Vorstellung und erste Einschätzung: Sheaffer Valor

Einleitung

Für die alterwürdige Firma Sheaffer, 1912 vom Juwelierssohn Walter A. Sheaffer gegründet, war das Jahr 1997 eine erhebliche Zäsur. Der neue Eigner BIC aus Frankreich, hatte immenese Erfahrung mit Massenproduktion und Einwegwerkzeugen wie Kugelschreibern und Gasfeuerzeugen. Was sollte man mit dem US-Produzenten machen, der für seine besonderen Schreibgeräte berühmt war, weniger diesseits, aber vielmehr jenseits des Atlantiks. Sheaffer ist dort genauso bekannt wie Pelikan oder Lamy hierzulande.

 

BIC hatte zunächst einige Modellserien modifiziert wie den Legacy und ihm teure Ausführungen und LE (Limited Editions) beiseitegestellt, einfachere Serien eingestellt und von den hochwertigen Serien einen Nachfolger für den seit ca. 20 Jahren hergestellten Targa Ende der 90er im Intrigue scheinbar gefunden. Der Crest mit seiner Ringfeder verschwand, die Balance-Modelle in teils wunderschöner Ausführung kamen wieder, die LE sind legendär. Aber die Freunde währte nur kurz. In Machart und Plazierung am Markt waren die neuen Modelle nicht so, wie man sich das vorstellen konnte. Der Intrigue und der Balance verschwanden wieder. Fast hatte auch der mehrfache Wechsel der deutschen Vertretung, die eigene in Würzburg wurde wieder aufgegeben, dazu geführt, daß man die Sheaffer hierzulande nicht mehr so einfach zu Gesicht bekommen konnte.

 

Ich fürchtete den Untergang, nachdem auch noch die Fertigung in Fort Madison, Iowa vor einigen Jahren ausgegeben wurde. Zwischenzeitlich hat man in den USA in den ehemaligen Räumlichkeiten in Untermiete den Service wieder aufgenommen.

 

Und jetzt kommt endlich der Valor (englisch für Tapferkeit). 2007 kam er in den Handel, zunächst nur in Schwazr, und ich glaube auch nur mit vergoldeten Akzenten. Die berühmte und geschütze 14-K-Inlaid-Nib gab es anfangs nur mit M. Das Desing stamme aus Deutschland, der Corpus aus Italien und die Federn? So richtig habe ich es bis heute noch nicht herausgefunden. Sie sehen den Targa-Federn zum Verwechseln ähnlich. Zwischenzeitlich gibt es auch andere Farbvarianten und auch eine Variante mit platinierten Akzenten.

Beurteilung des Valor

Nun habe ich mir doch einen Valor geleistet. Hierzulande ist er mit offiziell 355 Euro unglaublich teuer.

 

Meiner stammt aus England und kostet dort 145 britische Pfund + VK. Er stammt von The Writing Desk. Man bekommt ihn auch ca. 20 Pfund billiger (und sogar für ca. 100 Pfund habe ich ihn schon gesehen), aber bei TWD werden die Halter vor dem Versand überprüft, es geht sehr schnell und gute Erfahrung mit einem Händler zählt.

 

Leider gibt es den F nicht mehr und so mußte ich einen M nehmen, zudem gibt es auch noch den B. Keine Spezialfedern, wie weiland beim Targa, werden mehr angeboten. "Where have all the good times gone ..." Ich vermisse die Stubs (eigentlich im Schliff Italics) und die scharfen OB. Und die EF. Es ist ein Jammer.

 

Üblicherweise verliere ich über die Verpackung keine großen Worte. Diese hier ist sehr geschmackvoll und der Halter und Utensilien sind in dem stattlichen und glänzenden, recht schweren Kunststoffbehälter mit goldfarbenen Scharnieren und weißlichem, lederartigen Inlay geschmackssicher aufgehoben.

 

Der Halter ist mit 15 cm recht lang und hat eine stattliche Kappe, die gegenüber dem Corpus deutlich dicker ist. Aufgeschraubt sieht man einen recht zierlichen Halter mit 12,5 cm Länge und mäßiger Dicke um 11 mm und einer Griffstückdicke von max. ca. 10 mm.

 

Aufgesteckt sind es dann 16 cm mit der mächtigen Kappe, die für Übergewicht nach hinten sorgt. Der Halter ist im gesamten leicht und wer einen recht ordentlich balancierten Füller sucht, dem könnte er im Stile des etwas schwereren Targa (Metallhülsen-Schreibgerät) durchaus gefallen.

