Récife Mercuri Replica Chevron

Récife aus Paris ist in Füllhalterkreisen außerhalb Frankreichs nicht unbedingt ein Begriff. Bei französischen Anbietern gehört die seit 1930 existierende Firma zum normalen Angebot. Seit 1987 wird das Familienuntermehmen, das über Jahrzehnte für Reisegepäck stand,  von Stephan Arnal und seinem Schulfreund Léo Smaga geleitet. In Scriptum Heft 3/1999 hatte ich erstmalig von Récife gehört. Der in verschiedenen Hartgummi-Ausführungen  vorgestellte Replica Senior hatte bereits Grundform und Designelemente des aktuellen Modells.

Der Mercuri wird in verschiedenen Oberflächen-"Maserungen" angeboten. Hier das Chevron-Modell mit den eingeprägten Winkeln, die ein Hartgummi-typisches Anfaßgefühl imitieren. Es ist ein Kunststoffmaterial moderner Ausführung, mutmaßlich ein Spritzkunststoff. Die zahlreichen Gewindestufen liegen am vorderen Corpusende, die Schraubkappe hat einen, bei Récife bekannt, sehr langen Lauf. 4 3/4 Umdrehungen sind doch des Guten zuviel. Die Kappe muß beim Verschluß sauber angesetzt werden, weil erst im Verlauf des Schraubvorganges die Gewinde ohne Spiel ineinander greifen. Das gibt es leider häufig. Das glatte verchromte Griffstück sorgt ganz wesentlich für ein sattes Gewicht und eine dabei doch gute Balance mit und ohne aufgesteckter Kappe. Der Halter ist dick und zugleich lang, die schiere Länge ist sehr erfreulich. Da dürfte kaum jemand die Kappe beim Schreiben aufstecken, was jedoch problemlos möglich ist. Der Kappensitz ist außerordentlich sicher, sozusagen "Business"-like. Ein Austrocknen der Tinte habe ich nicht bemerkt, Langzeiterfahrungen werden folgen. 

Die große Feder mit ihrem Spritzkunststoff-Tintenleiter mit zahlreichen Querrillen hat die typischen Verzierungen, die man kennt und die an Montblanc erinnern. Recife, das Symbol und die Federstärke, hier F, sind eingestanzt. Das hat nichts Außergewöhnliches. Die üppige Feder paßt gut zum Gesamtdesign und dürfte, wie bei Récife üblich, von Bock aus Heidelberg kommen. Das sanfte Schreibverhalten weist auch in diese Richtung. Das Tintenaggregat zeigt, wie oben rechts gut zu sehen, einen Plastikring am vorderen Ende, das gefällt mir bei vielen Bock-Konstruktionen überhaupt nicht. Ob das Aggregat geschraubt oder gesteckt ist, wahrscheinlich eher gesteckt, kann ich nicht sagen. Ich wollte die perfekt justierte Federeinheit nicht entfernen. 

 

Der Konverter stammt von einem Monteverde Artista. Eeigentlich sollte ein Konverter dabei sein, war er aber nicht. Er folgt dem üblichen Standard "International Cartridge" wie z. B. auch von Pelikan oder Montblanc. 

Der Corpus läßt sich mit ca. sieben Umdrehungen festschrauben und löst sich nicht. Hier laufen Metall vom Griffstück in einem messingfarbenen Inlay des Kunststoff-Corpus. Die gesamte Ausführung ist makellos. 

 

Die Grundform Zigarre und das Chevron-Muster passen zum typischen Récife-Clip. der allerdings sehr rigide und nicht sehr praktisch, aber sicher sehr haltbar, ist. Man kann sich bestimmt ein Sakko-Innenfutter oder eine Hemdentasche sehr leicht ruinieren, wie mir scheint. Am oberen Kappenende sitzt eine metallene und verchromte domartige und krönchenverzierte Abschlußkappe. Etwas pompös, aber durchaus passend. Der breite verchromte Kappenring ist mit "Récife" und "PARIS" gestanzt, nichts Besonderes oder Hochwertiges, aber akzeptabel. 

 

Für einen VK von ca. EUR 130-150 eine durchaus ansprechende, aber in Material und Ausführung nicht übermäßig wertige Sache, eher praktisch und haltbar. Die Funktionalität wird lediglich durch den sehr langen Kappengang beeinträchtigt. 

