Ein erster Blick: Pilot Falcon Metal, SF

Ein Füllhalter, nach dem man immer mal wieder gefragt wird. Vor Jahren hatte ich bereits einen Namiki Falcon, SM, den Pilot auf der Tour nach oder von Japan verloren hatte. So bin ich zu einem Bamboo als Ersatz gekommen. Zu diesem Zeitpunkt kaufte man den Falcon meist in den USA, die Halter wurden in Deutschland gar nicht angeboten. Da ich mit der kratzigen Feder nicht zufrieden war, ging er nach Japan.

 

Jetzt nach vielen Jahren hat es mich dann doch wieder gejuckt: Zwischenzeitlich kann man die Falcon auch in Europa problemlos kaufen. Üblicherweise wird der Metal angeboten, der in Deutschland unglaublich teuer ist: 407,49 EUR VK lese ich soeben. Unglaublich. 

 

Das war für mich nichts. Wie heute so oft üblich, muß ich solche Produkte, andere japanische Halter gehören auch dazu, in England kaufen. Den Halter habe ich von PurePens und bin mit der Abwicklung und der freundlichen Art der Korrespondenz außerordentlich zufrieden. 

 

Den Kunststoff-Falcon gibt es seit vielen Jahren und wurde von Pilot in Zusammenarbeit mit der "Association of Pen Shop Owners in Japan" entwickelt. So kam es zu der merkwürdig buckeligen Feder, die unter Druck eine weite Spreizung der Federschenkel möglich macht und dennoch stabil bleibt. So entstand der legendäre Ruf des Falcon mit der flexiblen Feder. Pilot bot ihn unter dem Namen des Firmengründers Namiki an. 2014 werden dann diese Halter auch Pilot Falcon heißen und ansonsten unverändert in Schwarz mit vergoldeten Akzenten und der 14-K-Goldfeder angeboten werden. Zudem wird es eine "Rhodium Trim"-Variante geben. Namiki werden nur noch die Maki-E-Modelle heißen. Die Falcon Metal heißen schon bisher Pilot. In meinem Bericht beziehe ich mich auf diese Metall-Ausführung.

 

Zu den Dimensionen: 32 g gesamt, 18 g Corpus (auf 2 g genau gewogen); geschlossen 13,8, ohne Kappe 12,5 und  aufgesteckt 15,5 cm lang. Griffstückdurchmesser mittig knapp 10 mm; Corpus-Durchmesser max. etwa 12 mm. Bei Handling ist immer wichtig, daß die Halter ausreichend lang sind, wenn man die Kappe (so wie ich) nicht aufstecken möchte. Der Metall-Falcon liegt nicht so leicht und unbalanciert in der Hand, sondern erscheint mir gerade richtig. Ich würd eim Normalfall zu den Metall-Ausführungen raten, zumal es sie in Schwarz, Braun, Hellblau und in Rot gibt. Vergoldete Akzente und eine unrhodinierte Goldfeder gibt es aber nur beim Falcon Resin (Gold Trim).

 

Optisch ist der Falcon sehr zurückhaltend gezeichnet. Alles ist aufs Funktionelle ausgerichtet. Fester, funktionssicherer bogenförmiger Clip, der auch ein Anheben leicht macht. Diskreter Aufdruck PILOT und JAPAN zweizeilig auf der clipabgewandten Seite. Nicht gravierter Kappenring, einfacher Kappenabschluß mit rhodinierter Platte und runder Einkerbung. Dazu ist abgesetzt das rhodinierte hintere Corpusende mit seinem konischen Abschluß. 

 

Die Schraubkappe hat 1 3/4 Umdrehungen, dreht sich leicht und sicher fest und setzt sauber an. Das ist nicht immer so. Zahlreiche Halter erfordern einen exakten Ansatz beim Festschrauben. Das Kunststoffgewinde finden sich als Einsatz in der lackierten Metallkappe und auch auf Corpusseite. Dort ist ein Kunststoffteil auf den Metall-Corpus gesetzt. Drei schmale Ringe setzen Metallcorpus vom Kunststoffaufsatz und Griffstückende ab und sind schöne Akzente. Vorne die buckelige Feder, die 19 mm aus dem Griffstück herausschaut. Ohne Zieselierung versehen, ist 14-K-585, PILOT und die Federstärke (hier <SF>) geprägt, am unteren Ende steht 518. In der Prägung oder Gravur scharfe und saubere Darstellung. Exakt ausgerichtete Federschenkel und Federspitze, keines rundes Luftloch.

