inked up!

Platinum Blue-Black

Eisengallustinte

"Dyestuff ink for fountain pen" nennt die japanische Firma aus Tokio ihre drei Standardtinten in Blau-Schwarz, Schwarz und Rot (eher ein Rosa). Richtige Klarheit schafft man auf der ausführlichen eigenen Internetseite nicht über das Wesen der hier vorgestellten Blue-Black. Man stellt sie dort auch gerne gegen die Platinum Pigment Ink Blue, die bereits von mir vorgestellt worden war. 

 

Der Vergleich bietet sich an, sind beide Tinten doch dokumentenecht. Ja, die Blue-Black (BB) ist eine Eisengallus-haltige Tinte (Eisengallus = EG). Es gibt sie im Glas zu 60 mL mit Kunststoffeinlage (Reservoir) zur besseren (?) Füllung. Zudem ist die BB auch in Patronen mit riesiger Metallkugel zur besseren Durchmischung (und starken Klacken bei der Füllhalterbenutzung) erhältlich, 10 Stück sind in einer Schachtel. 

 

Es soll aber hier im wesentlichen um die BB gehen. Der Vergleich zur Pigment Blue ist aber in jeden Falle sehr interessant.

Der so nützliche Papierausstrich, den ich gerne zeige. Die Tinte ist mittelstark im Fluss, läuft aber nicht sehr trocken, die Tinte reisst nicht ab. Die Farbe ist mittelblau und zeigt nicht das bekannte grauschwarze Nachdunkeln. Eine blaue EG-Tinte!

Papierchromatographie: Eisengallus sitzt unten, im wesentlichen monochrome mittelblaue wasserlösliche Tinte, die nicht weit läuft.

 

Platinum bietet seine Produkte im Gegensatz zu z. B. den Niederlanden hierzulande nicht an. Man muss daher im Ausland einkaufen, so etwa auch über japanische Anbieter via Internet oder auch über Amazon. 3/17 kosten die Patronen bei la Couronne du Comte EUR 5,50 (EUR 4,68 einschl. VK via Amazon) und das Glas unter EUR 18 (via Amazon). Die Pigment Blue 60 cc kostet bei La Couronne du Comte EUR 15,00. Die Kosten halten sich also in Grenzen, auch wenn die Preise gegenüber einer "Salix" oder 4001 Blau-Schwarz höher liegen. 

So sieht das Schriftbeispiel mit einer feinen Feder aus. Die Platinum 3776 Century bieten sich durch ihr großes Federangebot und ihren luftdichten und nicht austrocknenden Kappenverschluss für solche Tinten geradezu an. 

Und da bei EG der Tintenfluss für die Farbe und die Dokumentenechtheit sehr wichtig ist, hier die Schrift mit einer M-Feder der Firma.

Oben der Vergleich. Die EG-Tinte BB wird farblich sehr gut getroffen, die Pigment Blue kommt zu brillant und leuchtend im Scan heraus. In Wirklichkeit ist sie blasser und weniger lebendig. 

Die Pigment Blue ist etwas heller und etwas weniger gesättigt. Für eine Pigmenttinte zeigt sie ein sehr harmonisches Verhalten. Sie setzt nicht aus, trocknet schnell, zeigt zwar auch die Neigung zum "Nib Creep" (Durchdrücken der Tinten am Federschlitz auf die Feder) und nach dem Füllen das Festkrallen der Tinte an Feder und Tintenleiter. 

Sehr gutes Verhalten auf dem empfindlichen Moleskine, kein Fiedern, kein Durchbluten. Die Tinte läuft auch recht eng. In der Tendenz auf verschiedenen Papieren ist die EG-Tinte BB aber etwas schärfer und kompakter, die Pigment Blue wird häufig weniger markant, aber kaum breiter. 

Auf billigem Papier sieht es so aus. Bei beiden ist das Ergebnis gut.

Welch Unterschied! Alle drei sollen dokumentenechte Tinten sein. Die Kobaltblau hat sogar eine Zertifizierung. EG-Tinten haben eine solche nicht, sie beziehen sich auf alte Rechtsvorschriften zum EG-Gehalt und zur Dokumentenechtheit, die gegeben ist. Moderne haben oft eine Zertifizierung nach Kugelschreiber (DIN ISO 12757-2) oder Rollerball (ISO 14145-2). 


