Opus 88 Koloro Demonstrator

Einleitung

Opus 88 nennt sich die taiwanesische Firma. Als OEM-Hersteller produziert sie bereits seit Anfang der 70er Jahre für die Industrie Schreibgeräte bzw. Applikationen wie hochwertige Lackarbeiten für japanische Hersteller (wie Urushi-Lackarbeiten). Ähnlich wie zuvor TWSBI macht man sich jetzt daran, eigene Modelle zu kreieren. 

 

Die ersten Modelle heißen Picnic und Koloro (Esperanto für Farbe). Den Koloro wiederum gibt es in verschiedenen Farben in einer einzigartigen Ebonit/Acrylglas-Verbindung und den größeren Demonstrator in Acryl, der hier vorgestellt wird. Der "normale" Koloro wird folgen. Für 99€ wird der Demonstrator hierzulande angeboten. Die Edelstahlfeder der Größe 6 stammt von JoWo in Berlin.


Fakten:

  • Preis 99€
  • Gewicht komplett 26 g
  • Gewicht ohne Kappe 16 g
  • Kappe nicht aufsteckbar
  • Länge geschlossen 14,8 cm
  • Länge ohne Kappe 13,8 cm
  • Griffstückdurchmesser Mitte 11,6 mm
  • Max. Schaftdurchmesser 15 mm
  • Feder: Edelstahl Gr. 6 in F, M oder B
  • Füllsystem: "Eyedropper" (Pipettenfüller) mit Verschluss-System, Füllmenge max. >3 mL

Man sieht also schon die Besonderheit. Es ist ein Pipettenfüller. Und die Pipette ist mitgeliefert. Die große und schöne Verpackung unterstreicht den gewünschten Nimbus der Hochwertigkeit. 

 

Das ist nicht unwichtig, gab es doch mit dem Material bei TWSBI jede Menge Probleme, vor allem mit Rissbildungen. Ich bin mir sicher, Opus 88 (88 steht für 1988 und meint das Jahr 1977 im taiwanesischen Kalender, das mit dem Gründungsjahr 1912 beginnt) möchte Qualitätsprobleme in jedem Fall vermeiden.


Der Füllhalter ist groß und voluminös, aber nicht schwer. Er liegt für meine Begriff gut in der Hand. Die Kappe läßt sich nicht aufstecken. Das würde auch nicht passen. Das Acryl-Glas ist an den Enden hochglänzend und transparent (Kappen- und Corpus-Ende), sonst in einer Mattierung. Der Tintenvorrat ist frei einsehbar und macht aus jedem Demonstrator durch die Tintenfarbe etwas Eigenes. Der eigengefederte einteilige schwarzmattierte Metall-Clip sitzt fest und hat eine angenehme Federung. Einfaches und doch passendes Design mit einem materialfreundlichen Clip-Ende (Ball). Die Kappe hat keinen Metallring, in schwarzer Schrift ist OPUS 88 aus den Kappenrand aufgebracht.


Die Kappe ist aufgeschraubt, hat ganze 4,5 Umdrehungen und sitzt fest. Bei allem sinnvollen Sicherheitsdenken. Das lange Festdrehen der Kappe ist sicherlich des Guten zuviel. Der Schaft wiederum ist in das Griffstück eingeschraubt und mit einem Gummiring gesichert. Die Fixierung macht einen sehr sicheren Eindruck. Bei einem "Eyedropper" ist das "lebenswichtig"! 


Die große Stahlfeder ist konventionell gestaltet, eine typische florale Prägung und OPUS 88, mutmaßlich als Laser-Gravur. Zudem ist die Federstärke, hier F, eingestanzt. Eine Laser-Gravur ist eine naturgemäß primitive Sache, da sie einen Standard-Prägestempel möglich macht, ohne einen eigenen mit Logo oder Beschriftung zu benötigen. Das ist eindeutig primitiver als z. B. bei TWSBI. Faktisch spielt es durch die große Feder keine Rolle. Die Prägung etc. fällt kaum auf. Also letztlich kein wesentliches Minus.


Bei vielen Youtube-Filmen über Füllhalter, ist als scheinbar wichtiger Fakt angegeben, ob man den Halter als "Eyedropper" verwenden kann. Naja. Es gibt sicherlich wenige Füllhalter, die man so unfunktionieren möchte oder sollte. Ein Hauptproblem ist bei dem sehr großen Reservoir austretende Tinte unter verschiedenen Bedingungen wie sich ändernde Luftdrucke (Flugzeug) oder unterschiedliche Temperaturen (Winter drinnen/draußen und das Tragen am Körper in Jacke oder Hemd). Das Problem ist bei einem "Eyedropper" viel größer als bei einem Halter mit kleinerem Volumen. Diese Konstruktion ist wohlüberlegt. Sie erlaubt wie bei einem Vacuum-Füller (Pilot Custom 823, Onoto und Sheaffer-Vacuum-Füller z. B.), den Tintenvorrat vom Tintenleiter durch einen Verschlussmechanismus abzuriegeln. Bei festgedrehter Endkappe ist dies der Fall, man schreibt entweder maximal einige Seiten nach der Füllung (Feder nach unten und die geöffnete Endkappe zudrehen) mit zum Ende abnehmendem Tintenfluss oder schreibt mit z. B. einer Umdrehung geöffnet und verschließt nur bei Bedarf. Das ist eine gute Lösung. Ich habe unter verschiedenen Bedingungen am Boden keine Probleme gesehen. Dabei liegt der Halter auch teils in einem Etui.