 

Sehr überzeugend sind Feder und Tintenleiter in Schliff und Abstimmung. Die Haptik wird beeinflußt durch das stattliche Gewicht und die Dicke des Halters einerseits und des glatten Metall-Griffstücks andererseits. Das kann man mögen oder auch nicht. Für längere Episoden wäre das für mich zu klobig und vor allem durch das glatte Griffstück zu unkomfortabel. 

 

Das Schreibverhalten ist sehr überzeugend, der Federschliff sauber und das Anschreiben stets einwandfrei. Die Feder läuft leise und zeigt eine gute Präzision. Der Tintenfluß ist sehr gut mit Standardtinten wie R+K Königsblau, Aurora blau oder eben auch mit der gut laufenden Sailor Sumire. Man verlangt offenbar von Bock eine sehr gute Endkontrolle oder nimmt diese selber vor, was ich eher nicht glaube. Die rigide Feder ist absolut überzeugend, schreibt aber nur mäßig fein, ist eher eine "japanische FM". Bereits im Test in Scriptum 3/1999 waren die Récife mit den Goldfedern durch eben diese Schreibeigenschaften positiv aufgefallen. Sonst gibt es noch M und B und gegen einen adäquaten Aufpreis auch 18K-Goldfedern. 

 

So ist der Récife eine durchaus runde Sache, macht einen guten und robusten Eindruck und ist preislich auch noch adäquat – und zudem etwas anderes als das Übliche! Die Halter sollen in Frankreich gefertigt werden. Und es gibt eine "Lifetime Guarantee". Das ist heute nicht mehr so üblich. 

 

Ich hoffe, mein Beitrag hat euch gefallen. Es folgt noch ein Schriftbeispiel mit dem ESPON-V39-Scanner. Die Bilder wurden mit dem iphone 6s gemacht.

 

Viele Grüße

Thomas

Eigenschaften und Meßwerte:

  • Kolben-Konverter-Füllhalter aus Kunststoff mit Schraubkappe
  • Kappenschluß 4 3/4 Windungen 
  • Akzente verchromt
  • Feder: Edelstahl, 18K-Goldfeder gegen Aufpreis (ca. EUR 60-70)
  • Gefüllt 28 g, ohne Kappe 18 g (auf 2 g genau gewogen)
  • Länge geschlossen 15,3 cm
  • Geöffnet 13,6 cm
  • Mit aufgesteckter Kappe 17,7 cm
  • Griffstück: verchromt, Durchmesser 10 mm in Griffstückmitte
  • Corpus: Durchmesser ca. 12,5 mm
  • Corpus: Gewinde Metall in Metall
  • Patronensystem: International
  • Konverter: soll mitgeliefert sein, hier nicht
  • Garantie: Lifetime (?)

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Kommentare: 2
  • #1

    Erasmus (Freitag, 01 April 2016 20:13)

    Gefällt mir, dein Bericht! Der Füller gefällt mir von der Optik her, den Bildern nach zu urteilen, ebenso. Die Feder wirkt so "champagnerfarben", aber das ist wohl nur mein Ausgabemedium...
    Metallene Griffstücke finde ich im wahrsten Sinne des Wortes cool (der Visconti Wallstreet hat ja auch so eins), aber ich denke ständig, der Füller leckt, und schaue dann immer auf meine Pfoten, die dann, Oh Überraschung, unbefleckt sind.
    Wo bekommt man den denn her?

  • #2

    pens-and-freaks (Freitag, 01 April 2016 20:52)

    Vielen Dank, Erasmus, für den Kommentar. Der Beitrag wurde von mir nochmals durchgesehen und Formulierungen bzw. Schreibfehler korrigiert. Inhaltlich hat sich nichts geändert.

    Der Mercuri iat bei französischen Anbietern zu bekommen, meiner war ein Geschenk und stammte von La Couronne Du Comte. Bei Rückfragen dort gerne auf mich Bezug nehmen. Ich werde dort auch wegen des Konverters nachfragen. Es interessiert mich doch.

    Es freut mich, daß der Mercuri einen guten Eindruck hinterlassen hat. Das hat er auch verdient. Er scheint eine recht durchdachte Konstruktion zu sein.

    Viele Grüße
    Thomas