Erste Eindrücke: Pelikan Souverän M 1000

Von Erasmus 5/14
Von Erasmus 5/14

Einleitung

Die Vorgeschichte geht so: Im Juni 2011 war ich auf der PenShow in Nürnberg und konnte einen M1000 mit einer M-Feder zur Probe schreiben. Die wunderbar schwingende Feder in einem bei heutigen Füllhaltern (fast) unbekannten Stil war auf Anhieb überzeugend. Einen Kauf wolle ich mir überlegen, dieses Jahr sicher nicht, sagte ich zu Rolf. Gesagt, getan.

 

Bei der diesjährigen PenShow im Mai war es dann soweit: Ich konnte einen M1000 grüngestreift mit F und zwei EF-Federn probeschreiben. So hatte ich mit Rolf ausgemacht.

 

Eine der EF-Federn gefiel mir so gut, daß ich den M1000 kaufte. Der sehr große Füller lag überraschend gut in der Hand bei diesem zweiten Aufeinandertreffen.

 

Von diesem Halter möchte ich kurz berichten.

Maße

Pelikan Souverän M1000:

 

  • Gewicht gesamt 32 g, Corpus 22 g (mit Waage 2 g genau)
  • Länge geschlossen 144 mm, offen 134 mm
  • Mundstück Mitte Durchmesser ca. 11,5 mm; Corpus maximal ca. 14,5 mm (Messung mit Lineal, nicht Schublehre)
  • Federlänge: 27 mm

 

Im Vergleich Montblanc Meisterstück 149:

  • 38 bzw. 26 g (schwerer)
  • 146 bzw. 130 mm (etwa gleich lang)
  • 13 bzw. 15 mm (etwas dicker)
  • 26 mm (sehr große Feder minimal kürzer)

Zusammenfassung

Der M1000 in dieser klassischen Ausführung ist DIE Alternative zum großen und legendären Montblanc Meisterstück 149. Manchmal wird gefragt, welchen nehmen? Das kommt darauf an ... Ja, das sagt man bei dieser Gelegenheit immer. Aber genau so ist es. Beide haben ihre ganz eigene Ausstrahlung und die Vorteile sind etwas unterschiedlich verteilt und mal gefällt der eine besser, mal der andere. Das ist eine Frage von Sympathie, Vorstellung vom Schreibverhalten, natürlich ist es auch eine Preisfrage.

Am M1000 gefällt mir sehr die gute Balance des sehr großen Halters, die wunderschöne elastische Feder, die von Peter Bock in Heidelberg stammt (die anderen Pelikane haben Pelikan-Federn, so auch der M800). Das Schreibverhalten ist anders als z. B. beim M800 und auch beim MB 149. Der M1000 hat eine elastische Feder, wie man sie heute kaum noch findet. Die einzelnen Federn unterscheiden sich im Schliff und der Federmontage doch soweit, daß von Feder zu Feder mehr oder weniger große Unterschiede herauskommen. Ich habe mich für die mittlere Feine der EF entschieden, die F lief noch weicher, war aber etwas breiter, noch ein feiner Strich. Das ist reine Geschmackssache. Der Tintenleiter ist, nichts anderes erwartet man bei den Souveränen, sehr gut und leistungsfähig. Die Strichvariation und auch die Tintenfluß-Variation durch unterschiedlichen Druck weiß der Leiter souverän zu erzeugen. Letztlich habe ich noch zwischen zwei weiteren EF-Federn auswählen können und letztlich eine andere behalten, die mir noch mehr liegt.

 

Es ist außer Frage, daß der M1000 nicht nur zu den großen Füllhaltern aus Deutschland gehört, sondern in Qualität, Ausstrahlung und Schreibverhalten zu den größten überhaupt. Dies gilt sicherlich für das gesamte ausführliche Spektrum der unterschiedlichen Federn.

 

Es wäre mir und dem M1000 sicherlich eine außerordentliche Freude, wenn von Leserseite eine Schreibprobe von anderen stolzen Besitzern dieses Halters ergänzend eingestellt werden könnten. Meine EF-Schreibprobe mit der J. Herbin Vert Empire wird folgen.

 

Ich hoffe, meine Zeilen haben informiert und unterhalten.

 

Thomas


M1000 und MB 149
M1000 und MB 149

Interaktion

Möchten die verehrten Leser mehr wissen oder soll ich mehr schreiben, dann bitte ich um eine Rückmeldung über das Kommentar-Formular.

Schriftproben

Es folgen zwei Schriftproben in bezug auf Nachricht 3.

 

Probe 1: mit Clairefontaine 90 (glattes Papier, bei dem Tinte nicht ausläuft)

Probe 2: einfacher Abreißblock, der recht charakteristisch für Schreibpapier ist und schon ein wenig ausläuft.

Hallo Thomas,

 

so, jetzt hab ich mal kurz Zeit gehabt, ein paar Schriftproben zu erstellen.

