Lamy dialog 3 – kappenlos gut?

Im Oktober 2011 vorgestellt, der Lamy dialog 3, hier in Mattschwarz*
Im Oktober 2011 vorgestellt, der Lamy dialog 3, hier in Mattschwarz*

 

Teil 1: Der erste Eindruck

 

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Vor einiger Zeit war Lamy an mich herangetreten und fragte an, ob ich für meine Webseite einen Lamy-Füllhalter testen möchte. Die Webseite würde der Firma gefallen. Da ich noch keine Gelegenheit hatte, einen dialog 3 auszuprobieren, sagte ich zu und bat um ein Exemplar dieses kappenlosen Füllers. 

 

Nun kam er an und mit großer Freude habe ich das Paket ausgepackt und angesehen.

 

Mir ist es wichtig, daß meine Leser wissen, daß der Halter von der Firma Lamy zur Verfügung gestellt wurde. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich, auch für das Vertrauen in eine kompetente und faire Beurteilung. 

 

Selbstverständlich wird ein solcher Schreibgerät genauso begutachtet und beurteilt wie jedes andere, das ich mir selbst gekauft oder das ich geschenkt bekommen habe. 

 

Darauf können sich meine Leser stets verlassen.

 

Auspacken

 

Kann es da noch Überraschungen geben? Lamy ist ja bekannt für funktionell einfache Verpackungen. Ob Pappe oder Metallkiste, alles habe ich bei Lamy schon gesehen.

 

Hier ist es aber anders. Man nimmt die Pappe ab, öffnet die dunkelgraue Pappkiste und ... Ein dunkelbraunes Etui aus einem schweren, hochwertigen und glatten Kunststoffmaterial mit Lamy-Aufdruck kommt zum Vorschein. Man öffnet den Magnetverschluß, kleine flache Stifte sind das an den jeweiligen Außenseiten. Darin befindet sich in einer Mulde der schwarzen Kunststoff-Innenausführung der dialog 3. Ein schwammartiges Material schützt den Halter vor der Innenfläche und Klackern im Etui. Da dieses Etui für den täglichen Einsatz konzipiert wurde, könnte man sich auch gut eine andere Lösung vorstellen, bei der das "Dichtmaterial" fest in der Innenwand eingelassen ist. Ich wünschte mir bei dem wunderschönen und sonst sehr funktionellen Etui eine perfekte Lösung. 

 

Mit dabei ein Garantiekärtchen (2 Jahre sind es) und ein kleines Heftchen, in dem der Halter und dessen Designer Franco Clivio aus der Schweiz ebenso vorgestellt werden wie die Funktion. Das ist einfach und klar über Bilder und einen knappen mehrsprachigen Text gut umgesetzt. Mehr braucht man wirklich nicht. Sicherlich, die schönen, aber oft recht nutzlosen opulenten Verpackungen italienischer Halter haben etwas für sich. Aber das dunkelbraune Etui mit dem Magnetverschluß wiegt das alles mehrfach auf. Prima.

 

Die unverbindliche Preisempfehlung für Deutschland liegt im Mai 2013 bei 260 Euro.

 

Ansehen

 

Genug von den Äußerlichkeiten und die Verpackungen weggelegt. Es geht um den dialog 3. Es gibt ihn in zwei Ausführungen, palladiumbeschichtet und, wie hier, in Schwarz (Ausführung Black). Das ist eine mattschwarze Lackierung.

 

Der Halter ist 14 cm lang und mit 48 g schwer. Der Corpus ist mit ca. 13 mm dick. Das ist im wesentlichen ein Metall-Schreibgerät mit einer schwarzen Beschichtung, einem mattierten fremdgefederten Metall-Clip und zwei grauen Langsstreifen auf Cliphöhe. Man sieht somit sofort, wie weit man den hinteren Corpus zurückdrehen muß, wenn man die Feder wieder einzieht. Dreht man weiter, so schraubt man den hinteren Corpus ab. 

