Der Trend zu breiten und superbreiten Federn?

Liebe Leser!

 

Maria schrieb mit nachfolgende Nachricht und ich möchte diese verbinden mit einem zweiten April-Beitrag ...

 

 

 

Lieber Thomas, liebe Mitleser_innen,


ein Beitrag, zu dem ich auch gerne mal etwas schreiben möchte, auch wenn es womöglich als Unterstellung rüberkommt:
Wieso geht der Trend zu den breiten und superbreiten Federn?
Die Schrift wird doch keineswegs dadurch schöner, gefälliger?
Sind es, mal provokativ gefragt, vor allem Menschen, die auch sonst im Leben "raumgreifend" (richtig, ein medizinischer Terminus für eine meist unschöne Tatsache) auftreten und die dieses Selbstverständnis auch in ihrer Handschrift ausdrücken wollen?
Ehrlich gesagt befremdet mich ein derartiges Schriftbild und baut eine Distanz zum Schreiber auf derart, dass er oder sie den Leser, meist wohl aber sich selbst, als "wichtig, bedeutend" beeindrucken will:-(
Nein, ich bin keineswegs ein Anhänger der Graphologie , aber irgendwie drängt sich mir der Zusammenhang zwischen großem fettem Schriftbild und nach außen (oder für sich selbst?) Eindruck schinden wollen, auf...?
Meiner Ansicht nach ist das Schriftbild mit einer gut schreibenden F oder EF - gerne auch Italic - am ansprechendsten und vor allem mühelos lesbar; jm2c.
Schade, dass wir das hier nicht in einem Forum diskutierten können.
Vielleicht wollen die superduperdoppeldreifach BBB - Schreiber_innen einfach nur auch die Wände mit ihrem FH anstreichen können?
Schöne und erholsame Osterfeiertage wünscht
Maria

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Kommentare: 10
  • #1

    pens-and-freaks (Samstag, 19 April 2014 19:41)

    Zitat: "Schade, dass wir das hier nicht in einem Forum diskutierten können."

    Ein Forum ist ein Mausklick entfernt, ich müßte nur den Halen für "verstecken" herausnehmen. Technisch ist das kein Problem, auch wenn man über das LOGIN und die Bild-Implementierung diskutieren könnte. Aber es geht.

    Auf meine Frage vor wenigen Wochen hin, haben sich zwei Stimmen gemeldet: eine dafür und eine dagegen. Insofern habe ich das als "wenig Interesse" interpretiert. Wenn es anders ist, dann müßte sich die hier zahlreiche Leserschaft dazu melden. Ansonsten gibt es in Deutschland Penexchange und die Community bei fountainpen.de. Vielleicht reicht das ja auch. Aber alles ist möglich.

    Von der Grundausrichtung her ist das eine Info-Webseite. Bisher hatte ich eher den Eindruck, daß die Leser mehrheitlich eher mitlesen als diskutieren möchten.

  • #2

    pens-and-freaks (Samstag, 19 April 2014)

    Zitat: "Wieso geht der Trend zu den breiten und superbreiten Federn?"

    Maria, ist es wirklich so? Man kann davon ausgehen, daß zu etwa 70-80 % M-Federn gekauft werden. Und F, M. B decken sicher mehr als 90 % der Nachfrage ab.

    In der Zwischenzeit haben, das ist ein Trend aus den USA, Bandzugfedern eine gute Nachfrage gezeigt. Das Schriftbild dieser Federn (Italic oder Stub) ist attraktiv. Bei Lamy und Pelikan hat man solche Federn auch als Schönschreibfedern vermarktet. Nicht ohne Erfolg. Daher gibt es neben dem Standardprogramm bei TWSBI, Monteverde oder auch hochwertigen Produkten wie Conway Stewart (wieder) solche Federtypen, teils auch mit Federn bis 1.9 mm.
    Breite und sehr breite Federn hat es immer gegeben. Sie verschwinden eher. Die OBB und OBBB (O3B) gab es sogar bei Parker, bei Montblanc und Pelikan sowieso.

    Während die B und teils die BB recht kugelig und für mich wenig attraktiv im Schriftbild sind, haben gerade die klassischen angeschrägten Bandzugfedern (Typ Stub) einen kleinen aber durchaus festen Freundeskreis. Da solche Federn nicht so einfach zu führen sind, sind es eher Besonderheiten für Kenner geblieben. Das git selbst für die neue Pelikan-M800-Italic-Feder.