Auf dem ersten Bild habe ein Blatt aus dem Atoma-System mit 90g/qm und 4mm-Raster genommen.

Wie nass der M1000 zur Sache geht, sieh man ja auch nicht zuletzt daran, dass die Schrift noch von der Scannerplatte verschmiert wurde ;-) (für einen 2. Versuch hatte ich heute leider keine Zeit mehr).

 

Im 2. Scan ist es ein Standard-Kollegeblock mit 70g/qm und 5mm-Raster. Interessanterweise läuft die Tinte bei diesem Papier nicht so aus, wie auf dem Papier eines anderen, sehr ähnlichen, Blocks, den ich gestern im Büro eines Kunden verwendet habe.

Wie auch immer. Interessant finde ich, dass die Linienbreite kaum schmaler, als die der M-Feder des M150 ist.

Auf deinem Scan vom glatten Papier (leider weiß ich nicht, ob das Clairefontaine von der Oberfläche her mit dem Atoma vergleichbar ist) sieht es auf jeden Fall zierlicher aus.

War das eigentlich die EF-Feder mit der dünnsten Linie, die du gewählt hast, oder gab es eine mit Schmalerer?

Die Frage zielt natürlich darauf ab, ob es überhaupt Sinn macht, den Stift zu Pelikan zu schicken, oder eben mit der Feder, wie sie ist, zu leben, bzw. demnächst mal einen Nibmaster zu beauftragen, denn eigentlich ist mir der Strich eine Spur zu fett.

 

Wenn du möchtest kannst du die Scans gerne in dein Blog hängen.

Bei Bedarf könnte ich auch nächste Woche „Sauberere“ machen ;-).

 

Viele Grüße

Matthias

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Kommentare: 11
  • #1

    Michael (Samstag, 28 Juli 2012 09:56)

    Hallo Thomas, es ist selbstverständlich das wir / ich mehr lesen möchte über einen außergewöhnlichen Füllfederhalter diese Klasse.

    Es ist sehr schön solche persönlichen Texte zu lesen.

    Viele Grüße
    Michael

  • #2

    Thomas von pens-and-freaks.de (Samstag, 28 Juli 2012 17:53)

    Hallo Michael, vielen Dank für die Rückmeldung. Ich möchte meine Beiträge schon ein bißchen nach der Resonanz abstimmen. Ausführliche(re) Beiträge, evtl. auch mit größerer Bilderzahl, muß ich schon abhängig machen von den Interessen der inzwischen doch recht zahlreichen Leser.

    Viele Grüße, Thomas

    Viele Grüße
    Thomas

  • #3

    Matthias (Mittwoch, 27 Februar 2013 13:50)

    Hallo Thomas,

    zum 1000er ist hier ja schon eine Weile nichts passiert...

    Mittlerweile habe ich mir den auch gegönnt und bin im Prinzip ziemlich glücklich damit, denke aber dennoch über einen Federtausch nach.
    Leider konnte ich im Fachhandel keine verschiedenen Federn ausprobieren (wieso sollte der Fachhandel in einer Kleinstadt wie Dortmund (bei etwa 7-10 Händlern habe ich angefragt) auch solche Füller bevorraten...) und habe ihn deshalb mit einer EF-Feder bestellt.
    Mir kommt der Strich (selbst bei kleinstmöglichem Druck) etwas breit vor und ich spekuliere darauf, dass möglicherweise eine andere EF-Feder einen schmaleren Strich erzeugen könnte.
    Auch deshalb würde mich deine avisierte EF-Schreibprobe brennend interessieren (3 Wochen habe ich ja noch Zeit für den Federtausch).

    Viele Grüße
    Matthias

  • #4

    thomas (Mittwoch, 27 Februar 2013 19:16)

    Hallo Mathias. Schicke mir doch mal eine Schreibprobe vllt. mit Papier- und mit Tintenangabe. Ich melde mich dann wieder. Ich kann dann bessere Auskunft geben. Danke.

    VG Thomas

  • #5

    Matthias (Donnerstag, 28 Februar 2013 07:26)

    Hi Thomas,

    das sieht im Prinzip so aus, wie bei mir. Allerdings kenne ich das Fließverhalten der Atramentis Silbergrau nicht.
    In meinem Fall erziele ich mit der Sailor Jentle Epinard das beste Ergebnis. Das ist meine "trockenste" Tinte.
    Die ersten Versuche waren mit MB Irish Green (mir) viel zu nass.
    Bin im Moment unterwegs, aber in den nächsten Tagen werde ich dir mal eine Probe zukommen lassen.

    Viele Grüße
    Matthias

  • #6

    thomas (Donnerstag, 28 Februar 2013 21:04)

    Hallo Matthias. Freue mich auf Deine Schriftproben. Werde sicher auch mal eine Koenigsblaue nehmen.

