Fisher Space Pen AG7

Der Weltraum-Kugelschreiber

Heute zeige ich euch ausnahmsweise einen Kugelschreiber auf dieser Seite. Ja, solche Schreibgeräte gibt es im Verkauf seit 1945. Sie haben das Schreiben aus vielfältige Weise, vorwiegend zum Nachteil der Schreibkultur beeinflußt. Dennoch gibt es Einsatzgebiete, in denen diese Schreiber durchaus eingesetzt werden können. Wir verwenden ja auch ab und zu Filzstifte. 

Das Original seit 1967: der AG7
Das Original seit 1967: der AG7

Neben dem Original gibt es weitere Exemplare, die ich hier nicht aufführen möchte. Ich selber kenne den Fisher Space Pen seit 1980. Damals bekam ich einen zu Weihnachten geschenkt. Meine Eltern meintes es gut und ließen sich im Fachhandel beraten. Und ich bekam keinen PaperMate mit Gasdruckmine und auch keinen Parker mit den damals (und heute) mit besten konventionellen Minen. Sondern einen Fisher Space Pen. Er heißt CH4. Meinen ersten habe ich im Schnee verloren, ihn dann neu angeschafft und mich dann über die mangelhafte Verchromung und die geringe Tintenkapazität entgegen allen Angaben geärgert. Irgendwann verschwand er in der Schublade. Viele Jahre später habe ich es dann mit einem B4 und G4 versucht mit ihrem Gittermuster. Der Metallkörper zeigte Risse! Die Verchromung war nicht so und die Minen schmierten. Aufgrund der Lifetime Gurantee wurden die Stifte ausgetauscht, solche Defekte hatten sie nicht mehr, habe sie aber nur noch sehr selten eingesetzt. 

Druckknopf zum Lösen des Verriegelungsknopfes
Druckknopf zum Lösen des Verriegelungsknopfes

Nun habe ich es, guter Preis bei Amazon, mit dem "Original", dem AG7 versucht. Er hat standardmäßig eine schwarze M-Mine. In der Zwischenzeit gibt es eine große Auswahl an Minen in Blau, Schwarz, Rot und Grün. Zudem noch in Braun, Silber, Bordeaux, Violett und Türkis. Zumindest gibt es Schwarz und Blau in F, M und B. Die Gasdruckminen, die unter Stickstoff stehen, schreiben auch über Kopf, bei sehr niedrigen und hohen Temperaturen, unter Wasser und auf glatten Oberflächen genauso wie auf fettigen Materialien. 

Das Grundmaterial ist bei diesen Stiften, die seit 1965 in der bemannten Raumfahrt eingesetzt werden, Messing, das verchromt wird. Die Mine wird schreibbereit, wenn man den hinteren Knopf betätigt und durch den seitlichen Knopf wieder gelöst. Eine sichere und zuverlässige Methode, wie ich seit mehr als 30 Jahren aus eigener Anschauung weiß. 

Die typische Riffelung am Griffstück
Die typische Riffelung am Griffstück

Der 26 g schwere Halter ist mit knapp 10 mm maximal recht kräftig für seine Länge von 13 cm. Er wird zum vorderen Griffbereich hin 7 mm schmal. Die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Mehr könnte ich erst nach einer längeren Benutzung sagen. Ich hatte ja schon meine Erfahrungen ...

Knopf gedrückt
Knopf gedrückt
Schreibbereite Mine
Schreibbereite Mine
Messing und Chrom
Messing und Chrom
100 Jahre sollen die Minen lagerfähig sein.
100 Jahre sollen die Minen lagerfähig sein.
Schriftvergleiche in Schwarz. Unten: auf Fett; ganz unten: bei nassem Papier
Schriftvergleiche in Schwarz. Unten: auf Fett; ganz unten: bei nassem Papier

Die Schriftbeispiele guter Minen in Schwarz im Überblick:

  • Fisher Space Pen-Mine
  • Cross
  • Montblanc
  • Lamy
  • Lamy Vierfarb-Mine
  • und eine Füllhalterschrift mit der J. Herbin Perle Noire

Man sieht das typische Anschreibproblem nach einiger Zeit. Die Paste wird beim Schreiben flüssig. Das hat diesen Nachteil und einen weiteren. Ansonsten ist das Schriftbild satt und cremig, aber nicht immer exakt und mit dem häufigen typischen Schmierern, die von der am Kugelrand passag abgelagerten Schreibpaste kommen. 

