Waterman Edson

Mein Erfahrungsbericht zum Waterman Edson (aus dem Jahre 2003)

Wie kam ich zum Edson?
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Er ist mir schon kurz nach seinem Erscheinen 1993 aufgefallen, er wurde später auch im ersten Scriptum Heft 1996 präsentiert – und dann hat es Click gemacht. Er hat mir damals mit seiner eigenständigen Streamline und Größe sehr gefallen. Das Argument mit der hundertprozentigen Auslaufsicherheit habe ich damals für einen Werbegag gehalten, weil ich vorwiegend mit Pelikanen im Alltagseinsatz zu tun hatte und die stets unkompliziert waren. Daß viele Füller erbärmliche „Ausläufer“ sind, habe ich erst im Verlauf realisiert. 1996 noch oder 1997 habe ich ihn dann gekauft, ich habe ihn auch einige hundert DM billliger bekommen. Statt dem klassischen Blau habe ich mich damals für das dezentere dunkelgrün für den Corpus entschieden, inzwischen gibt es ihn ja auch in bordeaux*. Die Kappe ist in jedem Falle aus Metall und goldplattiert.

Was habe ich mit ihm erlebt?
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Zunächst hat mich ernüchert, daß er zwei Macken hatte:
Die erste Macke: Beim Aufstecken der Kappe gibt es unvermeidliche Kratzer durch den Kappenschließmechanismus auf der 18 K-Massivgold-Griffstückbanderole (oder hat jemand einen besseren Namen dafür?). Gillette (ein Glück, daß es damals noch diesen überragenden Service für Waterman und für Parker gab) hat die Kratzer problemlos auspoliert, man habe auch die Befestigung geändert, aber ich denke, das war eine charmante Übertreibung. Ich kam auf die Idee mit dem Tesafilm-Schutz und – ihr mögt mir verzeihen und dem Edson auch – diese Sicherheit habe ich nicht mehr abgenommen, so daß ich nicht sagen kann, ob die Kappe nach wie vor das Griffstück angreift.
Die zweite Macke: Die zwar rigide (wie heutige Waterman-Federn nun mal so sind), aber durch den Federschliff fast wie ein Wachsmalstift schreibende B-Feder hat nicht immer angeschrieben, das hat mich sehr genervt. Gillette hat verschiedene Vorderteile zugesandt, ich habe schließlich die B-Feder zunächst behalten, weil mir die M-Federn zu kratzig waren. Also: Der Edson ist auch nicht frei von Produktionsschwankungen?! Jahre später habe ich bei Gillette eine OM-Feder probiert, mich schließlich, man soll es kaum glauben, letztendlich für eine F-Feder entschieden, die nicht so wachsmalstiftartig wie die B schreibt, aber auch nicht kratzt und durch ihren Tintenfluß für heutige Verhältnisse sehr schön gleitet, ohne auszusetzen.
Dann ist er mir auch noch zweimal aus der Hemdentasche (man beachte die Länge des Edson!) auf den Boden gefallen, was mir ansonsten mit keinem Füller in der Form passiert ist und war. Ich habe dies Gillette gebleichtet, man hat mir den Schaft jeweils kostenlos ersetzt, „weil ich so ehrlich gewesen war“. man muß bedenken, daß die schimmernede Corpus-Oberfläche durch den doppelwandigen Aufbau bedingt ist, aber auch sehr bruchempfindlich dadurch wird. Also: Aufpassen, denn den Gillette-Service in Baden-Baden gibt es nicht mehr!
Wie hat er sich sonst bewährt?
Wie ich schon erwähnte, die Auslaufsicherheit ist maximal, es gab nie irgendwelche Probleme, der riesige Tintenkollektor kann aber auch bei längerem Nichtbenutzen eine Austrocknung der Tinte bewirken, wie sie beispielsweise Pelikanen unbekannt ist. Umgekehrt ist der Tintenleiter so hervorragend, daß das pneumatische Schreibgefühl des sog. „Tintenmotors“ für druckloses Schreiben sorgt. Auch ein feiner Strich ist kräftig, das Schriftbild für einen Fine-Point sehr attraktiv, zumal mit der flüssig schreibendne und leuchtenden Waterman-Tinte wie z. B. floridablau, die ich so schätze. Man kann schreiben wie mit einem Rollerball, nur viel kommoder, ähnliches kenne ich ansonsten bei keinem neueren Füllhalter. Die Federkonstruktion erlaubt aber keine Strichvariation, also keinen Flex. Also: Großes Lob für den Edson im wichtigsten Punkt, dem Schreibverhalten.

