Ranga 3

Ranga – handgemachte Schreibgeräte aus Indien

Einleitung:

Die Ranga Pen Company kommt aus der Umgebung von Chennai im Südosten Indiens. Seit 1970 produziert der heute 65jährige M. S. Pandurangan Schreibgeräte per Hand auf der Drehbank. Man sagt, dass dafür mindestens 20 Jahre Übung erforderlich sind. 

Um Fertigung und Vertrieb kümmert sich zuvorkommend sein Sohn M. P. Kandan.

Die Materialen werden von Stangen abgeschnitten und dann per Hand produziert – wie in den ersten Jahrzehnten des Füllfederhalters, bevor in den 40ern die Duroplasten Einzug hielten.

Durch diese Besonderheiten kann man in Indien prinzipiell solche Schreibgeräte herstellen auch ohne Strom über Fußpedale, natürlich ist das heute anders. Aber die Fertigung erfordert dieses Höchstmaß an Gefühl und Kenntnis, die es erst möglich macht, eine solche Qualität anzubieten. Beeindruckend dazu der Youtube-Film: https://www.youtube.com/watch?v=08pUuLREZR4

Und genau diese Sorgfalt spürt man in diesen Füllhaltern (es gibt auch Kugelschreiber), die einem ja als treue Werkzeuge möglichst dauerhaft dienen sollen.

Ranga-Modelle:

Als Musterbeispiel habe ich den Ranga 3 ausgewählt, habe von ihm mehrere Modelle und auch einen 9B, den ich auf Wunsch auch gelegentlich vorstellen kann.

Der Ranga 3 wird ebenso wie die anderen Modelle in einer Unzahl von Ausführungen angeboten, aus Ebonit oder Acrylglas, die in Stangen dem Hersteller zur Verfügung stehen. Dieses Modell ist aus schwarzem Hartgummi und ist matt (Ebonite Matte), die Ebonit-Modelle gibt es in glänzend und matt. Modell No. 3 ist den Parker Duofold der 20er Jahre nachempfunden mit ihrem großen zylinderförmigen Aussehen. 

Outfit:

Der No. 3 ist geschlossen 14,7 cm lang, offen 13,6 cm. Aufgesteckt sind es 17,5 cm. Der Durchmesser des Corpus liegt bei 14,2 und die Griffdicke mittig bei 11,4 mm. Also ein recht voluminöser, mit 22 g (auf 2 g genau gemessen) geschlossen und 14-16 g offen (gefüllt) ein recht leichter Halter, der formal auch aufgesteckt mit guter Balance benutzt werden kann. Dann ist aber die Gesamtlänge auch entsprechend drastisch.

Die Kappe schließt absolut sicher und der Gewindelauf ist vorzüglich, 2 1/4 Umdrehungen sind recht viel, aber noch akzeptabel. Die vielen Gewindegänge sorgen aber auch für mehr Sicherheit. Bei diesen handgefertigten Modellen kann es hier schon zu Schwankungen in der Fertigung kommen, die Halter können auch besser oder schlechter sein bezüglich der Kappenabdichtung.

Ranga 3 aus Ebonit, schwarz, mattiert
Ranga 3 aus Ebonit, schwarz, mattiert
Ranga 3 aus Ebonit schwarz, glänzend mit Titanfeder von Bock
Ranga 3 aus Ebonit schwarz, glänzend mit Titanfeder von Bock

Der geschwungene Clip mit der "Laser engraved" RANGA-Gravur passt sehr schön und ist funktionell. Er läßt sich gut anheben und der Halter rutscht sehr gut in die Tasche. Er sitzt zudem fest. Bei einem anderen Exemplar ist der Clip leicht schräg und steht minimal ab. Man kann aber Ranga bitten, genau auf den Clip zu achten. Meine anderen Modelle sind hier tadellos. Die Clips sind entweder verchromt oder vergoldet, ganz nach Wunsch.

Die Federauswahl/Konverter:

Neben der aufwendigen Handfertigung kommt hochwertiges Material von drei (!) deutschen Firmen. Die Federaggregate stammen entweder von Schmidt, Jowo oder Bock in einer Vielzahl verschiedener Ausführungen Stahl, vergoldet, "Two Tone" und auch Gold- und Titanfedern von Bock gegen entsprechenden Aufpreis. Man muss bedenken, dass die drei Hersteller keine kompatiblen Federaggregate haben und daher die Griffstücke für die entsprechenden Aggregate gefertigt werden. Man bekommt auch Griffstücke ohne Feder, so dass man z. B. auch ein eigenes Federaggregat z. B. von Jowo einsetzen kann. Die Tintenleiter sind aus Spritzkunststoff, Ebonit wird leider nicht angeboten. Man könnte aber auch in einen Jowo-Träger ein Aggregat von Wancher mit Ebonit-Tintenleiter eindrehen. 

Ein hochwertiger K5-Konverter von Schmidt wird mitgeliefert.