So arg unterschiedlich sind die Minen gar nicht. Beim Anschreiben sind besonders Cross und Montblanc im Alltag sehr gut. Ich kenne auch diese Minen seit Jahrzehnten. Auch die kleinen Lamy-Minen für die Vierfarb-Stifte sind bekanntermaßen überzeugend und sehr langlebig. Mit dem Anschreiben tun sich die Lamy-Minen, auch die Großraum-Mine schwerer. In der Sauberkeit des Schriftbildes finde ich, auch aus langer Erfahrung heraus, die Montblanc-Mine als sehr gut. Alle diese Minen sind auch nach Jahren nicht ausgetrocknet, lediglich bei den Lamy-Großraum-Minen M16 habe ich schon Austrockungen gesehen, aber nicht regelhaft. 

Zusammenfassende Beurteilung:

Der Fisher Space Pen muß von seiner Handhabung und von seiner Mine her betrachtet werden. Das hat er mit vielen Herstellern gemein, die auch eigene Minensysteme haben. Lediglich die Kugelschreiber mit System Parker wie Pelikan, Aurora, Caran d´Ache und eben Pelikan (und vielen andere, die ich jetzt nicht aufzählen möchte) kann man getrennt beurteilen. Umgekehrt gibt es für das Fisher-System einen Adapter, um die Minen auch bei System-Parker-Schreibern einzusetzen. 

 

Der Space Pen als solcher ist sehr solide gefertigt und hält dem hoffentlich auch stand. Der Anschaffungspreis, bei aller Historie, ist allerdings sehr hoch angesetzt. Ohne die Apollo-Legende wären diese Stifte sicher wesentlich preisgünstiger im Handel. Man kann ihna ber auch für unter EUR 40 erwerben, fast EUR 80 sind viel zu viel. Auch die anderen Modelle haben ihren Preis, sind aber billiger. Die Minen selber sind recht teuer und werden selten für EUR 6, eher für 8-9 verkauft. Die Laufleistung dieser Minen, so kenne ich sie, ist nicht so berühmt. Ich lasse mich gerne überraschen, denke aber nicht, daß man da irgend etwas in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Die Messingminen lassen sich prima einlegen und der Mechanismus ist sehr solide und dauerhaft. 

 

Das Schreibverhalten als normale Kugelschreibermine ist cremig und recht flüssig, das erschwerte Anschreiben und die Tintentropfen sind konstruktionsbedingt und nicht zu vermeiden. Das Überkopf-Schreiben ist eine ausgezeichnete Sache, nicht nur für Kreuzwörträtsel-Freunde. Die Robustheit auf unterschiedlichen Materialien kann aber ein Plus sein und diese Halter auch für andere Einsatzzwecke interessant werden. Auch für uns Ärzte können Markierungen vor Punktionen auf der Haut leichter vorgenommen werden. Das ist mit vielen anderen Markern durch das Verlaufen beim Desinfizieren nicht so gut. Aber das ist ein Insider ...

 

Auch die im Vergleich herangezogene Cross-Mine war gar nicht übel bei Wasser und Fett. Ich werde das im Auge behalten. 

 

Als nette funktionelle Ergänzung zu unseren Füllhaltern kann der historisch beachtenswerte Fisher Space Pen, gerade in dieser Original-Variante, aber sicherlich dienen.