 

Letztlich hat der Halter einen zweigeteilten Corpus mit einer glatten schwarzen Metallbeschichtung auf dem Metall-Corpus. Am vorderen Ende ist der Halter offen für die Federmechanik, die durch ein so genanntes Kugelventil, einer halbschalenförmigen Metallkappe, verschlossen ist. Luftdicht muß so etwas sein. An diesem vorderen Abschluß sitzt an diesem Öffnungsrand eine Gummierung, sonst sieht man eine Gummierung nur noch auf dem Gewinde, das die beiden Corpusteile miteinander verbindet. So kann sich die Mechanik nicht aufdrehen.

 

Das hintere Ende des zylindrischen Corpus ist gerundet.

Das erste Bild
Das erste Bild

 

Anfassen

 

Die glatte Oberfläche, beim Palladium wird es genauso sein (das kenne ich schon vom Accent), ist griffsympathisch, weil eben nicht zu glatt. Der stabile Clip ist, da mattiert, dazu genau richtig. Für die exakte Arretierung sind die grauen Streifen wichtig, am Ende des Corpus ist der Lamy-Schriftzug angebracht. Das ist unauffällig und dürfte niemanden stören. Die schwarze Ausführung macht mehr noch den Eindruck eines richtigen Werkzeuges (für alle Tage). Gefällt mir gut. 

 

Es ist einfach zu verstehen, daß die Drehrichtung des hinteren Teiles, nahtlos und fast unsichtbar verbunden mit dem Frontteil, das Weitere bestimmt: Dreht man im Uhrzeigersinn, also von einem weg (Federseite ist links oder oben), dann fährt man die Feder aus. In der Gegenrichtung schraubt man das hintere Ende ab. Dann sieht man die solide Innenmechanik. Vormontiert und sehr fest und zuverlässig sitzt der Z 26-Konverter mit üblicher Tintenkapazität (etwa 0,7 ml dürften das sein, entsprechend einer Standardpatrone). Man zieht ihn ab und kann eine (beiliegende) Lamy-Großraumpatrone (1,5 ml) einsetzen. Die Farben sind königsblau (löschbar), schwarz, rot, türkis, violett, blau-schwarz (nicht eisengallushaltig) und grün.

 

Wichtig: Will man den Halter über den Konverter aus dem Faß befüllen, so muß das Innenteil gegen den Uhrzeigersinn herausgeschraubt werden. Sehr hohe Präzision. Und dann sieht man zum ersten Mal die Feder. Sie ist ein guter Bekannter. Es ist die 14-K-Goldfeder mit der Teilrhodinierung, wie es sie auch für die Studio oder Accent gibt. Die Grundform entspricht den anderen Lamy-Federn im Safari, Studio etc. (standardmäßig mit Edelstahlfedern ausgerüstet). Sehr schön: Am geriffelten Hinterende kann man das Innenteil ein- und ausschrauben. Ich habe den Halter mit der Lamy-Patrone geladen, weil ich wissen wollte, wie der Halter mit der firmeneigenen Ausstattung schreibt. Also hintere Kappe aufgeschraubt, an den Längsstreifen ausgerichtet ... Dreht man nun weiter, fährt die Feder aus und der Clip rückt etwas zum Corpus hin. Das Federaggregat rastet dann sicher ein und läßt sich ebenso einfach wieder einziehen.

 

Insgesamt habe ich sofort den Eindruck eines sehr gediegenen Präzisionsinstrumentes, das man gerne in der Hand hat.

Lamy-Konverter Z 26 (von der Lamy-Webseite)
Lamy-Konverter Z 26 (von der Lamy-Webseite)
Tintenpatronen (von der Lamy-Webseite)
Tintenpatronen (von der Lamy-Webseite)

 

Anschreiben

 

Funktionell und optisch ist das eine rationale und rationelle Entscheidung gewesen für gerade dieses Federaggregat mit dem bekannten Tintenleitsystem. Sicher hätte man auch eine Lamy-2000-Einheit erwarten können oder etwas ganz anderes. Aber das hätte nicht einer überlegten Planung dieser Firma entsprochen. Man wollte bestimmt eine leicht zu führende Feder – und das sind große freistehende Federn zweifellos – und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Das sprach für eine bekannte Federeinheit mit der man große Erfahrung hat und bei der es keinen erhöhten Fabrikations- und Lageraufwand geben kann. Bei den rhodinierten Goldfedern hatte sich Lamy für die diskrete und doch markante Ausführung mit federschlitznahem Goldrand entschieden. Die gelbfarbene Goldfeder ist in den Außen- und Mittelbereichen rhodiniert und innen unbehandelt. Diskrete Inschriften für Hersteller, 14-Karatangabe 585 und Federstärke, hier F. Das sieht gut aus.