Funktion

Wie muss man nun den Koloro Demonstrator beurteilen? Ein großer Halter in nüchternem Zylinderdesign, attraktiv durch die Tintenfüllung! Handling, sofern man einen langen und voluminösen Füllhalter verwenden kann oder möchte, mit seiner stimmigen Federgröße und -form als "Daily Writer" geeiget. Leider werden nur die langweiligen F, M und B angeboten. Die Konstruktion als Pipettenfüller mit Sicherheitsventil auch auf Reisen einsetzbar. Die Konstruktion macht einen dauerhaften Eindruck, Langzeiterfahrungen kann es noch keine geben. Man schraubt den Schaft ab und füllt den Schaft mit der Pipette oder einer Spritze mit Nadel direkt. Man kann das Ventil zur optimalen Füllung ganz zurückdrehen, wie man will. Der Corpus läßt sich dann zuverlässig zuschrauben. Die Kappe sitzt ebenso sicher, so dass hier keinerlei Probleme auftreten dürften. Offen bleiben muss naturgemäß, wie der Dichtungsring durchhält und ebenso die Kunststoff-Ventilkonstruktion. Diese selbst funktioniert einwandfrei. Es lässt sich die Tintenzuleitung (entgegen einem Youtube-Bericht, vielleicht ist dieses Exemplar anders gewesen) komplett unterbinden.


Und wie schreibt er nun? Die mit vorliegende F-Feder ist völlig rigide und ein bisschen "overpolished". Das bedeutet, die glasglatte Federspitze setzt beim Anschreiben nicht immer sofort mit dem Tintenfluss ein. Je nach Schreibhaltung ist das auch nicht der Fall. Keinerlei Feedback, wie man so schön sagt. Der Tintenfluss ist recht gut, die verwendete, leicht auswaschbare Tinte (wichtig bei einem Demonstrator) ist eher trocken und somit das Ergebnis zufriedenstellend. Die Strichstärke ist eher M als F. Die Tinte trocknet nicht aus und verdunstet auch nicht. 


Mein Fazit: Mit Opus 88 betritt ein neuer Anbieter mit eigenen Ideen die Bildfläche. Bei all den ewig gleichen Füllern mit meist uralt bewährtem Design und bekannter Technik bekommen wir jetzt erfrischenden Zuwachs. Vielleicht sollten im Verlauf mehr Federstärken oder Schliffformen hinzukommen oder auch eine flexiblere Feder (ist ja gerade "Mode"). Dabei sollte man sich überlegen, die Federspitzen nicht so glatt zu polieren, zumindest nach den Erfahrungen mit der mir vorliegenden Feder. In der Konstruktion sind letzte Urteile naturgemäß verfrüht, man gewinnt aber mit dem Schreiben einen guten Eindruck. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt durchaus noch, die kleineren und preisgünstigeren Koloro-Varianten könnten eine Alternative sein. Meine Erfahrungen mit einem blauen Koloro werden nach eingehender Sichtung folgen. 

 

Für die Pens-and-Freaks-Leser, so hoffe ich, ist der Koloro Demonstrator in seinem jetzigen Zuschnitt sicherlich eine beachtenswerte Neuerscheinung, die man zudem auch aus Deutschland beziehen kann. 

 

Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen.

 

Viele Grüße

Euer Thomas


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Kommentare: 2
  • #1

    Gregor (Sonntag, 27 Mai 2018 08:31)

    Danke, Thomas, für diesen sehr interessanten Bericht.
    Mit den TWSBis bin ich langfristig gesehen auf den Bauch gefallen (530, 540 und 580 - alle mit Rissen im Korpus aus dem Rennen), aber vielleicht ist der Opus ja besser gefertigt.
    Interessant ist er auf jeden Fall. Mal etwas anderes, nur die Feder hat etwas sehr viel Understatement.

    Gruß von der Küste
    Gregor

  • #2

    Pens and Freaks (Sonntag, 27 Mai 2018 21:38)

    Danke, Gregor. Bei den "neuen Marken" sieht man die Qualität naturgemäß erst im Verlauf.

    Viele Grüße
    Thomas