Diplomat hat nach wechselhafter Geschichte zu neuer Kreativität gefunden. Vor Jahren zeigte dies bereits der Aero. Seit einiger Zeit gibt es nun den Viper mit seinem besonderen Design. In der Zwischenzeit gibt es ihn in den Farben schwarz, blau, braun und grün. Neben einem Tintenroller gibt es ergänzend nun auch einen Kugelschreiber mit der "Easy Flow"-Mine.
Im Vordergrund steht für uns naturgemäß der Füllfederhalter, der seine eigenen Akzente setzt.
Der Bezug zum Parker "51" mit seiner verdeckten Feder drängt sich sofort auf. Die Edelstahlfeder wird in einer Größe F/M angeboten. Nur in dieser Größe.
In einer Preisklasse von unter EUR 100 (derzeit 1/26 im Diplomat-Webshop EUR 94) kann man keine Goldfeder erwarten, Aber vielleicht mehrere Federstärken?
Wir wollen uns den aktuell kräftig beworbenen und bei YT vielfach vorgestellten Viper näher ansehen. Mein eigener Blick auf die Dinge.

Beginnen wir mit dem Wichtigsten. Die verdeckte Feder. Hier im Vergleich dazu die Inland Nix (die Einlegefeder) von Sheaffer beim PFM von 1959. Damals war der Parker "51" von 1939, vorgestellt 1941, bestens bekannt und außerordentlich erfolgreich. Nachteilhaft war immer die schwierige Führung der Feder, ohne sie zu verkanten. Gerade bei schmalen Federn ein Problem. Durch die eingelegte Feder vermied dies Sheaffer bei der auch intern "Fish" genannten Feder, deren Führung sehr leicht ist,
Da sind wir schon beim entscheidenden Punkt. Kann man die Feder ausreichend gut führen, um ohne permanente Beachtung einfach nur schreiben kann? Hilft einem das Griffstück oder hindert es?
Die Feder ist gut geschliffen. Sie hat keine engen sogenannten "Sweet Point" wie z. B. die schmalen, vor allem sehr schmalen Lamy- 2000-Federn. Dennoch muß man gut ansetzen und meiner Erfahrung nach auch beim Schreiben darauf achten, daß die Feder sich nicht dreht. Das Griffstück ist glatt und unterstützt eine sichere Griffhaltung nicht.

Man sieht beim "mit" das Anschreibproblem auch Verkanten der Feder. Man muß sich also an solche Schreiber gewöhnen oder es paßt nicht.
Die schwarze Tinte von Lamy paßt perfekt zum schwarzen Modell und zum Tintenaggregat. Der Tintenfluß ist gleichmäßig in allen vier Ebenen und sehr leichtfließend, sehr gut reguliert. Nicht zu stark und ohne jede Neigung zum Blockieren. Die Feder läuft sehr leise und zeigt keinerlei Kratzen, Das entspricht dem sehr guten Ruf der Diplomat-Federn bzw. deren "Tuning" einer sicherlich eingekauften Feder. Wahrscheinlich ist es JoWo, aber ich weiß es nicht mit Bestimmtheit.
Die Federbreite erscheint mir gut überlegt und zeugt von der großen Erfahrung des Herstellers, der in Sachsen bei der alten Firma Markant produziert. Ein Produkt Made in Germany.
Wenn wir nun diese Tatsachen beachtet haben, können wir uns viel leichter dem gesamten Halter widmen, Hier die Dimensionen: Gewicht gefüllt 32 g, ohne Kappe 22 g. Länge geschlossen knapp 14 cm, offen knapp 13 cm und mit aufgesteckter Kappe 15 cm. Corpusdurchmesser max. 11 mm. Hinten aufgesetzt sitzt die Kappe sitzt ausreichend fest, ist nach meiner Einschätzung aber normalerweise nicht nötig. Der Halter besteht aus Aluminium und ist wunderbar schlangenhautartig guillochiert. durch Eloxierung wird eine feste Verbindung zwischen der Oberfläche und dem Aluminium aufgebaut. Die Fertigung des gesamten Halters erscheint sehr hochwertig. Wie das beim tiefschwarz glänzenden Clip ist, weiß ich nicht zu sagen.
