Pilot Custom 823 in der Farbe "Amber", Feder F

"Out of the Box", der Pilot Custom 823 Amber mit seinem Sticker und Aufklebern. Gerade ausgepackt!
"Out of the Box", der Pilot Custom 823 Amber mit seinem Sticker und Aufklebern. Gerade ausgepackt!


Sailor, Platinum/Nakaya oder Pilot? Wer kennt sie nicht, diese allgemeine Frage, wenn es um japanischen Füllhalter geht. Gut, meist sind es typische zigarrenförmige Halter mit einfachen C/C-Füllsystemen. Gut, es gibt auch den Capless und den Falcon, den 95 Justus und schöne Demonstratoren. 


Aber es gibt nur einen Custom 823! Und somit ist die Frage schon beantwortet: Es kommt eben darauf an, was man sucht. Für alle drei großen Japaner sprechen für sich genommen gewichtige Gründe. Oft ist es so: Wenn die Japaner gefallen, gibt es oft ein sowohl als auch.


Beim Custom 823 (im Folgenden nur 823 genannt) gibt es einige spezielle Argumente, die gegen und für den Halter sprechen: 

  • Keine Verfügbarkeit (soweit ich weiß) in Europa; Bezug über Japan bzw. USA)
  • Vacuum-Füller
  • Demonstrator in Zigarrenform in "Amber" und "Smoke"
  • Drei Federtypen: F, M und B mit 14 K Gold
  • Große Tintenkapazität und hervorragende Auslaufsicherheit durch "Sicherheitsventil"
  • Gediegene, sicherlich mehrheitlich als ausgesprochen attraktiv empfundene Ausführung
  • Sicherer Kappenschluß und funktioneller, passender und schöner, eigengefederter Tropfen-Clip

Diesen Füllhaltertyp kenne ich schon sehr lange, vor vielleicht 10-12 Jahren hatte ich einen "Smoke" mit M-Feder von Herrn Krüner in Berlin probiert ("Füller und mehr"). Schon damals war ich von der überzeugenden Material- und Verarbeitungsqualität angetan, die tropfenförmige M-Feder war nicht so meine Sache. In der Zwischenzeit hatte ich immer mal wieder über ihn gelesen und auch erfahren, daß es eine Ausführung "Amber" gibt. Motiviert durch das gute Funktionieren meiner Vac 700 (TWSBI) und dem Beschäftigen mit alten Füllhalter-Füllsystemen kam ich wieder vermehrt auf dieses Prinzip, das Onoto bereits vor fast 100 Jahren angewandt hatte. Eine Ausweitung erlebte es in den Sheaffer Balance der 30er und 40er, ehe es zunächst von den eigentlich rückständigen, weil Gummisack-tragenden Touchdown und Snorkel abgelöst worden war. 


In den 90ern probierte ich einmal einen Visconti Manhattan, dessen Ausführung mir aber nicht so gefallen hatte. Die Druckstange und die Abschlußkappe waren nicht so solide ausgeführt. Mir war das viel zu wackelig!


In den Vac 700 zeigt dieser Mechanismus hingegen, was er kann. Ein Vacuum-Füller füllt den Schaft ohne Innenbehälter und erreicht eine hohe Füllmenge. Das System arbeitet als wesentliche Abdichtung mit einem Kolben, der in der Abwärtsbewegung füllt. Bis zu 2,2 mL können es in einem 823 sein.