 

Ja, ein Hersteller mit eigener Federproduktion. Das ist heute eine Ausnahme. Viele Firmen lassen von Federspezialproduzenten ihre Federn herstellen. 

 

Diese Lamy-Federn müssen nicht speziell montiert werden, sie werden auf den Tintenleiter aufgeschoben und werden von den krallenartigen Flanken im Tintenleiter gehalten.

 

Die Feder ist eine F, daneben ist EF, M, B, OM und OB lieferbar. Leider hat Lamy bei den Goldfedern keine Bandzugfedern (Stub, Italic) im Angebot. Eine Stub 1.1 mm wäre eine schöne Option. In den USA z. B. werden diese Federn immer beliebter und viele US-Hersteller bieten sie inzwischen an (auch wenn sie in der Regel in Deutschland produziert werden).

 

Immer wieder interessant: Wann schreibt der Halter an, wenn man die Patrone eingedrückt hat. Es sind ganz drei Buchstaben: LAMY habe ich schreiben wollen, schon das Y kommt mit kräftigem Strich. Wie man auf dem nachfolgenden Blatt sehen kann, ist der Tintenfluß zunächst noch etwas unterschiedlich. Die ersten, sehr dunklen Worte hängen damit zusammen, daß Lamy ALLE montierten Federn mit blauer Tinte anschreibt. Hin und wieder findet man einen irritierten Lamy-Neukunden vor, der sich wundert, warum die Feder mit blauer Tinte bereits in Kontakt kam. Nein, es ist nicht eine gebrauchte Feder bzw. ein Vorführmodell, das erworben wurde, sondern bei Lamy üblich. Die meisten Hersteller probieren die Federn vor der Auslieferung nicht. Im Vergleich dazu die feine Pilot und die nominell sehr feine riesige Pelikan-Feder aus Bock-Fertigung.

Auf Clairefontaine 90
Auf Clairefontaine 90

Jetzt folgt ein Schriftbeispiel auf meinem Abreißblock. Gegenüber dem Clairefontaine 90, das glatter ist, mehr Fluß und größere Breite. Im Vergleich dazu die interne Konkurrenz, ein bereits gut eingeschriebener F-Lamy 2000, den ich seit Herbst 2012 habe. Auch die Tinten sind nicht identisch. Die Parker Quink Permanent Blau aus dem Faß ist schon halb leer, hat daher auch durch Wasserverdunstung höhere Sättigung. Sie ist aber auch zu Beginn etwas dunkler und kräftiger.

Beide Federtypen aus dem Lamy-Programm laufen in etwa gleich breit. Aber Vorsicht! Das sind handgeschliffene Federn, die (ich weiß das aus eigener Erfahrung) immer ein wenig unterschiedlich ausfallen. Das muß man hinnehmen, handelt es sich doch um individuelle Goldfedern. Schön, daß die Federn in allen Richtungen gleich gut schreiben. 

 

Zugegeben: Die Lamy-Goldfedern laufen eher breiter, die EF auch nicht außerordentlich fein. Das kenne ich schon von meinem EF-Accent. Ich halte diese F-Feder für eine gute Wahl für den Alltagsschreiber. Die Feder verzeiht mehr Federdrehung und braucht weniger exakte Führung als eine sehr feine (und auch kleine) Feder. Insofern ist die Entscheidung für die gut sichtbare und gut führbare freistehende Lamy-Feder sehr gut nachzuvollziehen.