    Der M1000 hat einen so kraeftigen Fluss, dass auch bei feinem Schliff und leichtem Druck bei der EF ein recht deutlicher Strich bei der zudem elastischen Feder entsteht.

    Ich kenne die breiteren F und cs. 6 EF. Die EF sind alle etwas unterschiedlich und auch anders montiert. Aber dir probierten hatten diese Strichstaerke.

    Wahrscheinlich muss auch bei Deiner Feder die richtige Tinte kommen.

    VG Thomas

  • #7

    Thomas von PAF (Sonntag, 03 März 2013 20:05)

    War das eigentlich die EF-Feder mit der dünnsten Linie, die du gewählt hast, oder gab es eine mit Schmalerer?



    Hallo Matthias,
    die anderen waren NICHT schmaler.

    VG Thomas

  • #8

    pens and freaks (Donnerstag, 15 Mai 2014 21:33)

    15.5.14

    Heute kommt der M1000 aus Hannover vom Pelikanservice. Schnell und in der Tat erfolgreich. Wunderbar die Feder. Die Kratzigkeit ist weg. Wenn sich das so bestätigt, wurde ein absoluter Klassefüller aus meinem 1000er.

    Neujustage der Feder. Zuvor hatte ich den Halter in England. Aber der konnte es nicht. Namen nenne ich da nicht. Aber das war jein Kenner.

    Gut gemacht, Pelikan!

  • #9

    David Hein (Sonntag, 06 März 2016 15:00)

    Ich selbst liebäugle auch mit einem M1000. Soweit ich sehe, liegen die Vorlieben ja eher bei den dünnen SF/F-Federn. Sind denn die Strichstärken bei den breiteren Federn so enorm?

  • #10

    pens-and-freaks (Sonntag, 06 März 2016 15:12)

    Hallo David,

    ich besitze alle mögliche Federbreiten. Ich mag sehr gerne feine und sehr feine Federn als übliche Korrespondenzfedern und die klassischen OM/OB/OBB/OBB mit schmalen Aufstrichen, siehe dazu auch den Pelikan P1 OBB. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Plump und dicklich schreibende Federn sind nichts für mich.

    Beim M1000 ist das Ganze insofern besonders, daß die sehr große Feder mit dem sehr leistungsfähigen Spritzkunststoff-Tintenleiter einhergeht mit fünf Sachverhalten:

    1. Der Federschlitz ist eher sehr breit.
    2. Die Federspitzen sind eher breit, auch bei den EF/F.
    3. Die Serienschwankungen sind (legendär) beträchtlich.
    4. Die Feder ist außerordentlich weich, so daß die Federschenkel gerne aneinander haken oder der Tintenfluß abreißt.
    5. Diese Dinge sind nach Auskunft eines englischen Nibmeisters nicht so einfach abzustellen.

    In der Summe also ein sehr variables Bild, das sich da ergibt. Die Pelikan-Federabteilung kann dies (wie ich mich persönlich versichern konnte) nicht nachvollziehen oder abstellen, obwohl dies in Foren u. ä. wohlbekannt ist. Inzwischen habe ich eine M-Feder, mit der der Halter gut schreibt, der Federfluß entspricht mit einer Pelikan 4001 Königsblau einer japanischen BB. Siehe dazu auch den Bericht bei The Pen Habit auf Youtube. Matt kommt zum identischen Urteil.

    Man kann aber auch Glück haben und seine Feder finden. Die M 800 schreiben ganz anders und laufen teils auch sehr laut, was mir überhaupt nicht gefällt. Auch hier gibt es keine Federstärkenkonstanz. Dies ist bei den Goldfedern von Pelikan die Regel. Ich verrate hier keine Geheimnisse, das weiß eigentlich jeder, der sich jenseits einer eher breiten M bewegt. Und Pelikan kennt meine Ansicht genau, ich bin ja dort kein Unbekannter.

    Ich persönlich habe einen M1000 und werde ihn auch behalten. Nochmals kaufen würde ich ihn mir sicher nicht, eher einen 50er-Jahre Montblanc 149.

    Viele Grüße, Thomas

  • #11

    pens-and-freaks (Sonntag, 06 März 2016 15:17)

    Als Klarstellung:
    Die neue EF, wie 5/14 von mir recht freundlich kommentiert, war zunächst sehr gut, kein Kratzen, dann kamen die Aussetzer und das bekannte Knacken der weichen Federschenkel gegeneinander. Das sind ja keine federnden Federschenkel, sondern weiche. Ich hatte dann meine alte EF behalten, die zwar bei nicht allzu flacher Haltung kratzte, aber immerhin funktionierte. Inzwischen habe ich diese EF gegen eine M gewechselt, die einwandfrei funktioniert. Mit M hat das aber überhaupt nichts zu tun. Ich werde da aber nichts mehr unternehmen. Vielleicht muß da mal ein Nibmeister ran. Das hat Zeit.

    Thomas