Was macht den 823 nun attraktiv? Gerade der "Amber" in Verbindung mit den goldenen (fast rotgoldenen) Akzenten und dem teiltransparenten braunen Kunststoff kommt vornehm daher. Seine gestreckte, unaufdringliche Form wird solide, eigenständig und edel. Die nicht-transparenten Teile Griffstück, Kappenende und Füllgriff sind farblich genau passend dunkelbraun. Es gibt kein Pendant! Mit 22 g ohne Füllung ist er leicht, nicht zu leicht, fühlt sich glatt und porzellanartig an und läßt jedliche Billigkeit vermissen, die manche Demonstratoren doch haben. Denn ein Demonstrator ist es. Wenn gefüllt, ist der dann dunklere Corpus noch gediegener. 14.7 bzw. 13.2 cm beträgt die Länge mit und ohne Kappe. Mit aufgesetzter Kappe sind es stattliche 16.7 cm, die die Balance nach hinten ziehen. Ohne Kappe ist die Balance genau richtig. Ich habe eh den Eindruck von einem nicht zu großen oder dicken, aber ausreichend langen Füllhalter. 12 bzw. 10.5 mm sind in etwa die Durchmesser am Corpus und in Kappenmitte. Das ist ein mittelgroßer, aber langer Halter. Das gefällt mir gut. Nicht zu leicht, nicht zu groß und mit einer glatten Oberfläche. Den Warnsticker an der Kappe muß man aber erst mit seinem zähen Klebstoff wegbekommen. Das könnte besser gelöst sein. Der kleine Federstärken-Sticker am Schaft löst sich besser. Da es sich hier um ein japanisches Modell handelt ist die Beschriftung auf dem Warnhinweis japanisch: Bei Exportmodellen nach z. B. den USA steht dort ein Hinweis, daß man nach dem Füllen die Blindkappe und somit das Ventil zum Tintenleiter ein bißchen öffnen muß. 

Die Kappe sitzt fest und dichtet einwandfrei ab. Langzeiterfahrungen über die Effizienz der Kappenabdichtung werde ich ergänzen. Clip und Clipring passen zur Gesamtform, der breite Kappenring mit zwei Teilen (oben schmal, unten breiter, erhabener und beschrifteter Ring) wirkt sehr gediegen. "Custom 823 ... Pilot ... Made in Japan) steht in der Umschrift. Das obere breit auslaufende Ende des Clips zeigt die Inschrift PILOT. Wie der Clipring zeigt der Füllknopfring eine deutlich erhabene Rille. Da paßt alles zusammen.

Wie füllt man nun den Halter? Am besten beginnt man damit, daß man den (teil-) gefüllten Halter aus Sicherheitsgründen in das Tintenglas hält. Man löst die Blindkappe gegen den Uhrzeigersinn komplett, zieht ihn und somit die Druckstange ganz heraus, taucht Feder und Griffstück in die Tinte und drückt die Druckstange ganz hinein. Am Griffstück-nahen Ende wird über die Lücke zwischen Corpus-Innenfläche und Kolben unterdruckdedingt die Tinte angesaugt, was zu 2/3 gelingt. Durch ein nochmaliges Manöver, das von "Dizzypen" beschrieben wird, kann der Halter nahezu vollständig gefüllt werden. Aber: aufpassen beim zweiten Füllen, daß man nicht Tinten aus der Feder nach oben spritzt!

Blindkappe ist gelöst.
Blindkappe ist gelöst.
Druckstange ist vollständig ausgezogen. Vor der Erstfüllung
Druckstange ist vollständig ausgezogen. Vor der Erstfüllung


Gefüllt habe ich meinen 823 mit Stipula Musk Green, die mit ihrem Braun-Grün-Ton gut paßt und bei gutem Fluß nicht zu üppig und breit läuft. Und so sieht das Schreibergebnis aus:

Die wirklich feine Feder schreibt sofort und immer an und auch durch. Die Tinte ist sehr gut gesättigt, dennoch sieht man (in natura besser) das Changieren und auch die Schattierung dieser Tinte sehr gut.


Die F-Feder paßt mir sehr sehr gut. Sie hat dieses Maß an Biß für ein prägnantes Schriftbild, das ich so mag. Andere finden in den M und B angenehme Alternativen. Üblicherweise, das sollte man beachten, fallen die Pilot-Federn nicht so schmal aus wie z. B. die von Platinum. Eine M ist da schon eine M. Die F ist aber doch eher eine japanische F, ähnlich wie beim "Falcon". 


Die 823er-Feder, die natürlich ein Pilot-Produkt ist, hat eine leichte Eigenfederung beim Schreiben, "springy" sagen die Angelsachsen dazu. Die Federschenkel spreizen sich aber nicht und auf höheren Druck erhält man nur eine geringe Verbreiterung der Strichstärke. 


