Majohn V60 (v sixty)

Klingt wie three sixty und

erinnert an den OMAS 360


Im Jahr 1996 kam ein außergewöhnlicher Füllhalter auf den Markt Der OMAS 360 der italienischen Schreibgeräteschmiede aus Bologna, die seit 1925 am Markt war. Er wurde in Scriptum Heft 4/96 vorgestellt. Er kostete damals 770 DM und bestand aus Baumwoll-Naturharz. Das Besondere war war das Releaux-Dreieck als Grundform des Halters, ein abgerundetes Dreieck als Querformat. Das Design stammte vom Mailänder Designer und Architekten Stefano Bini. Der Kolbenfüller erschien auf den ersten Blick schwarz, war aber dunkelblau. 

Alles andere ist eine neue Geschichte. 

Und während der OMAS 360 später im Design jäh verändert worden war und letztlich mit der Marke OMAS verschwand, taucht er in seiner Gestalt wieder auf. Wir wollen links liegen lassen, ob man einen letztlich kopierten Füllhalter Made in China akzeptieren mag oder nicht. 

Er ist jedoch eine einmalige Chance, dem OMAS 360 in Gestalt und Handling neu zu begegnen, Damals schreckte ich vor dem Original aufgrund seiner lausigen Qualität in Material und Verarbeitung zurück. Das weiche Harz neigte schon beim Aragon und Ogiva zum Stumpfwerden und Zerkratzen. Und der Kolbenmechanismus brach gerne ab. Auch das kannte man von OMAS. 

Natürlich hat der Moorman, neuerdings heißen die Produkte wohl wegen Rechtsstreitigkeiten Majohn. Auf der Kappe jedenfalls ist unverändert Moorman gelasert.

Auch hier haben wir eine fest sitzende Steckkappe, die identische Größe und das Mäander-Band an Kappe und Griffstück. Den mutigen Clip und ein Kolbenfüllsystem. Nicht ganz: Es ist ein Schmidt-Konverter!

Hier sieht man ihn an einem zweiten teiltransparenten braunen Exemplar. Die Akzente sind silberfarben (verchromt?) oder vergoldet. Das Kunststoffharz, das einen fertigen Eindruck macht, ist transparent in verschiedenen Farben oder durchsichtig bzw. durchgefärbt, was eine Tintenstandskontrolle unmöglich macht. Das war beim OMAS auch schon so. 

Geschlossen ist der Halter 14,7 cm lang, offen 13,2 cm und aufgesteckt 18 cm. Die Kappe hält nicht gut. Der lange Halter braucht ein Aufstecken der Kappe allerdings nicht. 

Entscheidend ist vielmehr, daß die Kappe in beiden Exemplaren sicher arretiert und der Halter nicht austrocknet auch nach vielen Wochen. 

Die große Stahlfeder ist wie hier einfarbig und bei den Exemplaren mit vergoldeten Akzenten teilvergoldet. Angeboten wird der wahrscheinlich aus Shanghai stammende Moorman, im Export Majohn genannt, mit F und EF. Meine beiden Exemplare sind durchaus unterschiedlich schreibende EF mit Tendenz zu F. 

Schreibprobe, 1.200 dpi
Schreibprobe, 1.200 dpi

Das obige Schriftbeispiel stammt vom schwarzen, das untere vom transparent braunen Exemplar. Wenn man die chinesischen Marken etwas besser kennt, sieht man typische Eigenschaften, Moorman oder Majohn hat eher leicht raspelige Federn, die teils auch eher trocken schreiben. Die teureren Asvine sind konsistenter in der Fertigung, saftiger im Fluß und stärker poliert.

Das zeigt, daß man evtl. einige Exemplare probieren muß. In Deutschland muß man um die 40 EUR bezahlen, bei chinesischen Versendern habe ich 16 EUR einschl. Versand für den schwarzen V60 bezahlt.

V60 klingt nach three sixty. Die auch als Vollkommenheit bezeichnete Zahl 360 zeigt sich hier in angedeuteter Bezeichnung.

Der kühn gebogene Clip ist sehr fest und er läßt sich kaum abheben, aber sicher klemmen. er entspricht im Design dem OMAS 360.


Zusammenfassende Beurteilung:

Gegenüber anderen chinesischen Clones ist dieses Remake des OMAS 360 auch ohne 18K-Goldfeder und die anspruchsvolleren Elemente eine interessante Sache, Ob einem das Handking der Dreiecksform am Griffstück besonders zusagt wie mir oder nicht geht, entscheidet schon grundsätzlich über Für und Wider. 

Das Design ist atemberaubend wie in den 90ern mit der Präsentation, die Feder ist einfach, in der Qualität zwischen befriedigend und nicht sehr befriedigend bis unbrauchbar (ein getestetes Exemplar schrieb überhaupt nicht). Inzwischen weiß man auch, wie man den Halter zerlegen kann, falls der Schmidt-Konverter als Kolbenfüllhalter-Lösung doch einmal versagen sollte. Auch die Feder läßt sich nach Erwärmen des Vorderteils entfernen. Es ist klar, daß die Montage eines Konverters mit der Dreiecksform beim Füllknopf herausfordernder ist als bei einer runden Form.

 

Ich selber beurteile die Form und das Handling als wesentliche Pluspunkte. Auch Auslaufsicherheit, guter Austrocknungsschutz und teils recht befriedigendes Schreibverhalten der rigiden Stahlfeder können gute Argumente sein, Ob die Kappe mit der Zeit noch sicher halten wird, läßt sich ebensowenig sagen wie Haltbarkeit des Füllsystems. Überrascht bin ich immer wieder über die steile Lernkurve in Produktion und Materialqualität. Die Kunststoffe erscheinen für den Anfang hochwertig. 

 

Da es das Original nicht mehr gibt, ist die Möglichkeit, dieses geh,onten OMAS 360 in einfacherer Form eine Überlegung wert. 

 

Viele Grüße

Thomas und die Pens and Freaks

 

Dezember 2025

Kommentare sind sehr willkommen. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Uwe (Dienstag, 30 Dezember 2025 17:44)

    Hmm ja, wenn man den OMAS 360 schön fand, mag man so etwas (quasi als "Erinnerung an vergangene Zeiten") anschaffen. Aber für Sammler ist das wohl eher keine Alternative!(?) Aber gut, mir gefiel schon der OMAS nicht ...

    Schade, ich hatte bei deiner Ankündigung auf die Vorstellung eines Asvine gehofft. Da finde ich u.a. die Vakuum-Modelle durchaus interessant. Aber vielleicht kommt das ja noch ... ? ;-)

    Viele Grüße
    Uwe

  • #2

    Pens and Freaks (Dienstag, 30 Dezember 2025 17:54)

    Natürlich, Uwe, habe ich den Asvine V800 und auch einen Eindruck ;)

    Wie sage ich immer. Ein Füllhalter ist wie ein Schuh. Es gefällt, es paßt. Oder nicht.

    Mir persönlich gefällt das Dreiecksdesign sehr. Er liegt perfekt in meiner Hand.

    Das Original ist teuer, konstruktiv unsicher und nicht unbedingt für den Einsatz heutzutage geeignet.

    Viele Grüße
    Thomas