Im Vergleich Jowo (oben) und Bock (hier Titanfeder). Ganz klar, das fehlende Signet wirkt bei JoWo nicht schön, sieht man aber im Alltag nicht. Sehr schön die Titanfeder von Bock mit dem attraktiven Zeichen
Im Vergleich Jowo (oben) und Bock (hier Titanfeder). Ganz klar, das fehlende Signet wirkt bei JoWo nicht schön, sieht man aber im Alltag nicht. Sehr schön die Titanfeder von Bock mit dem attraktiven Zeichen
Ergänzung: eingefügt zum Vergleich nach dem Kommentar von Uwe Steinmann (#4); links Schmidt; rechts Jowo, wie sie von Ranga angeboten werden. Die Tintenleiter sind nicht identisch.
Ergänzung: eingefügt zum Vergleich nach dem Kommentar von Uwe Steinmann (#4); links Schmidt; rechts Jowo, wie sie von Ranga angeboten werden. Die Tintenleiter sind nicht identisch.

400 dpi
400 dpi

Zusammenfassende Beurteilung:

Welche Qualität bekommt man nun für die moderaten Preise. Zunächst ein einzigartiges Schreibgerät, das nicht mit anderen indischen Füllhaltern vergleichbar ist. Zudem ist die Lieferung schnell und im Reklamationsfall professionell und kundenzentriert. Keine Versandkosten! Innerhalb von 2 Wochen hat man sicher den Halter in seiner zwar einfachen, aber doch passenden Verpackung. Zudem wird ein einfacher Halter und eine Kunststoffpipette für den Einsatz als "Eye Dropper"-Füllhalter mitgeliefert. 3 in 1 nennt das Ranga, Konverter, "Eye Dropper" oder Patronen, alles ist möglich. Das Handling ist bedingt durch das angenehme Ebonit sehr leicht und angenehm, gerade die matte Variante in Schwarz gefällt mir persönlich sehr, ich habe auch einen Schwarz glänzend und Brown Ripple glänzend. 

 

Nun zu den Federn: Ich kenne Jowo EF (1. Exemplar kratzig mit schlechtem Fluss, 2. Exemplar zugesandt einwandfrei, siehe auch Schreibtest), Schmidt EF (auch rigide mit gerundeter Spitze, aber auch leichter Baby´s- Bottom-Effekt) und Bock EF und F (EF mit eher schwächerem Fluss, leichter Elastizität und guter Spitze, weicher insgesamt als Jowo und Schmidt, F mit kräftigem Fluss mit deutlichem Baby´s-Bottom-Effekt) und zudem Bock Tintan F (guter Fluss, keinerlei Anschreibprobleme, optimales Schreibkorn, keine Raspeligkeit des Points wie bei Titanfedern häufig, schöne Elastizität). Das Schöne ist ja, dass man für einen guten Preis da einiges ausprobieren kann. Nachteil: Man muss teils die Federn auf den Tintenleitern justieren, damit sie optimal schreiben und auch sicher auf dem Tintenleiter sitzen, sonst "knacken" die Federn. Das war bei der Schmidt-Feder sehr ausgeprägt, auch eine JoWo hatte es. Es zeigt sich hier, dass die Federaggregate sicherlich so zugekauft und ohne weitere "Korrektur" angeboten werden. Das ist schon ein Unterschied z. B. zu den vergleichbaren JoWo-Federn bei Edison in den USA oder auch Wancher in Japan, die perfekt "getuned" sind. Insgesamt ist es aber kein wirkliches Risiko, weil man die Federaggregate leicht aus dem Mantel ziehen, justieren und wieder einsetzen kann. Das gilt für alle drei Federanbieter. 

Diese EF-Feder von Jowo ist wirklich sehr fein und hat etwas Biss, aber einen guten und in allen Ebenen gleichen Tintenfluss. So kennt man das von Jowo. EIne Schmidt wäre etwas breiter, hätte weniger Fluss und würde etwas ruppiger schreiben. Wenn es passt, kann es aber auch eine sehr angenehme Feder sein, der Imprint von Schmidt ist schön, aber mit wenig Tiefe.

 

Ich konnte bisher einen äußerst guten und sympathischen Eindruck von den Ranga-Füllhaltern gewinnen, bei den Federn könnte man im äußersten Fall auf andere Aggregate (gerade von JoWo sehr häufig bei verschiedenen Herstellern). Ansonsten wird man aber im Normalfall eine gute Feder finden, wobei gerade auch eine Titanfeder in F. M oder B sehr spannend sein kann. 

 

Ich jedenfalls freue mich, euch diese sympathische indische Marke Ranga vorzustellen. Es sind einzigartige Produkte, die sich mit hochwertigen Komponenten für den Dauereinsatz empfehlen. 

 

Ich hoffe, die Vorstellung hat euch gefallen. Ich freue mich auf eure Kommentare.