 

Es folgen nun weitere Bilder "out of the box" mit dem Samsung SII schon in Abendstimmung. Weitere Aufnahmen, auch von Lamy, werden folgen und den Erfahrungsbericht sicherlich gut illustrieren.

Die schöne 14-K-Goldfeder
Die schöne 14-K-Goldfeder
Innenteil mit Federaggregat
Innenteil mit Federaggregat
Kleine und große Feder; Pilot und Lamy
Kleine und große Feder; Pilot und Lamy
Die drei Teile
Die drei Teile

 

Teil 2: Weitere Informationen von Lamy

Bei einem so anspruchsvoll konstruierten Halter ist nun noch nicht Schluß. Das Schreibverhalten muß weiter erprobt, der Halter muß eingeschrieben werden. Zudem ist die mitentscheidende Frage, wieweit der Federverschluß zuverlässig und letztlich luftdicht funktioniert. Weiter muß der schwere Halter im Handling eingeschätzt und gegenüber dem Pilot Capless abgegrenzt werden. Der Mut, hier Neuland zu betreten, muß man Lamy hoch anrechnen. Ob sich das im Alltag auszahlen wird, werden wir dann sehen. 

 

Zudem werden wir Informationen von Lamy direkt zum dialog 3 bekommen. Wir dürfen alle gespannt sein.

 

Ich hoffe, die heute Abend ganz spontan gegebenen Informationen sind hilfreich für meine Leser, für die mitlesenden Schreibgerätefreunde.

 

Der Autor freut sich und die Firma ganz bestimmt über rege Rückmeldungen.

 

24.5.13: Nun folgt Teil 2. Das sind Unterlagen der Firma Lamy, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.

Die mitgelieferte Box*
Die mitgelieferte Box*
Lamy dialog 3 in Black*
Lamy dialog 3 in Black*
Das Kugelventil am vorderen Halterende*
Das Kugelventil am vorderen Halterende*
Feder ausgefahren*
Feder ausgefahren*

*von Lamy freundlicherweise zur Verfügung gestellt

 

Teil 3: Erste Alltagseindrücke

 

Im Folgenden werde ich meine Eindrücke aus dem praktischen Einsatz einstellen. Ein solches komplexes Schreibgerät ist genauer anzusehen, was Verläßlichkeit und Handlung anbelangt.

 

 

Abdichtung

 

Von gestern auf heute habe ich den Halter nicht benutzt. Nach 24 Stunden mit der Lamy blau habe ich keinerlei Anschreibprobleme oder Dunkelfärbungen gesehen. So muß es sein. Ein kritischer Punkt solcher Schreibgeräte sind eben die Abdichtungen an der Federspitze.

 

 

Anfassen

 

Wie faßt sich der dialog 3 an? Das ist eine sehr subjektive Sache. Der schwere, recht stämmige, aber recht gut ausbalancierte Halter mit der freistehenden Feder kann niemals "Everybody´s Darling" sein. Ich finde, daß das etwas rauhe Material recht gut zu Festhalten des Stiftes taugt. Der Clip senkt sich ja etwas ab, wesentliche Unterschiede für die Griffhaltung ergeben sich dadurch aber nicht. Der Clip ist dennoch da. Wie ich von anderen Benutzern weiß, sehen sie das genauso. Dennoch ist die Clip-Idee ein nettes Feature, auch wenn es eher eine spielerische Sache ist. 

 

Ich glaube, es wird mit niemand böse sein, wenn ich annehme, daß die meisten Anwender eher kürzere Notizen oder Unterschriften mit dem dialog 3 verfassen. Für den Dauereinsatz über viele viele Seiten sind andere Griffstücke sicherlich überlegen. Das ist beim Pilot Capless für die meisten aber identisch.

 

Gut gefällt mir die Feder, die mit der Lamy blau saftig und weich schreibt, dabei auch ein klein wenig Elastizität zeigt, flexibel ist sie aber nicht. Die Führung der Feder gelingt durch ihre Größe gut, leichter als bei einer kleinen teilverdeckten Feder. 