    Ich selber schreibe mit den Jahren mit immer feineren Federn. Das erklärt auch meine Freude an den japanischen Federn. Hier zeigt sich eher, daß deutsche Federn sehr häufig gar nicht mehr fein genug geschliffen werden (können). Zudem mag ich auch breite Federn, die aber einen feinen Aufstrich haben (Typ Italic), gerne auch angeschrägt.

    Das erklärt sich aus dem Schreibbedarf. Wer gerne Briefe mit gutem Papier schreibt oder kalligrafisch arbeitet, oder wer - wie ich - viel unterschreiben muß, der mag oder braucht auch solche Federn.

    Zusammenfassend habe ich den Eindruck, daß sich viel nicht verändert hat. Bandzugfedern sind häufig nicht superbreit (0.9 und 1.1 mm) und im Angebot und Verkauf dominieren die Standardbreiten F, M und B, vor allem die M.

    Ich selber favorisiere auch für den Alltag feine und sehr feine Federn. Ich kann aber auch umgekehrt verstehen, daß solche Typen auch schwerer zu führen und auch kratziger sein können.

    Aber vielleicht sehen das andere Leser auch anders.

    Ich bedanke mich ganz herzlich für Deinen Beitrag, Maria, und finde ihn auch sehr interessant und gebe die weitere Diskussion frei. Dasselbe gilt auch für die Forumsdiskussion.

    Viele Grüße
    und einen schönen Ostersonntag
    wünscht Thomas

  • #3

    Maria (Samstag, 19 April 2014 22:54)

    Dass F, M und B-Federn etwa 90% der Nachfrage abdecken ist ganz sicher richtig.
    Aber wieviele davon sind Schulfüller bzw. (teure) Präsente?
    Wir Freunde und Nutzer (!) schöner Schreibgeräte, die _wissen_, dass es auch andere Federn gab bzw. gibt, repräsentieren womöglich bzw. wahrscheinlich nur einen geringen Teil der Nachfrage?
    Im täglichen Leben sind mir Verallgemeinerungen zuwider, aber mein "Füllerleben" speist sich halt vorwiegend aus Forenlektüre, sehr viel weniger aus unmittelbarem Kontakt mit Freunden und Nutzern schöner FH. In den Foren fällt mir auf, dass gerade Neueinsteiger_innen in unserem schönen Hobby die Feder nicht dick und breit genug sein kann. Selektive Wahrnehmung? Meist sind es, so sehe ich das, die langjährigen Füllerschreiber, die sich nicht (mehr) in den Foren präsentieren, die man leider nur selten und meist völlig unerwartet mit großer Selbstverständlichkeit einen FH nutzen sieht, die die Ausgewogenheit eines mit guter F-oder IF-Feder zustande gebrachten Schriftbilds zu schätzen wissen.
    OK, sicher spielt der Anwendungsbereich eine große Rolle. Wenn ich überwiegend kluge Sprüchlein zur eigenen Erbauung auf edles Papier "malen" will, sollten diese übernommenen Weisheiten durchaus beeindruckend ausschauen und das geht mit einem Besenstiel besser als mit einer feinen Feder.
    Aber in der Hektik des Alltags, wenn schnell lesbare (!) Notizen gemacht werden müssen, wenn redigiert oder korrigiert werden muss...ist man mit der "Malerei" schnell am Ende (meine Erfahrung) und eine feine Feder das Non Plus Ultra.
    Ebenso zum Erreichen einer ansprechenden, flüssigen Schrift, denn die feine Feder verzeiht im Gegensatz zu dreifach BBB in Hochpotenz keine Haken und Schlenker, jede Unregelmäßigkeit ist für den Leser sofort offensichtlich.
    Ein Bekannter von mir, Prof an der Uni, muss zunehmend Klausuren zurückgeben, weil er die "Gemälde", Sätze ohne Satzzeichen, dafür aber mit Kringeln und Herzchen über'm >i<, nicht identifizierbaren Schlenkern, Schleifen, Bögen (von der Rechtschreibung ganz zu schweigen) schlichtweg nicht lesen kann.
    Ja, meist werden klecksende Kulis und Filzschreiber genutzt.
    Frage: Was unterscheidet eigentlich einen dicken Filzschreiber von einer breiten Kugelfeder in einem 1000 Euro FH?
    Antwort: der wesentlich billigere Filzschreiber bringt das Geschreibsel sauberer zu Papier.
    Beweis: Ingenuity von Parker - für einen Filzschreiber recht teuerer, edler Body mit Filz unter der nur noch den Schreiberling schmücken sollenden funktionslosen Goldfeder - die scheinen zu ahnen wo's langgeht :-(
    Niemand wird die klammheimliche Freude darüber offen zugeben ("nein, iiiich doch nicht, so ein Schwachsinn"), muss es ja auch nicht, Hauptsache, man schaut cooler aus als mit einem Stabilo oder so.
    Wäre schön, wenn hier eine gute Diskussion - vor allem mit überzeugenden Gegenargumenten zu meinen selektiven Erfahrungen - zustande käme.
    Frohe Ostern
    Maria

