Eversharp Skyline

Ein Skyline "Standard" in Maroon mit M-Feder. Mein erster Skyline ca. 1997
Ein Skyline "Standard" in Maroon mit M-Feder. Mein erster Skyline ca. 1997
Ein Skyline "Short" in Blau
Ein Skyline "Short" in Blau

 

Die Geschichte der "Wahl-Eversharp"-Schreibgeräte ist etwas kompliziert. Was man dazu wissen sollte: Die amerikanische Firma Wahl produzierte Rechenmaschinen und Metallwaren und kaufte 1915 die amerikanische Filiale der japanischen Firma "Eversharp", die einen mechanischen Bleistift exportierte. 1915 erwarb man auch die Firma Boston Fountain Pen Company und verkaufte die Rechenmaschinen-Sparte. Diese Firma Boston ist die eigentliche Keimzelle der Schreibgerätefirma "Wahl-Eversharp".

 

1941 kam unter dem geänderte Namen"Eversharp" statt "Wahl-Eversharp" ein im Design ungewöhnlicher Füllhalter (zusammen mit einem Druckbleistift) auf den Markt: der "Skyline". Dieser wurde zwischen 1941 und 1948 zum meistverkauften Füllhalter der Firma. Er wurde vom amerikanischen Industriedesigner Henry Dreyfuss gestaltet.

 

Der Halter wurde in verschiedenen Größen ("standard", "short", and "oversize"), zudem in verschiedenen Farben und Kappenausführungen angeboten. Klassisch sind die burgunderroten Schäfte ("maroon") mit der zweifarbigen Kappe ebenfalls aus Celluloid und schmalem vergoldetem Kappenband. Es existieren auch Kappen aus Edelstahl, Sterlingsilber oder vergoldet mit anderen als den horizontalen Riffel-Mustern. Auch breite vergoldete Kappenbänder sind selten. Bei den Schäften gibt es auch längsgestromte Ausführungen mit entsprechender Kappe ("Modern Stripe") bei den Short- und Standard-Modellen. Schließlich gibt es auch Ausführungen mit Vermeil-Kappen, Goldkappen, vergoldete Modelle, Modelle in "Solid Platinum".  In den ersten beiden Jahren wurden schwarze Griffstücke eingesetzt.

 

Der Schaft war recht schlank, gut ausbalanciert und hatte ein schlank auslaufendes Ende. Man sollte damit auch sehr gut eine Telefon-Wählscheibe bedienen können. Die 14-K-Goldfeder hatte einen klassischen Ebonit-Tintenleiter und ein konventionelles Füllsystem mit Gummisack und Hebel, das rahmenlos in den Schaft eingearbeitet wurde.Die Anfangsexemplare hatte noch einen Tintenzuführer im Tintensack wie beim "Lucky Curve"-System von Parker, später wurde er durch ein gerades langes Tintenrohr ersetzt.

 

Das Griffstück saß ohne Schraubverschluß, wahrscheinlich durch einen Tropfen Schallack gesichert, auf dem restlichen Corpus. Im Schaft der Gummisack und der Hebelmechanismus, so daß sich daraus nur eine recht dürftige Tintenmenge sammeln konnte. Keine Tintenstandskontrolle. In der Konstruktion unterschied sich daher der Mechanismus nicht von der genial einfachen Konstruktion, die sich Walter Sheaffer 1912 hatte patentieren lassen.

 

Die Goldfeder zeigte stolz in schräger Anordnung EVERSHARP und wurde in einer Vielzahl von Federstärken angeboten. Die meisten Federn sind im Gegensatz zu den Doric-Modellen der 30er Jahre eher rigide, es gibt aber auch hochelastische Federn darunter. Eine Besonderheit ist das langgezogene "Breather Hole".

 

Dominant und die eigentliche Schau war die Kappe, die auch als vergoldete Metallkappe angeboten wurde, zweifarbig aus Celluloid ohne oder mit vergoldeten Metallanteilen oder auch ganz einfarbig. Die große Schraubkappe sitzt gewöhnlich leicht schief auf dem Corpus, zumindest ist das meine übliche Erfahrung mit vielen Modellen. Außergewöhnlich auch der über den Kappenkopf geführte Clip ("Military Clip"), der auch wieder den "Double Check" und die Aufschrift Eversharp trug. Einzelne Modelle sind am Clip mit Wahl graviert.

 

In Amerika kannte den Skyline durch die "64 Dollar Frage" im Radio bald jedes Kind. Ein Set mit Massivgoldkappe konnte dort neben dem Paralleltyp "Fifth Avenue" gewonnen werden.

 

Interessanterweise wurde der Skyline in den ersten beiden Jahren und ab 1946 wieder als "Skyliner" beworben und es wurde auf die hohe Auslaufsicherheit in der Luft und auch am Boden hingewiesen. Tatsächlich hat der Skyline, unter Sammlern wird er üblicherweise so benannt, ein außerordentlich gutes Tintenleitsystem und ein sehr gutes Schreibverhalten.

 

Ironischerweise gibt es den Skyline auch ab 1946 als Kugelschreiber (CA="Capillary Action"). Ein Kugelschreiber im Gewand eines Füllfederhalters mit Schraubkappe! Und genau diese Kugelschreiber sollten sich durch ihre anfänglich ruinöse Qualität als "Knock Out" für die Firma erweisen, die sich 1945 noch auf Platz 1 der amerikanischen Schreibgerätehersteller gekämpft hatte.

 

Mitbewerber Parker, der erst 1954 einen ausgereiften Kugelschreiber ("Jotter") vorgestellt hatte, kaufte die Firma 1957 auf. 1959 verschwand der Name der so bedeutenden Firma (Wahl-) Eversharp.

Gästebuch

Kommentare: 2
  • #2

    Gerd (Mittwoch, 11 Juli 2012 21:44)

    Hallo Thomas. Danke für die Vorstellung eines Klassikers, den ich vorher nicht so kannte. Interessant die vielen Ausführungen und die robuste Ausführung. Nochmals Danke. Gerd

  • #1

    pens-and-freaks (Montag, 09 Juli 2012 22:19)

    Mir perönlich bedeutet der Skyline viel. Der Maroon-farbene war einer meiner ersten "Vintage Pens". Mit ihm habe ich viel verstanden von Ebonit, Celluloid und die Freude an den schönen Farben der alten Halter. Auch die schöne Balance des wie ein Bleistift in der Hand liegenden Skyline habe ich begriffen, im wahrsten Sinne des Wortes.