Edge sehr viel schmaler als der 2000. Dadurch und durch die fehlende gute Gewichtsverteilung wirkt der Edge eher wie ein Bleistift. Man vermisst für heutige Verhältnisse wirklich etwas Substanz, die Länge ist überzeugend und auch die Kappe läßt sich tief und sauber, auch sicher aufstecken. 


Zusammenfassende Beurteilung:

Ein ganz wesentliches Designmerkmal, der Clip, ist das einzig unschöne am Edge, mehr funktionell als optisch. Sonst sind Material gut und die Machart befriedigend, wenn man den günstigen Preis von deutlich unter 30€ berücksichtigt und dass man ihn kurzfristig im Onlinehandel auch hierzulande bekommt. Das Schreibverhalten und der Kappensitz sind sehr viel besser als man erwarten konnte. Nämlich wirklich gut. Das Füllsystem ist unproblematisch und einen passenden Konverter kann man sich sicherlich für den Edge besorgen bzw. leisten. Dabei ist er leider nicht. Die Billigkonverter der chinesischen Füllhalter, die üblicherweise mitgeliefert werden, wäre aber auch keine gute Sache. 

Wie sich der Edge auf Dauer schlägt, wird man sehen. Die Voraussetzungen für ein längeres Leben sind aber gar nicht schlecht. 

 

Viele Grüße

Euer Thomas

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Kommentare: 4
  • #1

    Alfred (Samstag, 09 Februar 2019 21:47)

    Interessanter Halter.
    In grossen Teilen sieht er Lamys Aion aber denn doch weitaus ähnlicher als dem 2000; jedenfalls geöffnet.
    Die Schmidt-Tintenleiter gelten generell als wirklich vorzüglich; aufgrund der sehr eigenen Federcharakteristik des 2000er mit seiner kleinen Feder dürfte aber das Schreibgefuehl jeweils deutlich auseinanderklaffen. Schon ohne Faktoren wie Schaftdicke und Gewichtsverteilung etc mit einzubeziehen.

    -Wo kann man sich den Füller einmal in natura ansehen bzw beschaffen?

    fragt herzlich grüßend

    Alfred.

  • #2

    Pens and Freaks (Samstag, 09 Februar 2019 22:04)

    Hallo Alfred, danke für Deinen Kommentar. Bekommt man kurzfristig bei amazon.de für unter 25€. Somit kein Risiko. Federn in EF, F und M.

    Viele Grüße
    Thomas

  • #3

    Pens and Freaks (Samstag, 09 Februar 2019 22:13)

    Das Gute am Edge sind Federaggregat und das Material. Er ist ein leichter und recht dünner Halter. Gegenüber den typischen China-Haltern aus Metall mit den mittelbreiten überpolierten China-Federn ala Jinhao aber richtig praxistauglich. Der Clip ist hingegen ohne jegliche Praxistauglichkeit konstruiert. Er ließe sich leicht durch eine vordere Einkerbung oder Nut einschieben oder anheben.

    Ich mag den Edge und er ist ja durchaus preiswert.

    Viele Grüße Thomas

  • #4

    Pens and Freaks (Freitag, 01 März 2019 21:14)

    Die Kappe ist nach einigen Wochen sorgsamer Benutzung langstreckig spontan gerissen. Sehr schade. Der Edge geht zurück.

    Thomas