 

Mit behagt sehr die Schraubkappe und der feste Sitz des Corpus auf dem Griffstück, das bis auf den Metallring am hinteren Ende dem Targa entsprechen dürfte. Im goldener Prägung auf der dem Tintenleiter zugewandten Seite ein M für die Federstärke.

 

Feder, Tintenleiter und eben das Griffstück sehen genau nach Targa aus. Vielleicht bedient man sich auch aus Teilen aus dem Fundus. Ich weiß es derzeit wirklich nicht. Die Firma Bock wird es genau wissen, aber ob der Geschäftsführer sich wieder zu Wort meldet und es uns sagen würde? Wie dem auch sei, die Feder hat die Biegung nach oben wie die alten Einlegefedern, um das Schreiben zu erleichtern. Der Intrigue hatte dies nicht und man merkte es beim Schreiben. Perfekt ist die Feder in das Griffstück eingepaßt so wie in den guten alten Zeiten. Perfekt. Man muß aber wissen, daß die Feder fest und unverrückbar in das Griffstück gepreßt wird und nicht mehr z. B. zur Federbearbeitung abgenommen werden kann.

 

Die Kappe mit dem schräg abgeschnittenen Kappenende und der nach hinten geneigte Clip mit siener dynamischen Rundung gefällt oder auch nicht. Etwas merkwürdig, wie ja das gesamte Design, ist das schon. Je öfter ich den Valor aber ansehe und in die Hand nehme, je mehr sehe ich in ihm einen richtigen und klassischen Sheaffer. Ich liebe Sheaffer-Schreibgeräte.Der Clip ist massiv ausgeführt und greift fest und ist sehr funktionsgerecht. Der White Dot oberhalb des Clipringes darf nicht fehlen, perfekt. Ein recht breites Kappenband schließt die Kappe nach unten hin ab. Bei meinem Exemplar ist das schwarze Acryl-Gehäuse mit platinierten Beschlägen versehen. Die Aufschrift Sheaffer und Italy sind ästhetisch eher weniger überzeugend, stören aber auch nicht durch ihre Unauffälligkeit. Diese Farbkombination gefällt mir am besten. Es gibt auch eine vergoldete schwarze Version und Ausführungen in Glossy Brown, Deep Blue und Burgundy, jeweils mit der Pt-Beschichtung. Die Goldfedern sind entsprechend goldfarben bzw. ebenfalls planinveredelt. Der "Fish" (so der interne Name für die Feder) zeigt die identischen Inschriften Sheaffer und 14 K. Sieht genau wie früher beim Targa aus.

 

Was soll man zum Schraubgewinde am vorderen Corpusende sagen`Schön ist das grobe Gewinde eigentlich nicht, aber es ist in keiner Weise scharf und sört die Finger überhaupt nicht. Die Kappe setzt sich gut an und das Aufschrauben erfolgt sicher und fest.


Ebenso fest läßt sich der Corpus aufschrauben und fest arretieren. Am Ende muß man recht stramm festziehen, am hinteren Corpusende drückt eine Feder die zylinderförmige Sheaffer-Patrone oder das Ende des einfachen Schraubkonverters gegen. Alles sitzt somit fest. Beim Targa löste sich die Verschraubung sehr gerne, die Metall gegen Metall lief. Hier läuft Kunststoff gegen Kunststoff. Eigentlich gibt es heutzutage da keine Probleme mehr. Man hätte aber sicher auch eine andere Lösung mit Metall und Sprengring oder Gummidichtung finden können. Aber es ist prinzipiell in Ordung, ich wollte dabei nur den deutschen Verkaufspreis in Erinnerung rufen.

 

Eine Blindkappe schließt das Corpusende mit einem zierlichen Ring ab, aufdrehen läßt sich da nichts, nicht wie beim Intrigue.

 

Wie schreibt er denn nun? Die Federspitze ist rund ausgeführt und die M-Feder auf der breiteren Seite. Die blaue Tintenpatrone (2 blaue und 2 schwarze sind dabei) wird eingedrückt, ich habe die Patrone kurz gedrückt und der Valor schrieb sofort an.

 

Der Tintenfluß ist üppig und konstant, sehr gleichmäßig, wem solche Federn gefallen, erhält ein attraktives schreibgefühl ohne Widerstand mit leisem Gleiten, keinerlei Kratzen, aber natürlich kein Flex. Die alten Legacy-Federn zeigten eine gute Elastizität. Die Targa-Federn waren immer so. Eine F hätte mir, zugegeben, besser gefallen und ich werde sicher noch eine auftreiben.