 

Viele Grüße

Thomas

 

Schreibt mir doch eigene Erfahrungen. Ich bin sicher, das interessiert viele.


Bilder zu Daniels Anfrage:


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Kommentare: 2
  • #1

    Daniel F (Dienstag, 04 August 2020 21:15)

    Daniel schrieb:
    "Hallo,
    ich habe per Webseite von ihrer Kugelschreiber Passion gelesen und würde mich freuen, sofern sie mir bei einer Frage behilflich sein könnten. Wir haben einen Fisher Bullet Pen aus den 1980igern (Mine ist datiert 1987). Dieser wurde bisher nicht genutzt und ist nun in meinen Besitz übergegangen. Können sie mir sagen, ob es bei einen solch „alten“ Kugelschreiber normal ist, dass der vordere Teil des Kugelschreibers sich marginal im Umfang ausgedehnt hat, sodass der Stift bei betätigen zum Mine einfahren sich bei mehrfacher Betätigung leicht öffnet (anbei ein Bild, hält man diesen gegen das Licht, sieht man einen winzigen Spalt).

    Oder handelt es sich garnicht um eine Ausdehnung, sofern war Werkseitigen bereits so. Fisher schreibt auf der Beilage „uneingeschränkte Garantie“ mit Retoure Adresse. Vermutlich würde man hierdurch ein neues Modell erhalten, haben sie hier ebenfalls Erfahrungen?

    Herzlichen Dank und Gruß
    Daniel"

    Bilder legte er anbei. Diese füge ich oben nach meinem Artikel ein.

  • #2

    Pens and Freaks (Dienstag, 04 August 2020 21:26)

    Hallo Daniel, danke für Deinen Kommentar. Den Fisher Space Pen kenne ich sehr lange, meinen ersten hatte ich Ende 1980, Anfang 1981 verloren und sofort nachgekauft. Damals gab es, so denke ich, nur dieses Modell glatt oder geriffelt, die Karo-Version noch nicht. Die Verchromung zeigte rasch das darunterliegende Messing. Die Minen sind nicht sehr langlebig und haben Startprobleme mit dem typischen Klecks, bedingt durch den Gasdruck. An der Qualität der Minen hat sich bis heute nichts geändert.

    Irgendwann hieß dieser Typ irgendetwas mit S2 oder so, es gab ihn in dieser karierten Ausführung in zwei Versionen. Daß Metallteile sich so zerlegen können, zeigt dann auch das Modell, wie Du es hier zeigst, rasch und das Inlay löste sich vom Corpus. Diese Modelle sind wirklich nicht gut gemacht. Schon für die etwas über 20 DM Anfang der 80er oder hier für fast 30 DM 1986 war das Produkt überteuert.

    Irgendwann kam der Bullet Pen, der merkwürdigerweise erfolgreich wurde und in der Zwischenzeit viele andere Modelle.

    Nachdem ich diese Marke nur als nerviges und nicht sehr hochwertiges, völlig preislich überzogenes Produkt in Erinnerung behielt, sah ich den AG7, entsprechend dem Original der Weltraumflüge. Und dieses Modell habe ich seit einigen Jahren, auch völlig überteuert, aber qualitativ viel besser.

    Prinzipiell ist das Lifetime Guarantee, ich weiß aber nicht, wie das gehandelt wird. Am besten beim deutschen Distributor nachfragen.

    Mit den feinen Minen geht es deutlich besser, die M-Minen schmieren recht bald, so wie ich es von früher kenne. Und so haltbar sind die Minen auch nicht, die 100 Jahre kann man vergessen. Eine ordinäre Montblanc-Kugelschreibermine M Blau und Schwarz in zwei Meisterstück-Kugelschreibern sind weit über 10 Jahre alt (werden selten geschrieben), aber ausgetrocknet ist da nichts.

    Vielen Dank nochmals für diese Anfrage und das für mich interessante Déjà vu!

    Viele Grüße
    Thomas