Zusammenfassende Beurteilung:

Der Pilot Custom 823 ist ein äußerst attraktiver Halter, der gerade in "Amber" (alternativ in "Smoke") einen sehr schönen Auftritt hat. Ich finde, man hat sich hier sehr große Mühe gemacht. Zwar muß man mit drei Federstärken als Alternativen auskommen, dennoch kommt die Attraktivität auch von Ausführung und dem besonderen Vacuum-Füllsystem (nicht Vacumatic) mit seinem großen Füllvolumen. Die 14-K-Goldfeder ist groß, klassisch ziseliert und in F markant in Schreibverhalten und Schriftbild. Der Tintenfluß ist gleichmäßig und setzt nicht aus. Der moderne Spritzkunststoff-Tintenleiter läuft gut, ist aber auf besser gesättigte Tinten eingestellt. Zumindest trifft dies für die feinen Federn zu. Aus bestimmten Gründen darf dieser Halter in Deutschland nicht angeboten werden. Aber auch in den Niederlanden hätte ich ihn nicht bekommen, auch in England kenne ich keinen Anbieter. Daher wird man ihn i. d. R. in Japan zu einem recht attraktiven Preis 180-220 EUR besorgen können (exkl. mgl. MwSt.). Zusammen mit dem Falcon, dem Capless und dem 95 Justus bietet Pilot mit dem Custom 823 ein weiteres außergewöhnliches Schreibgerät an, das man in die Spitzenklasse moderner Füllhalter setzen muß. 


Ich hoffe, der Bericht, liebe Leser, hat euch gefallen. Rückfragen, Kommentare, usw. bitte unten. Vielen Dank. 


Viele Grüße

Thomas



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Kommentare: 14
  • #1

    Marcus W. (Samstag, 18 Oktober 2014 20:02)

    Hallo Thomas, wow. Solch einen 823er muss ich auch haben. Danke für deinen tollen Bericht.

  • #2

    pens-and-freaks (Samstag, 18 Oktober 2014 21:35)

    Danke schön. Ich denke, es ist ein Halter, der Freude machen kann. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

  • #3

    Marc (Sonntag, 19 Oktober 2014 10:47)

    Vielen Dank für den guten Bericht. Auch dieser Füller kommt wohl auf die Wunschliste.

    Da ich Farben sehr mag und nicht immer alles nur schwarz sein muss, ist Amber hier wohl auch genau die richtige Wahl. Zusammen mit einem Platinum Bourgogne bringt er sicherlich ein wenig Farbe auf den "triste" Schreibtisch...

    Schade das hier keine Bezugsquelle in Deutschland vorhanden ist.

  • #4

    Michael (Sonntag, 19 Oktober 2014 21:27)

    Sieht aus wie ein Klassefüller. Gefällt mir auch sehr. Danke für Deine detallierte Vorstellung, die mir wie immer sehr gefällt. Ich freue mich immer auf Deine Beiträge. Mache bitte so weiter. Das wollte ich Dir mal sagen. Viele Grüße Michael

  • #5

    pens-and-freaks (Sonntag, 19 Oktober 2014 21:38)

    Ich habe meinen über Amazon.de und somit über einen Japan-Shop. Schnelle Lieferung. Ich glaube, ich darf das so sagen. Keine Werbung.

  • #6

    Simone B. (Dienstag, 21 Oktober 2014 20:21)

    Was für ein Knaller! Toller Füller. Danke, Thomas. Ich werde mir den in M auch besorgen.Der Amber gefällt mir sehr.

  • #7

    pens-and-freaks.com (Donnerstag, 01 Januar 2015 18:07)

    http://fpgeeks.com/2015/01/pilot-custom-823-review/

  • #8

    pens-and-freaks (Donnerstag, 08 Januar 2015 20:45)

    Nachtrag:
    1. Es gibt auch einen Clear Demonstrator mit vergoldeten Akzenten.
    2. Die Kappe dichtet sehr gut ab, der Halter trocknet nicht aus.
    3. Die Kappenbandumschrift hat eine schwarze Innenlackierung, die Beschriftung wird sehr gut lesbar.
    4. Im Gebrauch ist nichts in der Beurteilung zu verändern. Ein wirklicher Klassefüller. Es fehlen ihm nur die Federvarianten der Custom 742 z. B.