  • #4

    pens-and-freaks (Samstag, 19 April 2014 23:37)

    Zitat: "In den Foren fällt mir auf, dass gerade Neueinsteiger_innen in unserem schönen Hobby die Feder nicht dick und breit genug sein kann. Selektive Wahrnehmung? Meist sind es, so sehe ich das, die langjährigen Füllerschreiber, die sich nicht (mehr) in den Foren präsentieren, die man leider nur selten und meist völlig unerwartet mit großer Selbstverständlichkeit einen FH nutzen sieht, die die Ausgewogenheit eines mit guter F-oder IF-Feder zustande gebrachten Schriftbilds zu schätzen wissen."

    In solchen Foren finde ich eher die M-Schreiber. So viele Foren gibt es ja auch gar nicht. Und man sieht die ganz andere Mentalität in inländischen und amerikanischen Berichten sehr deutlich. Was mit dabei bei den Angelsachsen gefällt, ist die gute Diskussionskultur. Die Berichte sind oft auf das Wesentliche konzentriert und mehr auf die Sache bezogen. Manchmal aber auch etwas grob. Der Fundus der mitgeteilten Produkte ist aber viel höher als hierzulande.

    Diskussion? Gerne.

  • #5

    Benny (Montag, 09 Juni 2014 10:02)

    Guten Morgen,

    Ich möchte an dieser Stelle zu Bedenken geben, dass es auch Leute wie mich gibt, die alle Federnbreiten (EF-3B) haben und auch aktiv verwenden. Es kommt auf den Einsatzzweck und die Flexibilität des Schreibers an. So habe ich über die Jahre daran gewöhnt mich schnell auf die verwendete Federbreite einzustellen. So schreibe ich zB. EF-F auf der Arbeit, M-B, Italic und Stub für private Post und BB-BBB für grafische Sachen, Grußkarten, Überschriften oder einfach Spaß.
    Weiterhin habe ich gelernt verschiedene Schriften ohne Einschränkung zu nutzen. So schreibe ich Schreibschrift mit EF-M, Stub und Italic. Ab B verwende ich meine persönliche Druckschriftvariante.
    Generell kann ich aber auch alles mit allen Federn schreiben, da ich mich einfach daraufhin einstelle, die Schriftgröße variiere und besonders beim e,a,h,l die Radien je nach Feder größer bzw. runder wähle.
    Dann kommt noch hinzu, dass ich manche Tinten lieber breitgeschrieben anschaue und lese, manche aber lieber mittel oder feiner.

    Gruß - Benny

  • #6

    Daniel (Sonntag, 17 Mai 2015 16:08)

    Hallo Zusammen

    Ich schreibe, wie Benny, gerne mit verschiedenen Federbreiten, je nach Zweck und gewünschter Wirkung auf den leser.
    Überschriften, Gruss- und Glückwunschkarten (bei wenig Text) dürfen auch mal in B oder BB sein. Längere Textpassagen und "wichtiges" bei der Arbeit auch gerne in F oder M.

    Grüsse Daniel

  • #7

    Klaus (Sonntag, 07 Juni 2015 22:56)

    Hallo Leute,

    hat schon jemand erwähnt, dass die breiteren Federn meist auch mehr Tinte aufs Papier bringen und damit meist mehr Schattierung oder/und "Sheen" einer Tinte zeigen? Ich finde das - gerade in privater Korrespondenz einfach schön.
    Ansonsten schließe ich mich den ausgewogeneren Meinungen an: Ich kann und schreibe mit allen Breiten.
    Viele Schreiber würden aber von einer breiteren Feder profitieren, ich schreibe i.A. mit breiteren Federn "schöner".
    Ansonsten: was regst Du Dich auf, wen willst Du bekehren? Ich bin über jeden froh, der überhaupt mit Füller und Tinte schreibt!

