September 2018

Sailor 1911 Large Realo

Kolbenfüllhalter von Sailor aus Hiroshima

Den Unterschied macht das Tintensichtfenster schon auf den ersten Blick. Dieses ist auch bei geschlossener Kappe einzusehen. Der Realo ist ein Kolbenfüllhalter.
Den Unterschied macht das Tintensichtfenster schon auf den ersten Blick. Dieses ist auch bei geschlossener Kappe einzusehen. Der Realo ist ein Kolbenfüllhalter.

 

Den 1911 des japanischen Herstellers gibt es in der Standard-Ausführung mit 14K-Goldfeder und in der größeren Ausführung Large mit der exklusiven 21K-Goldfeder. Ergänzt wurde die Large-Serie um einen Kolbenfüller bereits vor einigen Jahren, genannt wird er Realo. Auf der Webseite von Sailor wird er aktuell als 1911 Realo bezeichnet. Es gibt ihn in Schwarz, Rostrot und als Demonstrator mit vergoldeten Akzenten und in Schwarz rhodiniert (1911 Realo Silver). Die Federauswahl ist zumindest in Japan zahlreich: EF, F, M, B, Z, MS (Z=Zoom; MS=Music). Mein Exemplar hat eine F-Feder in 21K-Gold.

 

Dimensionen:

Gewicht (auf 2 g genau) gefüllt: 18 g

Ohne Kappe: 10 g

Länge: 14 cm

Ohne Kappe: 12 cm

Mit hinten aufgesteckter Kappe: 15,5 cm

Griffstück-Durchmesser mittig: 11 mm

Corpus-Durchmesser max.: 13,3 mm

Oben der 1911 Realo, unten der 1911 Large mit C/C-Füllsystem (eigene Sailor-Patronen bzw. Sailor-Konverter mit geringer Kapazität)
Oben der 1911 Realo, unten der 1911 Large mit C/C-Füllsystem (eigene Sailor-Patronen bzw. Sailor-Konverter mit geringer Kapazität)

 

Da das schmale schicke Tintenfenster, das man gut einsehen kann, frei liegt, ist der Unterschied zwischen den beiden Modellen einfach. Zudem ist der Füllknopf länger als die Bildkappe des C/C-Modells.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit einem deutschen Modell ist ersichtlich, der Sailor-Stempel hat aber eigenen Chic gerade auch durch den dekorativen Anker und natürlich den hohen Goldgehalt der mittelgroßen Feder.
Eine gewisse Ähnlichkeit mit einem deutschen Modell ist ersichtlich, der Sailor-Stempel hat aber eigenen Chic gerade auch durch den dekorativen Anker und natürlich den hohen Goldgehalt der mittelgroßen Feder.
Der Tintenleiter ist aus Spritzkunststoff.
Der Tintenleiter ist aus Spritzkunststoff.

 

Gewisse Ähnlichkeiten zum Montblanc-Meisterstück 146 sind sicherlich unübersehbar. Der Sailor kann sich in der Materialqualität und der Fertigung nahezu mit diesem messen. Interessant neben der, so finde ich, sehr gelungenen Sichtfenster-Lösung ist die charakteristische Sailor-Feder.

 

Die Federn haben gerne ein gewisses Maß an Feedback, anders als bei Aurora weniger metallisch, aber doch hör- und fühlbar. Bei diesem Exemplar fällt der Tintenstrich fein und in allen vier Richtungen gleichmäßig aus. Das ist nicht immer der Fall. Gerade Sailor hat zahlreiche Federn, die zumindest beim horizontalen Rückstrich viel schwächer schreiben. Daher ist der teils übliche Tenor der überragenden Sailor-Federn relativ. Und das trifft für die meisten Füllhaltermodelle zu. Sie haben alle ein gewisses Für und Wider.

 

Sehr gut gefällt mir die Balance des leichten Halters, mit dem man auch aufgrund des sehr ausgewogenen Tintenflusses auch längere Texte sehr gut schreiben kann. Manchem mag die Schwere des Montblancs mehr zusagen, aber das ist Geschmackssache.

 

Preislich liegen die Sailor auch in Europa günstiger als Montblanc, um 300 € für das C/C-Modell und ca. 400 € für den Realo. Also 100 € Aufpreis für den Kolbenmechanismus. Der normale Large ist aber durchaus vergleichbar gut. Das ist ebenso wiederum Geschmackssache.

 

In der Zwischenzeit gibt es auch einen deutschen Service in Wiesbaden (S. C. LUCHT - PBS Sales & Trademarketing, Kasteler Str. 3, 65203 Wiesbaden, https://tinte-im-blut.de/sailor.html). 

400 dpi
400 dpi

Zusammenfassende Beurteilung:

Sailor, Japan, ist eine der drei bekanntesten japanischen Schreibgerätehersteller neben Pilot und Platinum, Tokio und hat seine Sitz in Hiroshima. Man produziert inhouse und somit auch die Federn, die bei den höherpreisigeren Modellen traditionell in 21K gefertigt sind. Dadurch sind sie sehr korrosionsunempfindlich und verfärben nicht. Elastisch oder weich sind sie aber keinesfalls. Es sind rigige Federn in einer formal sehr großen Federauswahl, wobei vor allem Freunde feinerer Federn zum Zuge kommen. Auch die Varianten F, MF und M sind sehr praxisnah. Jedermanns Sache sind Sailor-Federn nie. Sie haben immer eine gewisse feine Rauhheit, die bei gutem Tintenfluss in allen Ebenen sehr angenehm sein kann, weil die Feder die Hand sehr gut führt. Der Tintenfluss erscheint dann mit einer Standardtinte wie der Serenity Blue äußerst angenehm. Stimmt aber mit Schliff und Justierung etwas nicht, sind diese Federn sofort rauh und unschön. Das muss man wissen. Und breite Federn wie Zoom und Music sind nicht unbedingt nach europäischer Vorstellung. Für breite oder schräge Federn ist man bei anderen Firmen besser bedient. Und da sind wir bei Montblanc. Man muss sich auf alle Fälle davon lösen, einen preiswerteren Meisterstück-Clone in einem Sailor Large zu sehen. Diese Sailor sind eine eigene Lösung, auch wenn die Zigarrenform und nicht nur diese so schonungslos nachvollzogen sind. Die klassischen Formen, sei es Zigarrenform oder mehr zylindrige Formen, beides ist in Japan beliebt. Und daher gibt es auch Varianten von Pilot oder Sailor, die ebenso vergleichbar aussehen. In Machart und Material ist aber prinzipiell ein Sailor 1911 Large am oberen Ende des japanischen Qualitätsvergleich anzusiedeln. Auch weil die Kappen fest sitzen und die Halter nicht leicht austrocknen und auch der Kolben weich und solide läuft. Das Kolbensystem haben die japanischen Alternativen nicht zu bieten. Ein Vergleich mit einem aktuellen Platinum President wird folgen. 

 

Ich hoffe, der Beitrag hat euch Lesern gefallen.

 

Viele Grüße

Thomas und die Pens-and Freaks


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