Zusammenfassende Beurteilung

Beim Valor gibt es erfahrungsgemäß folgende Fragen?

  • Warum einen teuren Valor kaufen, wenn man einen Targa billiger und mit mehr Federvariationen bekommt?
  • Ist das ein richtiger Sheaffer in Ausführung und Schreibverhalten?
  • Was wünscht man sich als Verbesserungen oder Ergänzungen?

Hauptargumente sind m. E. die Schraubkappe, die das vordere Griffstück nicht mattiert und der sichere Corpussitz. Da sind die Targas nicht immer überzeugend und ist ihr einziger Schwachpunkt. Die Federauswahl ist dürftig, wer aber in Sheaffer verliebt ist, wird sicherlich über einen Nibmeister das Gewünschte bekommen können. In der gesamten Ausführung ist das Design nicht frei von Merkwürdigkeiten, das macht den Entwurf aber umgekehrt auch interessant. Die Qualität scheint aber zu stimmen. Auch wenn ich keine längeren Erfahrungen mit dem Valor habe, so bin ich von seiner guten Langzeitqualität überzeugt, habe auch nie etwas Gegenteiliges gehört.

 

Im Schreibverhalten sind diese Inlaid-Nib-Modelle immer sehr gut gewesen und der Valor überzeugt hier ebenfalls. Auch wenn ich nur die M zur Beurteilung habe, werde ich bestimmt auch eine F mir igendwann besorgen können. So oder so: Sheaffer lebt und ich wünsche der Firma, daß nach sehr schweren Jahren, BIC eine gute Zukunft für den früheren amerikanischen Riesen findet.

 

Glück auf, Sheaffer.

Das Schriftbild. Verzeiht das Verschmieren.
Das Schriftbild. Verzeiht das Verschmieren.
Noch ein Bild.
Noch ein Bild.
Ein Targa by Sheaffer Laque Thuya im Vergleich (danke, Frau Martini, habe ich von Ihnen)
Ein Targa by Sheaffer Laque Thuya im Vergleich (danke, Frau Martini, habe ich von Ihnen)

 

Wenn Ihr mir schreiben möchtet, so tut das doch bitte ...

 

Viele Grüße

Thomas

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Kommentare: 4
  • #1

    Thomas von PAF (Freitag, 14 Dezember 2012 16:45)

    Ich finde, der Valor hat einen Kommentar verdient, den ich hiermit liefere:

    Der Valor ist nach meiner Einschätzung ein hochwertiger Füllhalter, der die Tradition des Targa auf anderen Weise fortsetzt.

    Mir gefällt die Einlegefeder, die Schraubkappe und die solide Machart. Das grobe Schraubgewinde wünschte ich mir anders, kann aber damit leben.

    Eine größere Federauswahl hätte ich mir sehr gewünsht, zumal die F auslaufen soll und keine Stubs etc. zur Verfügung stehen wie früher.

    Wie lange es prinzipiell noch hochwertige Sheaffer-Füller geben wird, muß man sehen. Ich freue mich jedenfalls, daß BIC die beiden Spitzemodelle Legacy Heritage und eben Valor im Programm hat.

    Die Preise sind leider inzwischen sehr hoch.

    Thomas

  • #2

    Thomas PAF (Montag, 09 September 2013 21:17)

    Der Valor wird nur noch in M und B angeboten. Mir fehlt die F doch sehr im Programm. Der Valor ist ein durchaus sehr gelungener Nachfahre des Targa und ein Guter. Leider muß man schauen, das gilt auch für den zweiten Spitzenfüller Legacy Heritage, um ihn für einen guten Preis zu bekommen. Die Preisvorstellungen von BIC sind doch ganz schön hoch gegriffen.

  • #3

    pens-and-freaks.com (Mittwoch, 09 Oktober 2013 20:29)

    Inzwischen habe ich auch einen Valor in Braun mit einer F-Feder. Die Akzente sind goldfarben und die Feder aus 14-K-Gelbgold.

  • #4

    Farrokh (Sonntag, 19 August 2018 23:43)

    Bitte stellt jemand mir Seiten vor die Sheaffer Valor Fuellerhalter zum verkaufen anbitten . Ich
    suche langer Zeit danach, finde aber leider keine . Ich bedanke mich vorraus.