 

Viele Grüße

Euer Thomas

 

13.1.2020

 

Quelle: https://rangapens.com/de/


P. S.: bezugnehmend auf Kommentar #4 Bild von Uwe Steinmann über den angesprochenen Füllhalter
P. S.: bezugnehmend auf Kommentar #4 Bild von Uwe Steinmann über den angesprochenen Füllhalter

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Kommentare: 5
  • #1

    Uwe Steinmann (Freitag, 24 Januar 2020 15:10)

    Hallo Thomas,

    das ist ja wieder ein sehr interessanter und sympathischer Bericht! Es macht immer wieder große Freude, deine ausführlichen Reviews zu lesen, besonders auch bei so ausgefallenen Füllhaltern wie dem Ranga (davon hatte ich bis dato noch nie gehört). Vielen Dank dafür!
    Ein wenig schmunzeln musste ich über die Vielfalt bei den Federn bzw. Federaggregaten: typisch "indisches Chaos" - aber sehr sympathisch! ;-)

    Zu den Schmidt-Federn kann ich noch eine kleine Information zugeben: Schmidt stellt selbst keine Federn her, sondern nur die Tintenleitwerke. Auf dem hervorragenden FH452-Leitwerk von Schmidt sitzt z.B. eine Jowo-Feder Gr. 6 (jedenfalls bei meinem Transehe-Taschenfüller). Schmidt Technology gab mir bereitwillig auf Anfrage diese Info per Mail.

    Also ... nochmals vielen Dank für die große Mühe, die du dir immer wieder machst!

    Viele Grüße
    Uwe

  • #2

    Paf (Freitag, 24 Januar 2020 20:50)

    Danke, Uwe. Eine interessante Marke. Chaos sehe ich nicht. Wer bietet schon Federaggregate aller drei Anbieter. Dafür müssen die Griffstücke anders sein. Man kann natürlich auch andere z. B. Jowo-Federn einsetzen. Dadurch kann man auch die Titanfedern von Bock verwenden. Für manche eine besondere Erfahrung.
    Die Federn von Schmidt: überrascht mich, dass sie von Jowo sein sollen, sehen sie doch anders aus und schreiben auch anders. Ich versuche, das herausfinden.

    Viele Grüße Thomas

  • #3

    Uwe Steinmann (Freitag, 24 Januar 2020 22:00)

    Hallo Thomas,

    das "Chaos" war natürlich nicht ernst gemeint! Deshalb habe ich es in Anführungszeichen gesetzt.

    Ob die Schmidt-Federn des Ranga von Jowo kommen, weiß ich natürlich auch nicht. (Beim Transehe-Füller ist es aber so.) Vielleicht bezieht Schmidt Federn auch von anderen Herstellern. Meine Aussage sollte nur klarstellen, dass Schmidt nicht selbst Federn herstellt!

    Vielleicht habe ich mich etwas unklar ausgedrückt? Ich hoffe, keine Verwirrung gestiftet zu haben!

    Viele Grüße
    Uwe

  • #4

    PAF (Montag, 27 Januar 2020 22:27)

    Uwe Steinmann schrieb mir ergänzend:
    Hallo Thomas,

    zu meinem Kommentar #3 zu deinem Beitrag "Ranga 3" melde ich mich noch
    kurz mit zwei Fotos meiner Schmidt-Feder im Transehe-Füller. Da sieht
    man, finde ich, deutlich, dass die Feder wie eine Jowo aussieht, - und
    sie schreibt auch so. (Und es ist natürlich eine.)

    Wenn die Schmidt-Feder beim Ranga anders aussieht (die Fotos in deinem
    Review zeigten ja Bock- und Jowo-Federn, aber keine Schmidt) kann es
    natürlich sein, dass Schmidt die Federn bei verschiedenen Herstellern
    bezieht.

    Viele Grüße
    Uwe

    P.S. Ich wollte dir die Fotos aber gerne senden, damit du siehst, dass
    ich nicht phantasiere! ;-)

  • #5

    Pens and Freaks (Montag, 27 Januar 2020 22:31)

    Zur Ergänzung und zum Vergleich habe ich oben bei den Federn noch die "Schmidt"-Feder im Vergleich zur Jowo. Bei Schmidt habe ich angefragt wegen der Federproduktion. Bisher war ich davon ausgegangen, dass Schmidt die Federn fertigt. So wurden sie auch bei den ersten TWSBI Diamond 530 verwendet, ehe man zu Bock und dann im Verlauf zu Jowo überging. Die Schmidt-Federn (oder wer sie auch immer produziert) werden auch beim KaCo Edge verwendet, dessen Material leider Risse in der Kappe nach einigen Wochen zeigt. Sonst eine schreibtechnisch gelungene Feder. Mir persönlich gefallen die "Schmidt-Federn" im Design sehr, die Jowo wirken etwas plump und die Aussparung für ein Logo o. ä. (leider häufig gerne "Laser engraved") wirkt nicht sehr schön. Das tolle Bock-Logo macht da mehr her.