Asvine V800

Wie ein Meisterstück?

Teiltransparenter Halter mit zweifarbiger Innenbeschichtung in Braun und Blau
Teiltransparenter Halter mit zweifarbiger Innenbeschichtung in Braun und Blau
Asvine V600 und Montblanc Meisterstück 149 geschlossen
Asvine V600 und Montblanc Meisterstück 149 geschlossen
Asvine V600 und Montblanc Meisterstück 149 offen
Asvine V600 und Montblanc Meisterstück 149 offen

 Vorbemerkung:

Im chinesischen Markenregister ist die Marke Asvine auf den Namen Xiaohong Li ais Wuchuan City eingetragen. Seit einigen Jahren kennen wir bereits Produkte unter dem Namen Asvine. Sie liegen meist im deutschen Verkauf um die EUR 40. Natürlich gibt es auch chinesische Bezugsquellen.

 

Ich werde nun häufiger auf diese Produkte angesprochen. Gerade der große V800 genießt einige Aufmerksamkeit und wurde bereits positiv eingeschätzt. Leider kursieren auf einer Internet-Video-Plattform viele Marken, bei denen man den Eindruck gewinnen könnte, daß sie forciert werden. Auf der anderen Seite erhält man dort auch oft gute und kritische  Einschätzungen.

 

Ohne hier allzu weit auszuholen, sind die Modelle von Jinhao am unteren Preisspektrum angesiedelt, Moonman (im Export Majohn) liegt eher mittig bis höher und Asvine meist höher. Hierzulande sind das meist Beträge von knapp EUR 10 bis unter EUR 100. Man gewinnt den Eindruck, daß sich diese Firmen auch in anspruchsvolleren Preisklassen etablieren wollen. Der erhebliche Qualitätsgewinn in Material und Fertigung und letztlich in der Langlebigkeit läßt für diese Hersteller Gutes erhoffen.

 

Es gibt neben eindeutigen Kopien bekannter Marken, die in Material und Design immer mehr den Originalen ähneln, gibt es auch hoffnungsvolle Eigenentwicklungen.

 

Dazu gehört der aktuelle V800, den es in vielen Ausführungen gibt. Dieses Exemplar hört auf die Farbe "Blue Brown". Die Akzente sind jeweils Chromfarben (verchromt?). An Feder werden hierzulande EWF, F, M und Stab angeboten. Es handelt sich um Stahlfedern der Größe 8 (keine Norm, eigene Klassifikation). 


Das Vakuumfüllsystem:

Der V800 ist ein Vakuumfüller, der über eine hohe Kapazität verfügt. Vakuumfüller sind ja nicht jedermanns Sache, da man zumindest gelegentlich und bei fortgesetzt längerem Schreiben durchgehend den Füllknopf zumindest ca. eine Umdrehung (das muß man ausprobieren, wann der Tintenfluß durchgehend gut ist) öffnen muß. Man hat dann einen etwas wackeligen Füllknopf am Corpus-Ende. Bei einem Kolbenfüllhalter ist das nicht so. Vorteil ist die große Füllmenge, da der gesamte Schaft bis zum Ende der Mechanik, die zudem wenig Platz beansprucht, sogar komplett gefüllt werden kann. Eine einzige Füllung, so auch hier, füllt zu ca. 2/3. Das heißt hier bei einer Waage auf 1 g genau eine Gewichtszunahme nach einer Füllung um ca. 2 g. Man kann also davon ausgehen, daß ca. 2 mL Tinte aufgenommen wird zzgl. der Tinte im großen Tintenleiter. Ein typischer Konverter und eine kleine internationale Patrone (= Pelikan-Patrone) hat eine Kapazität von ca. 0,7 mL. Eine Großraumpatrone wie z. B. von Parker hat 1,5 mL. Gerade alte Kolbenfüllhalter wie alte Montblanc oder Pelikan kommen auch auf bis zu 2 mL Tinte.

 

Bei vollständigem Füllen z. B. vor einer Reise kann somit ein solcher Vacuumfüller ca. 3 mL Tinte aufnehmen. Nähe man einen Patronenfüller und entsprechende Patronen mit, so hätte man 1,5 mL an Tinte in der neuen  Patrone und beliebig viele Patronen in Päckchen zur Verfügung. 

 

Vakuumfüller können durch ihr sog. "Shut-Off-Valve" den Tintenzufluß in den Tintenleiter stoppen und somit ein unkontrolliertes Austreten von Tinte während einer Flugreise verhindern. Allerdings habe ich die Erfahrung zuletzt im November bei zwei Transatlantikflügen gemacht, daß auch einfache konventionelle Füllhalter und zudem auch alte Füllhalter auch nicht auslaufen - selbst wenn sie auch einmal liegen. 