Der Bezug zum legendären Parker "51" ergibt sich durch Größe, Grundform und Feder. Der "51" galt als ungemein praktisch und hat eine enorme Gesamtfunktionalität. Beginnen wir beim Clip. Dieser sitzt beim Viper extrem fest und man wird sicherlich empfindliche Innenfutter damit belasten. Eine Fremdfederung wäre die Lösung gewesen, wie es Sheaffer beim PFM zum Beispiel perfekt gelöst hat. Auch der Lamy 2000 ist so konstruiert. Hier also ein klares Minus.
Die Steckkappe: Ein weites Problem, Beim Lamy 2000 wird das fast gebastelt wirkende Blechkonstrukt mit der Zeit immer weniger willig, die Kappe stramm zu halten. Lamy bringt das problemlos immer wieder in Ordnung. Aber optimal is das nicht. Beim PFM z. B. sitzen drei Metallstifte im Corpus und fixieren an der Kappeninnenseite. Das nützt sich mit den Jahrzehnten etwas ab. Meist bleibt aber die Fixierung gut erhalten. Wenn es Ersatzteile gäbe, könnte man den Stift-tragenden Metallring einfach austauschen, Vorteil: Das Griffstück bleibt makellos, so auch beim 2000, der ja auch eine Befestigung der einen Stift-tragenden Ring vornimmt. Beim "51" geschieht das dauerhaft mit einem guttragenden breiten Ring,. Das Griffstück zeigt aber mit der Zeit Schleifspuren.
Und er Viper? Er hat die perfekte Lösung: eine Magnetarretierung, die keinerlei Abnutzungen kennt. Im Laufe der Jahre hat man bessere Konstruktionen gefunden, die hier zu einem Optimum geführt haben. Sichere und komfortable Befestigung. In diesem Zusammenhang die übliche Frage: Und die Befestigung des aufschraubbaren Corpus bei Metall auf Metall? Ja, der Corpus schraubt sich sicher fest. Dennoch kann sich der Corpus vom Griffstück durchaus einmal lösen. Das wird man sehen, Ein schmaler Gummiring würde das absolut lösen, wie es bei Sailor beispielsweise üblich ist
Das Griffstück wurde anderwo als zu glatt kritisiert. Ja, in Verbindung mit der Feder ist das ein Thema, Das Griffstück ist mattiert glatt eloxiert.
Erfreulicherweise ist ein guter Konverter montiert, keineswegs mehr üblich! Man hat auch an einen Oberflächenbrecher in Form eines spiralförmigen Drahtkörpers gedacht, der nicht klackt. Sehr gut. Die Kapazität entspricht den üblichen 0,6-0,7 mL der internationalen kleinen Patrone. Alternativ dürften auch große Patronen des Systems Pelikan passen.
Diplomat selber liefert in Kooperation mit Octopus eine Vielzahl von Tintenfarben. Diese kenne ich aber nicht. Die früher, mir bekannte blaue Tinte zeichnete sich immer durch exzellente Eigenschaften aus.
Zusammenfassende Beurteilung:
Mein Bericht fiel diesmal anders aus. Man muß bei der Feder anfangen, Sie entscheidet über alles. Entweder es paßt mit der Einheitsfeder aus Edelstahl, die einem breiten F entspricht oder nicht. Tintenleiter, Federschliff, vor allem Kappenbefestigung, hochwertiger Konverter und exzellente Gesamtqualität bei einem akzeptablen Preis sind weitere Pluspunkte. Eine sicherere Corpusarretierung mit einem schmalen Gummiring wäre wünschenswert. Weitere Federstärken sind zu überlegen. Die Einheitsgröße dürfte aber für viele Anwender genau richtig sein. Diplomat hat sich aber für mehr Farben entschieden, was die Attraktivität des Viper erhöhen dürfte. Eine großartige Zusammenarbeit ergibt sich mit der Lamy schwarz, die als gar nicht so gut bei den Schwarztinten allgemein bekannt ist.
Alles in allem? Ein neuer Entwurf hoher Attraktivität und Gesamtqualität, der Kappen-Magnetverschluß allein ist eine Schau. Wer mit der verdeckten Einheitsfeder gut schreiben kann, erhält ein besonderes, sozusagen klassenloses Produkt. Diplomat bleibt zu danken für einen eigenständigen Entwurf und man erkennt die Fertigungsqualität dieses Herstellers, die ein großes Kompliment verdient.
Es folgen einige Impressionen im Bild:
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