Die Qualität bei einem französischen Produkt?
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1A, die Massivgoldteile am Griffstück einschließlich der vier massivgoldenen Kappenrastungen sind wie am ersten Tag, dasselbe gilt für die Vergoldung an der Kappe, das ist Juweliersarbeit. Die Kunststoffteile, über die Bruchempfindlichkeit habe ich bereits gesprochen, sind im Oberflächenfinisch ansonstne tadellos.

Und das Handling?
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Darüber kann man streiten. Die Kappe kann man von der Balance her und wegen der schlechten Fixierbarkeit nicht vernünftig aufstecken, ansonsten kann man aber mit dem nicht leichten Edson gut schrieben. Ein Balanceheld wie ein Sheaffer Balance kann und will er nicht sein, dazu ist er einfach zu stylish, aber bis heute auch nach 10 Jahren nicht veraltet und im Design so spannend und polarisierend wie 1993.

Drehkonverter oder Patrone?
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Ich benutze mal den Konverter (die Tinte hält sich gut und trocknet nicht schnell aus), aber auch Patronen. Das cleane Schreibverhalten paßt durchaus in diesem Fall zur Patrone. Da kann man beim Edson einfach nicht meckern.

Warum kann der Edson nie ein „everybody´s darling“ werden?
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Dazu sieht er zu eigenwillig aus und ist einfach sehr teuer. Umgekehrt erhält man ein besonderes Schreibgerät wie es wenige haben und eine „Lifetime Guarantee“, wie man sie sich bei Montblanc oder anderen deutschen Anbietern wünschen würde. Vor einiger Zeit hätte ich auch noch den erstklassigen Service als Argument anführen können. Was man vom heutigen Service zu halten hat, kann ich – im Falle Edson – Gott sei Dank – nicht beurteilen, aber besser als früher kann er eigentlich (verzeihung) nciht sein, doer doch?

Mein Resumee
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Der Waterman Edson ist einzigartig in Design, Materialaufwand und Konzentration auf das Schreibverhalten, leider auch im Preis sehr exquisit, auch wenn viele weniger ausgefallenen Schreibgeräte inzwischen auch in solche Preisregionen vorstoßen oder sogar (klar) darüber liegen. Ob er einem insgesamt zusagt oder man ihn sich leisten kann oder will, ist wie immer letztlich Ansichtssache. Ich wünsche mir auch bei einem meiner liebsten Füllhalter, daß er diesen Zuspruch bekommt, daß Waterman nicht umhin kann, diesen König der Füllhalter weiterhin uns anzubieten.

 

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*siehe dazu unten. Die Farbpalette hat sich in der Zwischenzeit verändert. Es gab in der Zeit auch ein platiniertes Modell.

Ergänzung im Juli 2012

Mein Edson in Grün, wie auch in Rot nicht mehr hergestellt
Mein Edson in Grün, wie auch in Rot nicht mehr hergestellt
Man sieht meinen "Tesa-Kratzschutz" für das Massivgoldblatt auf dem Griffstück.
Man sieht meinen "Tesa-Kratzschutz" für das Massivgoldblatt auf dem Griffstück.

 

Diesen Erfahrungsbericht habe ich im September 2003 beim damals neuen Forum penexchange, kostenlos zur Verfügung gestellt von Pelikan, eingestellt.

 

Diesen grünen Edson habe ich also seit 1997. In der Anfangszeithabe ich die Federn einige Male kostenlos tauschen können über den damaligen Vertrieb voon Gillette in Baden-Baden. Beim Tausch werden ganze Federköpfe, wie man dies nannte, geschickt, also die Federn mit dem passenden, in diesem Falle grünen Vorderteil. Seit sehr vielen Jahren hat mein Edson nun eine sehr gut schreibende F-Feder, die die Vorteile Präzision und sehr zuverlässiger Fluß mit einer guten Weichheit im Schreiben vereint. Die 18-K-Feder selbst ist absolut rigide. In Verbindung mit dem sehr guten Tintenleiter mit seiner überragenden Auslaufsicherheit entsteht ein sehr geschmeidiges Schreibverhalten.