  • #9

    Marc Kannengiesser (Sonntag, 03 Januar 2016 00:56)

    Hallo Thomas,

    nachdem ich durch Deine Vorstellung des Füllers diesen direkt mal ganz oben auf meine Wunschliste setzte (siehe auch mein Eintrag weiter unten vom 19.10.2014), hat mir noch in 2014 meine Frau ein super Weihnachtsgeschenk gemacht. Da man den Füller in Deutschland nicht bekommt, hat sie ihn aus China direkt bestellt. Es ist auch ein echter Pilot, aber nun hätte ich eigentlich einen Garantiefall, der sich wohl recht schwierig gestaltet. Der Füller ist nach gut einem Jahr nicht mehr ganz dicht. Er "sifft" oben an dem Ende, das man zum Auffüllen rauszieht ein wenig raus. Dadurch das er nicht mehr richtig dicht ist, füllt er sich auch nicht mehr richtig (maximal ein Viertel oder ein Fünftel nimmt er auf) aufgrund des fehlenden Vakuums.

    Hast Du vielleicht eine Idee, was ich nun machen kann? Gibt es hier in Essen oder Umgebung evtl. einen Händler, der sich mit Pilot Füllern auskennt?

    Wäre wirklich sehr schade um das Gute und auch teure Stück.

    Viele Grüße,

    Marc

  • #10

    Marc Kannengiesser (Sonntag, 03 Januar 2016 01:01)

    Nachtrag:

    Der Füller ist natürlich aus Japan, nicht aus China. Meine Frau war ganz schön geschockt, als sie ein Schreiben vom Zoll erhielt, das sie dort etwas abholen muss :-).

    Es ist der Pilot Custom 823 in Amber.

  • #11

    Pens and freaks (Sonntag, 03 Januar 2016 18:35)

    Hallo Marc, wegen der Pin schicke mir eine Nachricht per Email. Ich sende sie Dir dann zu.
    Der 823 gilt als sehr robust. Mit einem Schlüssel, wie er jedem TWSBI beiliegt, kann man die Mechanik einfach herausschrauben. Die Abdichtung kann man damn besser einsehen. Da ist lediglich eine Dichtung.
    Pilot Deutschland ist äußerst freundlich, Frau Gesche Mühlenberg. Allerdings gibt es dieses Modell nicht in Deutschland, ich glsube auch nicht für Europa.
    Ein bekannter Reparateur ist z. B. Lutz Fiebig im Magdeburg.
    Ein Pilot nach Japan kann Monate dauern.
    VG Thomas

  • #12

    Marc (Sonntag, 03 Januar 2016 19:24)

    Hi Thomas,

    welche PIN meinst Du?

    Bei meinem TWSBI VAC 700 habe ich nun erst (durch Deinen Tipp) das Werkzeug nebst "Öl" und Dichtung entdeckt :-) Was meinst Du denn, was so eine Reparatur kosten kann? Ich würde dann wohl mal Herrn Fiebig anschreiben, wenn der Pilot Support nicht helfen kann. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt selbst machen sollte...

    Nach Japan würde ich ihn auch nicht schicken, nachher kommt der gar nicht mehr zurück :-(

    Viele Grüße,
    Marc

  • #13

    pens-and-freaks (Sonntag, 03 Januar 2016 19:54)

    Ich dachte, die brauchtest nochmals ein LOGIN. Habe ich vielleicht mit einer anderen Nachricht verwechselt. Sonst nochmals mailen über das Kontaktformular.

    Wenn die Dichtung defekt ist (ich habe mit meinen zwei 823 keinerlei Probleme, bei den zwei Vac 700 hat sich die Dichtung schon mal gelöst), dann ist das ein Austausch von einer Minute. Aber auch ich habe keine Dichtung.

    Ich würde den Mechanismus schon einmal herausdrehen, geht ganz einfach und die Dichtung anschauen. Dann weiß Pilot Deutschland besser, damit etwas anzufangen. Ich würde auch zunächst Frau Mühlenberg kontaktieren.

    Pilot D über: http://www.pilotpen.de/de/contacts/
    Lutz Fiebig über: mailbox@interpens.de

    Viele Grüße und ein Gutes Neues Jahr!
    Thomas

  • #14

    Marc (Sonntag, 03 Januar 2016 20:07)

    Bei meinem VAC sind noch 2 Dichtungen dabei. Ich schaue mal, ob ich das bei dem Pilot mal gelöst bekomme. Muss ich mir mal in Ruhe ansehen, ob ich mir das zutraue. Möchte ja auch nichts kaputt machen.

    Und dann melde ich mich mal bei Pilot und ggf bei Herrn Fiebig. Danke für die Kontaktdaten.

    Dir auch ein frohes Neues Jahr...