    LG
    Klaus

  • #8

    pens-and-freaks (Sonntag, 07 Juni 2015 23:08)

    Sehr schön, vielen Dank, Klaus, für die Anmerkung. Immer wieder interessant, die Meinungen anderer kennenzulernen. Bei entsprechendem Bedarf ist es u. U. interessant, sich bei den alten Modellen umzusehen. Hersteller wie Montblanc oder Pelikan hatten eine immense Federauswahl mit verschiedenen Schliff-Formen. Montblanc hat das heute noch, das Preisgefüge der Meisterstücke ist aber derart auseinandergegangen, daß solche Modelle für viele, selbst gebraucht, nicht so erschwinglich oder gar nicht erschwinglich sind. Zum Erfolg von Spezialfedern wie Stub/Italic/OM-O3B gehört aber auch dazu, daß Interessenten solche Federn probieren können.

    Daher habe ich ja auch die Schriftbeispiele eingestellt, um zumindest den Lesern einen Einblick zu geben, wie bestimmte Federn schreiben. Bei der Gelegenheit bin ich weiterhin an Schriftproben der Leser interessiert.

    Viele Grüße
    Thomas

  • #9

    Annika (Freitag, 17 Juli 2015 19:49)

    Meinem Eindruck entspricht es zwar nicht, dass der Trend zu solchen sehr breiten Federn geht, allerdings teile ich die Erfahrung mit Klaus, dass breitere Federn eben auch häufig ein besonders schönes Schriftbild mit kräftiger Farbe erlauben.
    Mir persönlich liegen eher schmal ausfallende M und F Federn am besten. Mein Hauptverwendungszweck sind für mich Uni-Angelegenheiten und da fülle ich 100te Seiten kariertem Papier, wobei ich jede Zeile beschreibe. Da wird es mit einer breit ausfallenden M schon ein wenig enger.
    Für Grußkarten oder ähnliches nehme ich auch gerne mal eine B Feder und würde ich häufiger kurze Texte verfassen, bei denen es um Schönheit geht, würde ich mir sicherlich auch noch breitere Federn zulegen. Ein (gekonnt!) mit Oblique Feder geschriebener Text ist ohne Frage einfach eleganter und macht mehr her.

  • #10

    Birgit (Samstag, 06 August 2016 23:44)

    Eine lesenswerte Diskussion, wobei ich gar nicht sagen könnte, in welche Richtung denn nun der Trend bei den Federn geht. Ich halte es aber für durchaus vorstellbar, dass jemand einen Füller, auch als Prestigeobjekt kauft, der zunächst nicht am Schriftbild interessiert ist. Dann entscheidet womöglich das Angebot "F/ M/ B" über die Kaufentscheidung. Wobei ein Kugelschreiber gewohnter Mensch wahrscheinlich eine M Feder als am wenigsten problematisch einstuft...
    Solange dies ein Einstieg ins Füllerschreiben ist, warum nicht?! In einigen, mir bekannten Fällen hat diese erste Begegnung mit dem "ansehnlichen" Gerät dann zu verstärktem Interesse an der Art des Schreibens geführt. Erfreulich, wie ich finde!
    Es ist eben heute nicht mehr üblich mit dem Füllhalter zu schreiben. In der Grundschule sind die Versuche zur Etablierung einer schönen Schrift dem Ziel gewichen, die Kids überhaupt ans Schreiben zu bringen, egal wie und womit. Weiterführende Schulen haben ebenfalls andere Probleme als Füller oder Kuli oder sonstige Schreiber. Wobei ich dies nicht als Mangel der schulischen Bildung ansehe. Notwendigkeiten ändern sich und Prioritäten werden anders gesetzt. Aber ich finde es ausgesprochen schade!
    Schreiben kann eben mehr sein als Worte zu Papier bringen! Das zu verlernen oder gar nicht erst gelernt zu haben, bedeutet auch ein Kulturgut zu verlieren, da gebe ich den vorherigen Schreibern recht.
    An diesem Punkt überlege ich, wie das Interesse am Schreiben mit dem Füller wieder geweckt werden kann?!
    Auf eher zufälligem Wege, indem ich meinen - zugegeben einfachen, aber gut schreibenden - Füller an jemanden ausgeliehen habe, der dann erstaunt feststellte wie angenehm leicht es sich damit schreibt. Bei solchen Gelegenheiten hat auch schon manch ein einfacher Füller seinen Weg in andere Hände dauerhaft gefunden :)
    (Und meiner Erfahrung nach können Füller und Tinten nach Erstkontakt durchaus zur angenehmen Sucht werden.)
    Just my 2 cents
    Birgit