 

Der Edson zeichnet sich aus durch seine damals eigenständige Neukonstruktion mit dem Tintenleiter, der "Tintenmotor" genannt wurde, dem zweischichtigen Corpus und der juweliergleichen Verarbeitung mit sehr guten Vergoldungen und Massivgoldanteilen. Besonders überzeugend ist auch die hervorragende Kappen-Arettierung.

 

Auch das Design ist eigenständig mit einer besonderen Federkonstruktion, keine Einlegefeder, wenn man genau hinsieht (wie bei Sheaffer).

 

PROS und NEGS:

  • Die  PROS habe ich aufgezählt. Das Design ist natürlich Geschmackssache. Aktuell gibt es den Edson in Blau/Gold und Schwarz/"Silber" (=platiniert). Zudem werden immer wieder LE-Versionen angeboten, derzeit der "125 Ans".
  • "Lifetime Guarantee" (hoffe, daß das immer noch gilt)
  • NEGS:
    • bruchempfindlicher Corpus (Kunststoff-Zweischicht-Ausführung)
    • insbesondere auch wegen des langen, aber wenig fixierenden Clips (geringer Federdruck): außer es wurde doch noch geändert. Der lange Edson fällt gerne aus einer Tasche, vor allem auch beim Nachvornebücken!
    • Kappenschluß-bedingte Kratzspuren auf dem Massivgoldblatt des Griffstücks

 

Persönliche Einschätzung

  • Der Waterman Edson gehört ohne Frage zu den zwischenzeitlich legendären Füllhalter-Neukonstruktionen der Neuzeit. Im kommenden Jahr ist er 20 Jahre im Programm.
  • Einzigartig bleibt die Bereitschaft, eine solche Neukonstruktion in dieser Preisklasse auf den Markt zu bringen. Man könnte sich das heute kaum noch vorstellen. Und das nicht nur bei Waterman.
  • Großartig bleibt das Handling für einen solch stattlichen Füllhalter und der Materialeinsatz.
  • Bei an sich überragender Konstruktion hat man sich aber einige Nachlässigkeiten erlaubt, die in der Gesamtschau zu häßlichen Spuren (Kratzspuren auf dem Goldblatt der Griffstückes) oder zum Bruch des Corpus (schwache Clip-Vorspannung des fremdgefederten Clips bedingt Sturzgefahr) führen können.
  • Als First-Class-Schreibgerät hat sich der Edson nicht durchsetzen können. Dazu ist sein Outfit vielleicht auch zu speziell, gerade auch für Interessenten, für die der Preis nicht die entscheidene Rolle spielt.
  • Daß er aber immer noch angeboten wird, zeigt wiederum, daß der Waterman Edson unverändert eine Ikone darstellt und gefragt ist.
  • Wie dem auch sei, der Waterman Edson ist der Ausdruck der Klasse dieses Herstellers, ein Meisterwerk von Waterman.

Ergänzung nach Anfrage

Auf die Anfrage eines Lesers über den Unterschied zur Sheaffer "Inlaid Nib" (Einlegefeder) hier ein Foto eines "Targa by Sheaffer", wie der Targa offiziell heißt.

 

Die Inlaid Nib besteht aus einem Teil, das nach seiner Endfertigung in das Griffstück gepreßt wird und nicht mehr entfernt werden kann. Die im internen Sheaffer-Sprachgebrauch auch "Fish" genannte Feder besteht einteilig also aus der eigentlichen Schreibfeder und dem langgezogenen, unterbrochenen Anteil, der etwa 2/3 des oberen Griffstückes ausfüllt.

 

Beim Waterman Edson gibt es die eigentliche Schreibfeder, die abgetrennt ist von der Goldverzierung am Griffstück. Also eine ganz andere Anordnung.

Targa by Sheaffer; Ausführung Laque Thuya, Feder 14 K, fein
Targa by Sheaffer; Ausführung Laque Thuya, Feder 14 K, fein

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