Bewußt vorangestellt: die wunderschöne Bicolor-21K-Goldfeder
Bewußt vorangestellt: die wunderschöne Bicolor-21K-Goldfeder

Sailor Professional Gear Silver

Der Sailor Professional Gear, im Hintergrund Barney
Der Sailor Professional Gear, im Hintergrund Barney

Die in Hiroshima ansässige Marke Sailor produziert Schreibgeräte seit 1911. Neben Pilot und Platinum aus Tokio gehört sie in Japan zu den großen Drei. Berühmt ist Sailor für seine wertige Ausführung in Material und Qualität in Verbindung mit hochwertigen Federn in immenser Federauswahl. Neben den 14K gibt es bei Sailor 21K bei den hochwertigeren Serien. Die Grundausrichtung der Modellreihen ist konservativ und im Detail makellos. Die Preise variieren erheblich, manche Goldfeder-Modelle bekommt man über einen japanischen Versender für ca. EUR 100, die King of Pens tendieren in Richtung EUR 600+. 

 

Eine Diskussion über "Who is best?" ergibt sich nicht, haben diese Firmen doch Modelle sehr unterschiedlichen Charakters. Wie soll man einen Pilot Capless mit einem Nakaya (Platinum-Untermarke) oder einem Sailor Professional Gear direkt vergleichen? Neben den 21K-Federn produziert Sailor seit einigen Jahren auch Modelle mit Kolbenmechanik (Realo). Das hat sonst nur Pilot bei einer Serie (Custom 92).

Vom Professional Gear ("G. P.") gibt es viele Ausführungen in Akzenten oder Material- und Farbvarianten. Auch eine KOP- ("King of Pens") Version ist verfügbar. Bei Vergleichen sollte man die Slim-Modelle mit den 14K-Federn unterscheiden. Das vorliegende Modell bekommt man je nach Ausführung von EUR 100-130 üer Amazon.de. Die Akzente sind Nickel-verchromt. Der schwarze Kunststoff fast sich glatt und porzellanartig, also sehr hochwertig an. Die Ausführungen von Clip, Kappenbändern und Ankersymbol auf der Kappenspitze sind genauso sauber ausgearbeitet wie die Gewinde von Kappe und Corpus. Die Kappe läuft nicht hart auf Anschlag wie z. B. bei einem Pelikan, sondern in eine Art Dichtung weich hinein. Die Kappe dürfte sich nich lösen. Bei meinen 1911ern ist dies jedenfalls nie passiert. Die Kappe läuft satt und solide im Gewinde mit knapp zwei Umdrehungen. Der Corpus läuft Kunststoff auf Metall am Griffstück solide und dreht sich zuverlässig fest. Dabei hilft am Girffstückende Sailor-typisch ein schmaler Gummiring. Das ist Sailor.

Die wunderschöne 21K-Goldfeder ist rhodiniert mit freiem Goldrand im typischen Montblanc-Stil. Sehr schön die ausladende Federspitze, die ein sehr gutes Führen der Feder ermöglicht. Die Feder ist absolut rigide und läuft fein, wie es für eine japanische F typisch ist. Dabei gefällt mir die Ausführung ganz außerordentlich. Die Feder läuft sehr geschmeidig, ist sehr leise, nichts kratzt. Sie hat guten, aber nicht überbordenden und auf keinen Fall einen zu dürren Fluß. Probiert wurde mit der Sailor Nioi-Sumire. Die langen Federschenkel der nicht so großen Feder (Länge 2,2 cm) sind ein Komfortmerkmal. Federspitze und Tintenleiter sind perfekt ausgerichtet. Der flüssige Lauf ermöglicht ein lebendiges Schriftbild. Nichts erinnert an ein Filzstift-Schriftbild. Das ist für mich eine der besten feinen Federn, die ich je geschrieben habe. 

Im Vergleich dazu ein Pilot Custom Heritage 912 mit einer ebenfalls feinen Feder, einer Spezialfeder PO ("Posting Nib"):

Der Clip ist sehr fest und solide ausgeführt ähnlich einem MB Meisterstück. Das Clip-Ende kommt aber einem sanften Einschieben z. B. in eine Jackeninnentasche durchaus entgegen. Da dürfte bei normaler Behandlung nie etwas kaputt gehen. 

der P. G. ist kurz: geschlossen nur 12,7 cm und offen nur 11,6 cm lang. Mit der fest und sicher sitzenden Kappe sind es dann komfortable 14,9 cm. Dann schreibt sich der 24 g schwere (ohne Kappe 14 g, auf 2 g genau gewogen) sehr angenehm. Offenbar schreiben die Japaner gerne mit aufgesetzter Kappe und stören sich demnach nicht über den kurzen, aber recht dicken Halter (Griffstückmitte 10, Corpus max. ca. 12,5 mm). Die extrem weitreichende Professional-Gear-Serie läßt das vermuten.

Nur der klackerige und wenig Tinte fassende Tintenkonverter fällt in Leistung und Machart ab. Er gilt dennoch als zuverlässig. Alternativ kann man Sailor-Patronen (eigenes System) verwenden. Interessant ist sicher die Kombination Sailor-Füllhalter mit Sailor-Tinten. Sailor hält bekanntlich viele Tinten vor, die in ihren Eigenschaften und Farbauswahl eigenständig und sehr hochwertig und dabei auch noch preislich vertretbar sind. Warum Sailor nur beim KOP einen hochwertigen Konverter einsetzt, bleibt bei der Detail-Qualität der Sailor unklar. Der Konverter ist, wie üblich bei vielen Japan-Käufen nicht dabei, es werden nur zwei abgepackte Tintenpatronen mitgeliefert. Den Konverter habe ich mir in Europa besorgt, mit knapp EUR 8 sind diese recht teuer. Auch stört die Kunststoffarrettierung im Griffstück ohne Metallring, wie er bei z. B. Platinum üblich ist. Nochmals zur Verdeutlichung: Alle drei japanischen Hersteller verwenden eigene Patronen-/Konverter-Systeme, die nicht mit anderen Lösungen kompatibel sind. 

Sailor P. G. und Platinum 3776 Century im Vergleich mit aufgesteckter Kappe. Die Unterschiede sind dann nicht mehr groß. Den Sailor bekommt man für EUR 100-130, den Platinum für EUR 70-80 (jeweils ohne Konverter). 


Zusammenfassende Beurteilung:

Mit dem Sailor Professional Gear bekommt man einen Halter, der bei Dickennormalmaß eine Kurzausführung ist. Mit aufgesteckter Kappe wird er zu einem vollwertigen und wunderbar leichten und sehr gut ausbalanciertem Halter, mit dem man sicherlich stundenlang schreiben kann. Material und Haptik sind neben der extrem guten Schreibqualität der rigiden Feder sehr hochwertig, lediglich der Drehkonverter des proprietären Füllsystems fällt unnötigerweise ab. Service gibt es inzwischen über "Tinte im Blut" in Wiesbaden.


Ich hoffe, liebe Leser, der Beitrag hat euch gefallen. Kommentare willkommen. 

 

Viele Grüße

Thomas


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