Als nachteilhaft hat sich aber immer wieder erwiesen seit es dieses Prinzip gibt, daß die Robustheit wesentlich geringer ist als bei einem Kolbenfüller oder entsprechenden Konverter. Bereits die ONOTO in  der Zeit nach 1900 hatten häufig dieses Füllprinzip, das bis in die 30er auch in den USA von Sheaffer verwendet worden war. Neben Präferenzen in den USA und England bzgl. des Füllsystems mit einem Gummisack (später Nylon beim Parker "51") hat sich mehr und mehr der von Pelikan 1929 erstmals präsentierte Kolbenfüllhalter durchgesetzt, nachdem er verbessertes Dichtmaterial hatte und auf Kork verzichtet werden konnte. Alte Pelikan 100N sind ein typisches Beispiel dafür, aber auch die Montblanc, die auf das komplizierte Teleskopsystem verzichteten (das wesentlich störanfälliger ist) oder auch der Lamy 2000 seit 1966.

Ich selber habe durchaus die Erfahrung gemacht, daß die starken Scherkräfte das Dichtmaterial des Kolbens beim ruckartig bewegten Vakuumfüller wesentlich mehr belasten als beim gleitenden Kolbenfüllsystem. Ich kenne Undichtigkeiten am Kolben beim Pilot Customer 823 sogar und die TWSBI Vac 700 hatten mich vor Jahren auch nicht überzeugt. Das verhindert dann daß sich der Unterdruck bilden kann und der Füllhalter Tinte aufsaugt. 

 

Beim V800 liegt neben einem Werkzeug zum Herausschrauben des Vakuummechanismus auch Dichtmaterial (Kolben und vordere Dichtungsring) als Ersatzteile bei. 

 

Nun muß ein Vakuumfüller eher weniger gefüllt werden, aber dadurch ergeben sich wiederum Fragen wie Alterung der Tinte (kenne ich von Sailor Jentle Ink in einem Pilot Custom 823) und auch Abdichtung der Kappe gegenüber Austrocknung. Von Korrosionsproblemen der mutmaßlich Edelstahl-Füllstange habe ich noch nichts gehört. Visconti verwendet beim Homo Sapiens Titan. 

 

Alleine die vielen Zeilen zum Füllsystem zeigen, daß man darüber durchaus diskutieren muß. 

Gezogener Füllgriff mit Füllstange und Metallabschlußbefestigung (beim Pilot Custom 823 aus Plastik)
Gezogener Füllgriff mit Füllstange und Metallabschlußbefestigung (beim Pilot Custom 823 aus Plastik)
Nach einer Füllung Füllmenge ca. 2/3 des Maximums
Nach einer Füllung Füllmenge ca. 2/3 des Maximums
Geöffneter Füllknopf
Geöffneter Füllknopf

Der Halter:

Der Halter ist sehr groß, der Vergleich zum übergroßen Montblanc 149 zeigt es, er ist nochmals deutlich größer. Maße und Gewichte: Länge 15,1 cm; offen 13,7 cm; mit aufgesteckter Kappe 17,8 cm. Leergewicht geschlossen 33 g, Corpus 23 g, nach einmaliger Füllung zu 2/3 25 g.

 

Das Design ist eigenständig mit einer typischen Zigarrenform. Schöner und funktionell guter eigengefederter Ball-Clip (wie z. B. bei Aurora), einzelner Kappenring mit markanten Riffelungen und Lasergravur ASVINE und V800. Der große Halter faßt sich gut und glatt an, das Material (wahrscheinlich ein Acrylglas) erscheint hochwertig. Obwohl man das Griffstück abschrauben kann, was für die Reinigung sehr vorteilhaft ist, sitzt es fest und solide im Corpus. Kein knirschiger Eindruck wie z. B. bei TWSBI. Gegenüber den TWSBI macht der Asvine V800 einen erheblich gediegeneren Eindruck. Nichts wirkt billig. Der Tintenvorrat läßt sich einfach und vollständig durch die Transparenz des Corpus einsehen. 

Stattlicher und attraktiver teiltransparenter Halter in Zigarrenform mit großer Feder
Stattlicher und attraktiver teiltransparenter Halter in Zigarrenform mit großer Feder
Doppelt geriffelter Kappenring mit Lasergravur
Doppelt geriffelter Kappenring mit Lasergravur

Die Feder:

Die einfache Federprägung der sehr große und formschönen Stahlfeder wirkt nicht unpassend. Die Dimension der Feder knapp oberhalb des MB 149 ist stattlich und angemessen. Der Tintenleiter entspricht dem heutigen Standard mit tiefen Querrippen, die viel Tinte aufnehmen können.