 

Die Kappe läßt sich sicher auf den Corpus aufstecken. Ob das mit der Zeit zu Riefen führt, kann ich nicht sagen. Ich schreibe eh ohne aufgesetzte Kappe. Das Handling finde ich ohne Kappe und mit als ausgesprochen angenehm. Der Halter ist gut balanciert und nicht zu leicht oder schwer. Der Resin macht gerade hier einen leichten und klapprigen Eindruck, obwohl er auch einwandfrei gearbeitet ist. Beim Metal stimmt alles. Material und Ausführung sind exzellent. Man kann sich leicht vorstellen, daß dies auch auf Dauer bleibt.

 

Die Feder gibt es in S für soft und EF, F, M und B. Die Federn heißen demnach SEF, SF, SM und SB. Bereits auf leichten Druck gibt die SF einen stetigen Strich ab, der nicht dünn und blutarm wirkt. Man sollte aber wissen, daß japanische Halter auf japanische Tinten abgestimmt sind, die leicht laufen, aber eher höher gesättigt sind. Ich habe die Sailor Blue-Black genommen und konnte den Pumpkonverter (Resin mit kleinerem Drehkonverter) mit 5-6maligem Drücken komplett füllen. Der recht große Konverter hatte sich schon bei meinem Bamboo bestens bewährt. Ihn hier bei dem größeren Corpus einzusetzen, ist eine gute Sache. Erhöht man den Druck, spreizen sich die Federschenkel und Tintenfluß (Tinte wird dunkler) und Strichbreite nehmen zu. Das ist keine "Wet Noodle", aber die massive Feder ist zu einem Kalligraphie-Schriftbild zu bringen. Eine Strichvariation besteht vom Schliff her nicht, sie wird durch den Federdruck erzeugt. Dabei ging man bei dieser massiven Konstruktion einen anderen Weg als z. B. Platinum mit seinen Soft-14-K-Goldfedern im Century. Die Feder verträgt hohen Druck problemlos und die Federschenkel bleiben nicht aneinander hängen oder man muß darauf achten, die dünner ausgewalzte Feder letztlich nicht zu beschädigen. Die Platinum-Feder macht einen sehr guten Eindruck. Ohne Frage, man hat aber bei der Falcon-Konstruktion den Eindruck einer enormen Sicherheit beim "Flexen". Eine richtige Flex ist das natürlich nicht, dennoch lassen sie einem Nibmeister wie Mottishaw in L. A. breiten Raum für Modifkationen. Zahlreiche Schriftbeispiele kann man auch in Youtube bewundern. Wenn man dies tut, wird man eines merken oder vielmehr hören: Die Feder läuft etwas "toothy", sie hat also durchaus Biß und man hört es auch als zartes Kratzen. Das ist wohl so gewollt, kenne ich es doch von anderen Falcon-Federn (so bei einer SM-Breite) auch. Auf der anderen Seite kann man enorm viel mit Druck aus Tinte und Schrift herausholen, was man mit einer unflexiblen und häufig heute auch langweiligen Standardfeder nicht erzielen kann. Diese Federn sind nichts für alle und für jede Anwendung. Es ist aber auch klar, daß man wirkliche feine bis sehr feine Federn bekommen kann. Hier gibt es auch eine Needlepoint-Feder. Der Tintenfluß ist gleichmäßig, so auch in allen Ebenen. Aber Achtung! Jede Feder kan bei einem bestimmten Punkt überdehnt werden. Aktuell habe ich einen Bericht gesehen, in dem ein Resin-Falcon, der einfach nicht richtig schreiben wollte, mit der Spitze auf das Papier geklopft. Die Feder war zuvor überdehnt und der Halter vor dem Film offenkundig nicht richtig gefüllt und probiert worden. So sollte man es eben nicht machen, auch wenn diese Feder wirklich einen sehr robusten Eindruck macht.

 

Zusammenfassung: Der Pilot Falcon Metal ergänzt in für mich sehr gut gelungener Weise das bisherige Resin-Modell und überzeugt durch Gewicht, Handling und Verarbeitungsqualität. Ein nicht billiger, aber ein preiswerter Füller, den man üblicherweise aus preislichen Gründen im Ausland kaufen sollte. Die semiflexible, robuste Feder besonderer Ausführung wird in einer breiten Federauswahl angeboten und erlaubt in Grenzen kalligraphische Schrift. Dimensionen und Materialauswahl zeigen die hohe Fähigkeiten und eine enorme Erfahrung, die Pilot hier anbringen kann. Daß man diese Halter inhouse produziert einschließlich der Edelmetalle ist ein erfreulicher Gegensatz zur heute vielfach geüber Praxis, viele Teile einzukaufen. Daß man das Gold und die Platinmetalle (z. B. für die Federspitze) selber aufbereitet, versteht sich bei Pilot von selbst.

 

Viele Grüße

Thomas

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