 

Der Drehmechanismus ist leicht zu drehen, ist aber nicht butterweich. Das sollte er auch nicht sein, sonst verdreht sich der Mechanismus versehentlich. Beim Zurückdrehen auf 0 achte ich, zumindest momentan noch, auf die Parallelität zu den grauen Streifen. Das ist ja nicht die Endstellung, da man das hintere Ende ja weiter- und somit aufdrehen kann. Schön ist das lautlose und unauffällige Vor- und Zurückbringen der Feder. Beim Capless ist die Auslösung auf jeden Fall einhändig per Knopfdruck möglich. So unauffällig ist das Klicken aber nicht. Dort ist es typisches Kugelschreiber-"Feeling". Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich mag beide.

 

So, das ist mein aktueller Bericht vom 26.5.13 und ich freue mich auf die weitere Bekanntschaft und Vertrautheit mit dem dialog 3 und werde weiter berichten.

 

Teil 4: Zusammenfassende Beurteilung

 

Heute folgt der Abschlußbericht nach der Testphase. Ein Langzeitbericht kann bei diesem Schreibgerät nur noch wenige Zusatzinformationen liefern. Viele Dinge wie Feder, Tintenleiter sind bekannt. Auch einen mehrtägigen Verschluß des Halters hat zu keinem Stocken beim Anschreiben geführt. Auch eine Minderung des Tintenvorrats in der Patrone ist nicht aufgetreten. Mit dieser Tinte kam es zu keinen Austrocknungen. Wie es nach mehrwöchigem Liegenlassen aussieht, muß momentan offen bleiben. 

 

Gut bewährt hat sich die mitgegebene Tinte, eine Lamy-Blau-Patrone. Wenn man es ganz pragnatisch nimmt, könnte das sehr gut passen, sicher ebenso z. B. schwarz. Gefallen hat mir das flüssige, gut gesättigte Schreiben. Es sieht auch nicht nach Filzstift aus. Die Tinte ist auch nicht klebrig. Es könnte daher hier von Vorteil sein, bei einer Kombination besonderer Füller und eigene Tinte zu bleiben. Sehe ich nicht immer so, hier aber umso mehr. Auch das Patronenprinzip hat hier seinen Reiz.

 

Sehr gut ist die Kleckssicherheit. In die Tasche gelegt, dabei liegt er auch waagrecht und vielleicht auch mal eher mit der Feder nach unten, gibt es keine Probleme. Ihn im Etui unterzubringen und in eine Tasche zu legen, das dürfte keine Schwierigkeiten machen.

 

Haltbarkeit der Oberfläche: Ich habe noch die früheren Schwarzverchromungen, die nicht gehalten haben, in Erinnerung. Hier wird eine Schwarzlackierung bzw. eine Palladium-Beschichtung beim Parallelmodell verwendet. Beim Palladium sehe ich keine Abnutzungen oder stärkere Verkratzungen (Modell Accent) über Jahre. Bei der schwarzen Version erwarte ich angesichts Preis und Renommee des Herstellers eine langjährige Oberflächengüte. Kratzempfindlich erscheint die Oberfläche jedenfalls nicht.

 

Die zweijährige Garantie erscheint mickrig, wer Lamy kennt, weiß aber, daß man sich im Service kundenfreundlich zeigt. Ich kenne dies persönlich. Gerade der schnelle und sehr kundenorientierte Service ist ein großes Plus von Lamy. Die Firma ist sich dieses Pfundes ganz sicher bewußt. Daher ist es gerade für den tagtäglichen Schreiber ein Argument, eine Marke zu wählen, bei der es im Fall der Fälle (man kann ja auch mal ein Schreibgerät durch Sturz desselben beschädigen) nicht zu ellenlangen Wartezeiten kommt. Einige Hersteller sind für vier- bis sechsmonatige Zwangspausen bekannt. Bei Lamy kann man von einer extrem kurzen Servicezeit ausgehen.