Zusammenfassende Tintenbetrachtung:

Die Platinum Blue-Black ist eine mittelblaue, gut laufende Eisengallus-haltige Tinte, die wahrscheinlich wenig EG beinhaltet. Die Tinte zeigt kein Farbspiel in Richtung Grauschwarz wie z. B. extrem die Akkerman Ijzer-Galnoten. Sie bleibt eine kompakt laufende, randscharfe, nicht durchblutende Mittelblaue mit guter Resistenz.

 

Je nach Tintenfluss sind dunklere Anteile sichtbar, so dass man schon von einer Blau-Schwarzen sprechen kann. Das Shading ist eher gering. Beim Wassertest wird die Tinte wie alle EG-Tinten nach einem Tag besser, die EG-Bestandteile sind dann oxidiert und das Grauschwarz bleibt erhalten, wohingegen die blauen wasserlöslichen Bestandteile verschwinden. Das Schreibgefühl ist je nach Federstärke recht saftig und sehr konstant. Anschreibprobeme habe ich nie gesehen. Die Trocknungszeit ist wie bei der Pigment Blue gering. Der Tintenmarker-Test ist tadellos.

 

Ich verwende die BB schon einige Jahre lang. Eine Papierabhängigkeit wie z. B. bei der "Salix" besteht nicht, die Tinte läuft allenfalls minimal "sandig". Das ist da leicht raue Schreibgefühl, wie es bei den EG-Tinten vorkommt, bei den Pigmenttinten hingegen nicht. Diese sind aber wiederum im Lauf breiter und bluten teils auch kräftig durch. Auch fehlt ihnen doch eine gewisse Brillanz. In der Gesamtschau ist die Platinum Blue-Black eine der unkompliziertesten EG-Tinten. Probleme beim Ausspülen, Verfärbungen etc. habe ich nicht gesehen. Der Einsatz in einem Platinum mit "Slip and Seal"-Mechanismus bietet sich an. 


Wenn wir die Geschichte von Anfang an betrachten: Wie steht der "Kampf der Systeme" nun? EG-Tinten, Pigment-Tinten und eine Tusche haben wir gesehen. Es wird weiter gehen mit der Rohrer und Klingner "Salix", die uns im Vergleich zur Pelikan 4001 Blau-Schwarz ein Leser vorstellen wird. Dafür bedanke ich mich schon jetzt.

 

Die modernen Pigmenttinten sind nicht so spannend in Farbbrillanz und Farbauswahl, sie laufen gerne breit und drücken durch, recht oder sehr teuer sind sie ohnehin, und sie drücken auch an der Feder hässlich durch. Sie laufen aber fein, wenn sie nicht aussetzen und scheinen recht pflegefreundlich zu sein. Aber der Halter muss sauber sein, keine alten Tinten oder Sonstiges enthalten, sonst klumpt die Tinte. Die Tusche läuft breit, drückt durch, gibt es nur in Schwarz und sie schreibt auch manchmal nicht sofort, auf manchem Papier setzt sie auch aus, läuft aber irgendwie trocken, aber doch saftig und hat ein intensives Schwarz. Das macht sie für Zeichnungen o. ä. besondere geeignet.

 

Die EG-Tinten, die wir bisher gesehen haben, laufen eher trocken sandig, teils sind sie sehr "Material-abhängig" (Feder und Papier), haben aber den Vorteil des attraktiven Schriftbildes mit hervorragender Randschärfe und fehlendem Durchbluten bei unterschiedlichem Papier. Unter Wasser löst sich der wasserlöslichen Tintenanteil und dieser verschmiert gerne. Die schwärzliche EG-Schicht hingegen hat sich nach Oxidation in der Papierschicht festgekrallt. Bei allen Tinten muss man aufpassen, dass die Tinte oder Tusche nicht austrocknet, bei Pigmenttinten muss man auf Verfärbungen, bei den EG-Tinten auf Oxidationen am Material achten.

 

Ich persönlich benutze dabei (Stand 3/17) die Akkerman Ijzer-Galnoten in einem Platinum Preppy F am meisten, weil das Schriftbild so einzigartig und so scharf und klar ist. Die Farbe ist in meinen Augen sensationell und das auf jedem Papier. Aber Achtung! Sie enthält sicher auch am meisten EG von den bisher vorgestellten Tinten.


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