Dichtung und Wahrheit?

Einige Bemerkungen zur Wichtigkeit einer sorgfältigen Kappenabdichtung

An sich ist es eine logische Sache. Ein Füllhalter ohne vernünftige Kappendichtung, das ist doch nichts wert. Was eine beherrschbare Angelegenheit ist, ist in Wirklichkeit doch nicht so einfach.


Noch immer gibt es viele, auch sehr bekannte Modelle, bei denen gehen einem die Kappen in der Jackentasche auf. Und die Tinte trocknet teils recht schnell aus. 


Muß das sein? Es ist für mich immer wieder erstaunlich, daß so wenig Sorgfalt auf diesen wichtigen Punkt gelegt wird. Das Optimum ist bekannt (oder vielfach auch überhaupt nicht. Wer hier liest, bekommt es früher oder später mit.): Die Platinum 3776 Century haben einen speziellen Mechanismus, bei der beim Festdrehen der Kappe eine Innenkappe über einen Federmechanismus die Feder gleichsam versiegelt. Und es funktioniert wirklich sehr gut. Gerade bei Tinten, die man nicht so häufig oder nur für kurze Passagen einsetzt (z. B. Signalfarben) können in solchen Haltern ewig bleiben. Ewig soll hier ein bis zwei Jahre bedeuten! Auch bei empfindlichen Tinten wie Eisengallustinten oder andere (oft noch "gefährlichere") moderne Pigmenttinten brauchen eine gute Abdichtung. Gefährlich werden solche Tinten erst, wenn sie austrocknen oder oxidieren und den Tintenleiter verklumpen. Ohne Frage. 


Auch andere Hersteller schaffen es recht gut, eine gute Abdichtung zu erreichen. 14 Tage sollte eine Tinte ohne wesentliche Verdunstung im Halter verbleiben können. 4 Wochen sind noch besser. Einige Modelle sind nach wenigen Tagen verstopft oder verlieren merklich Tinte. Das zeigt auch, daß Tintenvorrat alleine nicht alles ist, wenn die Tinte einfach verdunstet. Man merkt es nicht nur durch Anschreibprobleme, sondern auch durch merkliches Dunkelfärben der Tinten nach dem Wiederanschreiben. Und solche Halter machen gerne mittelfristig Ärger mit Tintenleiter-Verschlüssen. Das ist dann wie beim Herzinfarkt. Nicht leicht wasserlösliche Tinten können dann katastrophal für den Halter sein. 


Man kann nicht grundsätzlich sagen, daß Schraubkappen überlegen seien. Und auch bei Steckkappen gibt es Unterschiede je nach Griffstück oder sogar je nach Tinte selbst! Häufig gibt es auch Differenzen bei verschiedenen Modellen einer Marke. Ein Lamy 2000 ist viel besser als ein Studio mit gummiertem Griffstück , Pelikan Souveräne sind gut, viele Pilot-Modelle sind besser als der abgelöste Bamboo, der Sheaffer Legacy H. ist besser als der Valor. Alte Modelle sind oft nicht so überzeugend, z. B. auch ein Pelikan 100. Recht gut schneidet ein Sheaffer PFM, der konstruktionsbedingt durch das schwierige Spülen besonders gefährdet wäre. Die TWSBI 580 und 700 sind hier sehr gut. 


Also: Ein wichtiger Punkt ist die Kappendichtung. 


Daß die Kappe bei den Pelikan Souverän so leicht aufgeht, hat man in vielen Jahren nicht angegangen. Ein Platinum President ist hier auch eher gefährdet, weil er den "Slip and Seal"-Mechanismus der 3776 Century nicht hat, ein Lamy 2000, wenn seine Befestigung schon in die Jahre gekommen ist (bringe Lamy leicht in Ordnung), ist dann auch nicht mehr so souverän ...


Also: Es sind nicht nur die "Big Points" wie Haptik oder Schreibeigenschaften, die sehr wichtig sind. Zu einem wirklich praxisnahen und guten Füllhalter gehören auch solche Dinge wie gute Kappen. Sogar der kappenlose Capless von Pilot bewährt sich hier seit Jahrzehnten recht ordentlich. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Marcus W. (Samstag, 14 März 2015 20:48)

    Danke, Thomas. Sehr wichtige Kriterien. Habe mich auch schon oft über ausgetrocknete Füller geärgert.