 

Der Preis von hochwertigen Schreibgeräten, gerade mit Goldfeder, hat sich leider seit der Jahrtausendwende drastisch erhöht. Auch bei Lamy wurden die Preise angehoben, so auch beim dialog 3. Zwischenzeitlich wurde der Preis von ursprünglich knapp 200 EUR (guter Preis) auf 260 EUR angehoben. Das erscheint immer noch akzeptabel, aber man liegt damit inzwischen in der Nähe der Verkaufspreise für den einzigen Konkurrenten Pilot Capless. 

 

Überhaupt der Capless. Man erwarte von mir kein Für und Wider der beiden Halter bzw. Konstruktionen. Beide haben definitiv ihre Vorzüge. Man muß es aber, mehr noch als bei anderen Füllhaltern, schlicht ausprobieren, was für einen besser paßt. Der Capless kann zu schmächtig, der Lamy zu schwer und dick sein. Alles ist möglich. Wer gefällt mehr? Sicher, der Pilot kommt in sehr vielen, auch bunten Ausführungen. Das hat was. Die schlichte Größe der beiden dialog 3-Modelle hat aber seine eigene gestrenge Schönheit. Für den Einhandbetrieb ist der lautere Klickmechanismus des Pilot besser geeignet, aber auch auffälliger, weil lauter. Die kleine Feder ist wunderbar integriert, aber auch schwerer zu führen als die große freistehende des Lamy.

 

Wahrscheinlich ist es so, daß man sich eher grundsätzlich die Frage stellen muß, ob man mit einem kappenlosen Füllhalter zurecht kommt. Der Clip ist bei beiden Modellen potentiell am Griffstück im Wege. Der Reiz des Besonderen oder auch der Einsatz unter bestimmtem Bedingungen für gelegentliche Notizen kann das Argument sein. Auch mal was anderes zu probieren, kann entscheidend sein.

 

Wenn ich für mich zusammenfasse, so darf ich unumwunden sagen, daß mir der dialog 3 mit seiner massiven und gediegenen Konstruktion mehr Respekt abverlangt, als ich zunächst erwarten konnte. Ich erinnere nochmals daran, daß er mir freundlicherweise von der Firma Lamy zur Verfügung gestellt wurde. Ich hatte um einen Halter gebeten, den ich von Lamy noch nicht kannte, den dialog 3. Die Ausführung konnte ich nicht wählen, der schwarze paßt sehr gut. Die zurückhaltende Unaufdringlichkeit mit dem mattierten Clip und der Ganzmetallausführung, das hat viel Stil. Als Schreiber für längere Passagen ist er mir etwas zu schwer und dick, ich kann einen Lamy 2000 da leichter und eleganter führen. Das ist beim Capless nicht anders. Gerade zum Mitnehmen für Notizen, dafür nehme ich gerne den Capless mit, ist der dialog 3 aber für mich interessant. 

 

Nun noch zu den Federn: Intensiven Lesern meiner Webseite ist es nicht verborgen geblieben, daß ich feine Federn mag. Daher findet man auch hier einige, zum Teil nicht so gut erhältliche japanische Füller mit ihren feinen und sehr feinen Federn. Wer dies sucht, findet bei Lamy, so auch bei anderen "hiesigen" (oder europäischen/amerikanischen) Herstellern eher breitere Federn vor. Auch mein Accent mit einer 14-K-Feder in EF ist nicht so schmal, wie man sich das vorstellen könnte. Wer einen satten Fluß und eine eher kräftigere Feder haben möchte, kommt aber sicher auf seine Kosten. Die F erscheint mir für viele Interessenten da eine gute Lösung zu sein. Eine Stub 1,1 mm würde ich mir dennoch wünschen.

 

Ich hoffe, ich konnte den dialog 3 ausführlich genug vorstellen. es war mir eine große Freude, dies zu tun.

 

Für Rückfragen stehe ich wie immer gerne zur Verfügung und freue mich über Kommentare, Lamy sicher auch.

 

Viele Grüße

Euer Thomas Baier

(der sich auf die PenShow in Nürnberg freut und sich viele viele Schreibgeräte genau ansehen möchte). 