Die Kappe sitzt fest und schließt in zwei Umdrehungen sicher (MB 149 1 3/4 Umdrehungen). Die Kappe läßt sich gut aufstecken, was allerdings nicht erforderlich sein dürfte. Griffstück und Schraubgewinde sind tadellos. Auch die Balancierung ist angenehm. Die haptischen Eigenschaften überzeugen.

 

Und wie schreibt er nun? Wie die meisten Asvine. Das Federkorn ist eher stark poliert, er schreibt aber sofort an und der Tintenfluß ist saftig. Von einer EF kann man zumindest bei diesem Exemplar nicht reden, das ist eher ein M. Das kann aber bei einem anderen Exemplar schon anders sein, Meine Erfahrung zeigt aber mit den Asvine, daß die Federn tendenziell gut sind und verläßlich. Der Tintenfluß bei Moorman teils zu kritisieren, ist hier überzeugend bzw. kräftig. Getestet habe ich mit der Waterman Serenity Blue. 

Edelstahlfeder
Edelstahlfeder
1.200 dpi
1.200 dpi

Zusammenfassende Beurteilung:

Ein stattlicher und schöner Füllhalter aus China in sehr guter Fertigungsqualität und hochwertigem Füllsystem und sehr großer Füllkapazität. Saftige, etwas breit schreibende EF-Feder aus Edelstahl in ebenso stattlicher Größe. Nicht abschließend kann die Zuverlässigkeit beurteilt werden. Das ist bei Vakuumfüllern nicht immer einfach. Die Mechanik ist nicht kompliziert, aber beim Füllen hohen Kräften ausgesetzt. Die Reinigung ist einfach, besser als bei vielen Kolbenfüllhaltern (wenn man die Federeinheit nicht so einfach herausschrauben kann wie bei Pelikan). Vor- und Nachteile müssen gerade beim Füllsystem gut abgewogen werden. Ein wackeliger, weil für einen konstanten Tintenzufluß geöffneter Füllknopf ist nicht für jeden das Richtige. Eine gewisse Neigung zum Austrocknen scheint es zu geben, abschließend kann ich es aber nicht sagen. Ich werde zu gegebener Zeit gesondert in den Kommentaren berichten. Es wäre der einzige Nachteil dieses ansonsten sehr erfreulichen Modells.


Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen und auch manche  Fragen zum schönen V800 für euch beantwortet. Kommentare sind sehr willkommen.

 

Viele Grüße

euer Thomas und die Pens and Freaks


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Kommentare: 4
  • #1

    Uwe (Samstag, 03 Januar 2026 17:20)

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht über den Asvine. Die Qualität scheint ja im Vergleich zu anderen chinesischen Produkten gut zu sein. Das habe ich auch an anderer Stelle schon gelesen.

    Nicht bewusst waren mir allerdings die enormen Dimensionen des Füllers. Deshalb kommt er für mich nicht in Frage. Für mich ist schon der große MB 149 völlig unbequem. Dazu kommen die breiten Federn. Asvine informiert selbst auf der Web-Seite, dass die Federn ungefähr eine Nummer breiter ausfallen als "westliche" Federn. Das wird ja von dir oben bestätigt. :-(

    Na gut, ich bin gespannt, was 2026 Neues bringt ... bei unserem Hobby hoffentlich Positiveres als bei der "Weltlage"!

    In diesem Sinne ... viele Grüße
    Uwe

  • #2

    Pens and Freaks (Samstag, 03 Januar 2026 19:11)

    Hallo Uwe, es ist qualitativ das derzeit hochwertigste Produkt aus China. Der V126 ist nicht so hochwertig, eine Kopie des Pilot Custom 823.
    Viele Grüße
    Thomas

  • #3

    Susanne (Freitag, 06 März 2026 12:10)

    Hallo! Auch ich habe deinen Bericht eben gelesen und finde ihn toll! Leider scheint es diesen Füllfederhalter nur bei Amazon zu geben, seltsamerweise finde ich ihn sonst nirgends � Dann wird das wohl eher nichts werden mit dem Asvine V800 �

  • #4

    Pens and Freaks (Freitag, 06 März 2026 17:20)

    Danke, Susanne. Die Dimensionen sind die eines Montblanc 149. Es ist ein sehr großer Füllhalter. Preislich ist das angemessen. Viele Grüße Thomas