Bemerkungen zum Montblanc Meisterstück 14

MB 14 mit OM-Feder 1960-1970
MB 14 mit OM-Feder 1960-1970
Der Vorgänger MB 144 aus Celluloid. Danke an Harald aus Wien
Der Vorgänger MB 144 aus Celluloid. Danke an Harald aus Wien

 

Das 60er-Jahre-Meisterstück in den Größen 12 und 14 bzw. die Modelle mit Goldanteil (74er etc.) waren die Nachfolger und Vorgänger der zigarrenförmigen Meisterstücke, wie wir sie heute kennen.

 

Man nennt sie aufgrund des Kappenringes auch Kardinalshut-Meisterstücke. Sie kamen als Nachfolger der Übergangsmodelle 144 Ende der 50er/Anfang der 60er. Während der 149er weiterproduziert wurde, ersetzten die 14 und 12 die kleineren 14oer-Modelle für 10 Jahre. 1070 war dann Schluß. Die modischen Modelle mit ihren teilverdeckten Federn und den zackenförmigen Ausläufern am vorderen Griffstück waren schon etwas unmodern geworden, obwohl der Classic als Generation bis vor etwa 10 Jahren produziert worden war. Die zackenförmigen Ausläufer gefielen den Montblanc-Oberen so, nachdem bei einem Versuchsstück durch Fehler in der Kunsstoff-Spritztechnik ein solches Teil entstanden sein soll. Das Design an sich stammt von Albrecht Graf von Görtz.

 

Der Halter hat eine Steckkappe, die fest sitzt und sich nicht löst. Heutzutage nach so vielen Jahrzehnten kann das Metallende der Kappe die anliegende Kunststoffbegrenzung des Corpus angreifen und absprengen. Der Funktion tut dies keinen Abbruch und die Halter kann man zerlegen und Einzelteile austauschen. Teile bekommt man nicht mehr bei Montblanc, aber Anbieter alter Schreibgeräte haben bei diesem Modell keine Mühe, Ersatzteile zur Verfügung zu stellen.

 

Wie damals üblich, gab es ähnliche Modelle in den preiswerteren 20er- und 30er-Serien von Montblanc mit 14-K-Goldfedern und Stahlfedern. Größe 4 oder 2.

 

Ich selbst habe zwei 14er und einen 12er, die ersteren haben eine OM- bzw. eine F-Feder, der kleine eine OB-Feder. Der OM-14er ist mir zu einem häufigen Begleiter geworden aufgrund seiner überragend guten Schreibeigenschaften, die so gut sind, daß man sich fragen muß, warum so etwas heute nicht mehr möglich erscheint. Keiner meiner Schrägfeder-Modelle hat ein solch brillantes Schreibverhalten und eine so schöne Schrift.

 

Selbst weniger gesättigte Tinten werden über den Ebonit-Tintenleiter sehr gut dargestellt, der allerdings, bei aller sehr guten Auslaufsicherheit im Allgemeinen und auch im Flugzeug im Besonderen, bei heftigen Bewegungen oder mäßigem auf den Tisch klopfen mit der federführenden Hand Tintenspritzer erzeugt. Zudem kann es auch mal zu kleinen Tintentropfen am Griffende neben der Feder kommen, die Feder selbst neigt überhaupt nicht zum Verschmutzen einschließlich Nib Creep.

 

Gerade die OM-Feder hat den richtigen Schliff, nicht zu schräg, nicht zu Italic, nicht klumpig. Mancher meint ja, eine breite plumpe Feder mit ihrem imposanten Schriftbild habe viel Ausdruck. Gerade eine solche Feder zeigt, was ein differenziertes Schriftbild ausmacht und wie es mit einer solchen Feder möglich ist.

 

So, das soll als Leckerbissen dienen, zumal diese Halter, der 12er ist etwas klein, noch recht preisgünstig angeboten werden und sehr robust sind. Das gilt für den gespritzten Duroplasten und die herausragend guten Vergoldungen. Der Tintenvorrat ist sehr gut, der Kolben läuft nach Jahrzehnten und in meiner Benutzung seit knapp 15 Jahren einwandfrei und leicht. Das Tintensichtfenster ist brauchbar. Wie bei Steckkappen häufig, gibt es am Griffvorderteil mit der Zeit eine mattere Fläche, das ist aber akzeptabel.