 

 

Abschlußschriftprobe
Abschlußschriftprobe

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Kommentare: 7
  • #1

    Julia (Freitag, 24 Mai 2013 10:05)

    Ein sehr schöner und ausführlicher Eindruck!
    Ich bin ja begeisterter Pilot Capless-Fan und dadurch finde ich den Dialog 3 durchaus interessant.
    Was mich auch daran erinnert, dass ich den Capless auch mal vorstellen könnte.
    Diese "kappenlosen" Füller finden m.M.n. viel zu wenig Beachtung, dabei sind sie für den Alltag echt genial!

  • #2

    pens-and-freaks (Freitag, 24 Mai 2013 20:44)

    Hallo Julia, vielen Dank für Deinen Kommentar. Kappenlose Füllhalter, mir fallen auch nur der Capless und der dialog 3 ein, sind schon sehr aufwendig in der Federabdichtung. Zudem ist der Clip im Griffbereich so eine Sache. Da ich den Capless ja auch habe, kann ich die beiden auch sehr gut vergleichen. Egal wie sich der Bericht weiterentwickeln wird, die Erfahrung mit beiden ist eine lohnenswerte und interessante Sache.

    Dem Capless fehlt hierzulande schon deshalb die Verbreitung, weil er recht teuer angeboten wird. Mir gefallen auch die vielen Farben einschl. der Sondermodelle.

    Der Lamy dialog 3 ist eine andere Konstruktion und es wird spannend, wie er sich im Alltag bewähren kann.

    Dennoch werden solche kappenlosen Halter aus Gründen der Optik und der Haptik sehr unterschiedlich beurteilt werden müssen. Beim dialog 3 ist es ja einfacher, ihn vor Ort einmal auszuprobieren.

    VG Thomas

  • #3

    Julia (Dienstag, 28 Mai 2013 11:55)

    Danke für deine Antwort, Thomas!
    Der Capless ist m.E. sogar etwas günstiger als der Lamy, ich hab für meine beiden je knapp 200€ bezahlt. So ist der Lamy in etwa auch preislich.
    Ist denn eine einhändige Bedienung möglich oder braucht man schon beide Hände, um die Feder gut rauszubekommen?

  • #4

    Thomas PAF (Dienstag, 28 Mai 2013 14:05)

    Hallo Julia. Preislich dürfte das ähnlich sein. Im Ausland teils aber auch deutlich preisgünstiger. Man braucht schon zwei Hände wegen des Widerstsnds beim Drehen. Es geht auch mit einer, aber es ist eben nicht so einfach wie bei einem Druckknopf.
    VG Thomas

  • #5

    Thomas PAF (Dienstag, 04 Juni 2013 23:36)

    Mein aktuelles Resumee: Ein schwerer, wertiger Halter, den ich besser als den Capless halten kann. Da ich ihn behalten darf, kann ich gelegentlich nachberichten. Ich werde ihn sicher häufig dabei haben und habe von ihm einen guten Eindruck gewonnen. Die einfach zu führende Feder und der gediegene Eindruck haben mir gefallen. Ich denke, ein klassischer Füllhalter mit Kappe ist für die meisten unverändert der Standard und hat seine haptischen Vorteile. Ein kappenloser Halter kann aber für einige eine Option sein, wenn man einen Füller für Notizen zum Mitnehmen gebrauchen kann, der zudem so auffällig unauffällig ist.

  • #6

    Jan (Samstag, 31 August 2013 12:53)

    Hallo, was mir sehr gefehlt hat ist ein Vergleich der verschiedenen Lamy Federn.

    Würde mich freuen wenn sowas in Zukunft dabei ist. Eine einfache Schreibprobe einiger Wörter mit jeder Feder würde reichen.

    Ansonsten toll geschrieben.
    Danke
    Jan

  • #7

    Thomas PAF (Samstag, 31 August 2013 16:43)

    Lamy kann mir nicht alle Federbreiten zur Verfügung stellen. Die Federn sind mit den Goldfedern der Modelle Accent oder Studio identisch.

    Das kann ich gerne nochmals an die Leser weitergegeben. Gerne Schreibproben der fehlenden Federbreiten.