 

Das ist es: So schreibt eine klassische OM-Feder mit einem Hartgummi-Tintenleiter. Moderner M-Feder-146 zum Vergleich
Das ist es: So schreibt eine klassische OM-Feder mit einem Hartgummi-Tintenleiter. Moderner M-Feder-146 zum Vergleich

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Kommentare: 7
  • #1

    Fred (Samstag, 11 August 2012 20:05)

    Hallo Thomas. Sehr interessanter Bericht über den MB 14. Ich werde mich mal umsehen. Als täglicher Füller wäre das was für mich. Danke für Deine tollen Berichte. Fred

  • #2

    Erasmus (Donnerstag, 07 Mai 2015 12:08)

    Danke für den interessanten Bericht!
    Ich habe den 24er un den 32er, die beide in etwa gleich aussehen und die Grundform mit deinem abgebildeten 14 teilen. Jetzt frage ich mich, was genau denn der Unterschied zwischen den Füllern ist? OK, ich sehe unterschiedlich gefärbte Sichtfenster, kleine Unterschiede in der Länge. Aber was macht das eine Modell zur Reihe 12 gehörig und das andere zur Reihe 24 bzw. 34???
    Haben diese Füller eigentlich auch diese "Macke", dass sie am Griffstück, nahe der Feder, reissen können (wie der Klassik oder 221/220)?
    Danke und einen lieben Gruss
    Erasmus

  • #3

    Pens-and-Freaks (Donnerstag, 07 Mai 2015 21:04)

    Hallo Erasmus,

    Ende der 50er Jahre wurde mit Erscheinen der teilverdeckten Federn die Nummerierung umgestellt. Aus einem 146 wurde ein 14, aus einem 254 ein 24 usw. Die hintere Zahl gibt die Größe an, die vordere die Qualitätsklasse (1=Meisterstück; 2=zweite Klasse; 3=dritte Klasse und die 4 stand früher für die Schulfüller Monte Rosa).

    Ein 14, 24 und 34 entsprechen somit der identischen Größe und sind in der Grundform vergleichbar. Die Unterschied sind gering. Man sieht sie auch am Kappenring.

    Die Meisterstücke hatten eine 18-K-Goldfeder, die 20er eine 14-K. Die Schreibunterschiede sind nach meinem Dafürhalten doch beträchtlich, die 18 K schreiben viel geschmeidiger. Die Elastizität mancher, nicht aller Federn ist sehr angenehm. Flexibel sind sie nicht, da sie die Federschenkel nicht mehr so spreizen können wie die Vorgänger (die auch die Nachfolger waren).

    Die Meisterstücke 14 oder 12 z. B. fühlen sich viel wertiger an, ob der Spritzkunststoff (Duroplast) dicker oder auch in der Zusammensetzung differiert, wage ich nicht zu sagen. Durch den sehr scharfen Rand der Kappe können sich mit der Zeit Absprengungen am vorderen Corpus-Rand einstellen, was auf die Funktion keinen Einfluß hat. Die Modelle lassen sich zudem leicht auseinanderschrauben und Teile auswechseln. Von Rissen habe ich bei den "Kardinalshut"-Meisterstücken nicht gehört. Meine drei haben auch keine.

    Ich würde bei diesen Modellen nur zu den Meisterstück-Modellen greifen, weil sie qualitativ sehr viel besser und prinzipiell sehr robust und auch reparierbar sind. Das Schreibverhalten ist regelhaft sehr hoch.

    Im Materialeinsatz sind sie aber dennoch nicht so gediegen wie aus einem Guß wie die alten Celluloid-Modelle oder die sehr wertigen Nachfolger 146, 149 aus Duroplast (nur die moderneren 144er rissen leicht, weil der Kunststoff sehr stabil, aber auch hart und etwas dünn war).

    Viele Grüße
    Thomas

  • #4

    Frank (Donnerstag, 30 Juni 2016 18:39)

    Hallo ins forum...ich habe mal eine wert zum wert eines solchen meisterstück 14...was kann man dafür verlangen? habe vor kurzem eine schachtel mit einem füller geschenkt bekommen...dachte es wäre ein ero two in one und musste dann verstellen, dass es ein montblanc meisterstück 14 ist...und außer ein paar gebrauchsspuren sieht er noch ganz gut aus...und er schreibt sogar...lach

    würde mich über eine antwort auf meine frage freuen.

    bis dann frank

  • #5

    Pens and Freaks (Donnerstag, 30 Juni 2016 19:36)

    Dachbodenfund o. ä. Preis für ebay-Angebot finden. Dafür muß man selber recherchieren.

  • #6

    Alfred (Montag, 20 November 2017 21:32)

    Ja - was würde ich für einen Hartgummileiter in einem preiswerten Modell geben, und sei es, um mich auf einfachste Art und Weise selbst einmal von dem Wunderdingen überzeugen zu können. In der Theorie klingt es ja ziemlich plausibel: Das Gummi saugt sich mit der Tinte voll wie ein Schwamm und gibt sie gleichmäßig und satt wieder ab.
    Das in einem täglichen Arbeitspferd mit Stahlfeder, das keine besondere Pflege benötigt - da ginge die Post ab!

  • #7

    Pens and Freaks (Dienstag, 21 November 2017 05:18)

    ... einfach einen MB 14 besorgen oder einen Pelikan 400 (NN) oder 100N. So teuer ist das nicht. Eigentlich haben alle alten Modelle bis in die 60er einen Ebonit-Tintenleiter. Der Lamy 27 aber nicht (ist identisch mit Lamy 2000). Als einziger große Hersteller setzt nur noch Aurora solche Tintenleiter ein.